"Recht, vergessen zu werden"

EU-Kommission stärkt Datenschutz im Internet

24. Jänner 2012, 15:18

Explizite Zustimmung zu Verwendung von Daten künftig nötig

Die EU-Kommission will den Datenschutz EU-weit stärken und vereinheitlichen. Mit einer neuen Verordnung, die am morgigen Mittwoch in Brüssel vorgestellt wird, soll der Datenschutz vor allem im Internet verstärkt werden. Neben schärferen Sanktionsmöglichkeiten soll ein "Recht auf Vergessen" dem Einzelnen ermöglichen, dass persönliche Daten, die im Internet kursieren, wieder gelöscht werden können.

"Recht, vergessen zu werden"

"Wenn man im Internet irgendwo Daten angibt, reicht es in Zukunft nicht mehr wie bisher, dass implizit die Zustimmung zur Verwendung der Daten gegeben wird, etwa indem man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert", erklärte der Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich, Richard Kühnel, am Dienstag in Wien. In Zukunft muss die Zustimmung von Internetbetreibern explizit eingeholt werden. Neu sei außerdem ein "Recht, vergessen zu werden". Dem Einzelnen soll dies ermöglichen, die Löschung von persönlichen Daten zu erreichen, die im Internet kursieren.

Die Medienfreiheit werde dadurch natürlich nicht eingeschränkt, da Daten, die in Medien veröffentlicht wurden, nicht davon betroffen seien, erklärte Kühnel. Ein Grenzfall würden jedoch wahrscheinlich Veröffentlichungen in Blogs darstellen, so der Kommissions-Vertreter in Österreich. In derartigen Fällen habe künftig die europäische und die nationalen Datenschutzstellen zu entscheiden, die zur Überwachung des Datenschutzes in allen EU-Mitgliedsländern eingerichtet werden, erklärte Kühnel.

Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Unternehmen bei Verstößen gegen den Datenschutz

Verschärft werden sollen auch die Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Unternehmen bei Verstößen gegen den Datenschutz in Form von Strafzahlungen. Dazu muss jedes ausländische Unternehmen eine Kontaktperson in Europa haben. Laut einem ersten Entwurf der Verordnung sollen Unternehmen bis zu fünf Prozent ihres Weltumsatzes als Bußgeld zahlen. Endgültig wird über die Höhe der Strafen morgen entschieden.

Von der Vereinheitlichung der Datenschutzbestimmungen erwartet sich die EU-Kommission weniger Bürokratie und Einsparung in der Höhe von 130 Millionen jährlich. Zudem werde die einheitliche EU-Verordnung, welche die nationale Gesetzgebung ersetzt, der Wirtschaft nützen und vor allem für ausländische Unternehmen Erleichterungen und Einsparungen bringen, erklärte Kühnel. (APA)

Wolfgang Granon
 
00
26.1.2012, 07:17

Man sollte sich auch der weitreichenden Auswirkungen bewusst sein. Dies ist wieder einmal eine Einschränkung und Beeinflussung des Internets. Gegen die Persönlichkeitsrechte würde es verstoßen, wenn etwas verbreitet wird, was ich _nicht öffentlich_ gepostet habe. Wenn es hingegen möglich ist, etwas offen zu posten und dies dann nachträglich aus dem Internet tilgen zu lassen, dann ist das ein gewaltiger Schritt in Richtung verantwortungsloser Sorglosgesellschaft und Nebenbei eine Einschränkung des Wissens. Damit werden sich Scharlatane künftig im Internet noch weniger zurück nehmen. Glückwunsch für diesen weiteren Schritt zum Qualitätsverfall des Internets an die ganzen Datenschutz Hypochonder!

Stefan Lindemann
00
24.1.2012, 18:19
Na viel Glück

Bin gespannt, wie es einem Gericht gelingen soll, einen populären Bittorrent-Upload wie insurance.aes zu vernichten, oder noch besser, eine Stegano-Nachricht aus der Bitcoin-Blockkette zu entfernen. Wie stellen die sich so etwas vor? 100.000 Hausdurchsuchungen in 150 Ländern, gleichzeitig?
Und das nur für eine einzige Klage?

Solche p2p Netzwerke sind nur der Anfang. Es wird nicht lang dauern bis irgendjemand geleakte Geheimakten in die DNA von Schimmelpilz-Sporen hinein kodiert und über eine Grossstadt verbreitet. Von Nanotech ganz zu schweigen.

„Recht vergessen zu werden“ ist schön und gut, aber wird in Anbetracht der Technischen Entwicklung irgendwann genauso lächerlich klingen wie „Recht im Erdboden zu versinken“.

OttotheBusdriver
04
24.1.2012, 16:38
Mir würde schon reichen

wenn es keine Vorratsdatenspeicherung und keine Telephondatenspeicherung gäbe.

Die wurde ja von genau dieser Kommission angeschafft die jetzt auf Bürgerfreund tut.

Wählen wir diese Kommission doch ab! Ach so, das geht ja gar nicht, denn diese Kommission wurde nie durch Wahlen legitimiert. Jössas, das is ja wie im Kommunismus.

Pool Snoopy
 
00
25.1.2012, 13:58

aber ich geb ihnen natürlich in dem punkt recht, dass das vor dem hintergrund der verbindungsdatenspeicherung eine sehr verlogene aktion ist.

Pool Snoopy
 
00
25.1.2012, 13:57

naja, die kommissare werden von den jeweiligen regierungen entsandt. und die sind in europa zum glück schon demokratisch legitimiert.
wir haben zum beispiel den hahn dorthin entsorgt. wenn andere länder auch solche leuchten schicken, dann dürfen wir uns nicht wundern.

Isokolon
02
24.1.2012, 16:15
und da schimpfen sie alle auf die EU...

...als ob Mickl-Leitner und die Schottermizzi jemals so eine Verordnung beschlossen hätten.
Weiter so EU!

hlg
00
24.1.2012, 17:44
googelns bitte mal indect...

und dann post ma weiter...

Isokolon
01
24.1.2012, 18:48

touché....

STiAT
32
24.1.2012, 15:26
"Ein Grenzfall würden jedoch wahrscheinlich Veröffentlichungen in Blogs...."

Das wollen sie ja erreichen, dass nur noch kontrollierte Medien News veröffentlichen können....

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