Ex-Verteidigungsminister Morin in Erklärungsnot
Paris - Mit einer eher schwachen Ausrede hat der
französische Präsidentschaftskandidat und Ex-Verteidigungsminister
Hervé Morin versucht, seine Aussage zu erklären, er habe die Landung
der Alliierten in Nordfrankreich 1944 selbst miterlebt. Der
50-Jährige schrieb am Dienstag per Kurznachrichten-Dienst Twitter:
"Wenn man aus der Normandie stammt, dann sind die weißen
Kriegsgräberkreuze Teil der eigenen DNA."
Morin hatte am Sonntag in Nizza bei einer Veranstaltung gesagt:
"Diejenigen unter ihnen mit weißem Haar, die aus der Nähe die
Landung in der Provence gesehen haben ... Ich, der ich in der
Normandie die Landung der Alliierten gesehen habe - wir haben sehr
viel schwierigere Situationen durchlebt als die heutigen." Dem 1961
geborenen Morin, der Chef der rechtsliberalen Kleinpartei "Neues
Zentrum" ist, werden in Umfragen derzeit null bis ein
Prozent Wählerzustimmung zugemessen.
Morin, der als Verteidigungsminister vom früheren Fraktionschef
der konservativen Präsidentenpartei "Union für eine Volksbewegung"
(UMP) im Senat, Gérard Longuet, abgelöst worden war, strebt die
Gründung einer großen Zentrumspartei an. Er hatte erklärt, dass die
UMP nur eine "Klammer" sei, die sich 2012 "schließen" werde. Der
Zentrumspolitiker war 2007 zwischen den beiden Durchgängen der
Präsidentenwahl zum siegreichen UMP-Kandidaten Nicolas Sarkozy
übergelaufen, während Ex-Erziehungsminister Francois Bayrou das Mouvement Democrate (MoDem) gründete. Die Atmosphäre zwischen
Konservativen und Zentrum verschlechterte sich aber zunehmend, als
Sarkozy in Sicherheits- und Gesellschaftsfragen einen Kurs steuerte,
der vor allem darauf abzielte, der extremen Rechten Stimmen
wegzunehmen. Die Präsidentenwahl in Frankreich findet im April und Mai statt. (APA)