Staatsoper und Burgtheater: Verträge mit Direktoren verlängert

24. Jänner 2012, 15:17

Dominique Meyer bis 2020, Franz Welser-Möst bis 2018, Matthias Hartmann bis 2019

Wien - An den wichtigsten Kulturposten in Österreich wird auch in den kommenden Jahren nicht gerüttelt: Die Verträge der Direktion von Staatsoper und Burgtheater wurden wie erwartet vorzeitig verlängert, wie das Kulturministerium am Dienstag bekanntgab.

Dominique Meyers neuer Vertrag an der Staatsoper läuft dann bis 31. August 2020, seinen Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst bestellte er selbst weiter bis 2018, Matthias Hartmann bleibt zumindest bis 2019 Burgtheaterchef.

Über die Vertragsverlängerung des Staatsopern-Führungsduos war schon lange spekuliert worden - bereits wenige Monate, nachdem Meyer und Welser-Möst mit der Saison 2010/11 die Arbeit aufgenommen hatten. Beide Verträge waren auf fünf Jahre abgeschlossen, nun geht es für Meyer zumindest bis zu Saisonende 2019/20 weiter, Welser-Möst wurde zunächst nur bis 2018 bestellt - mit einer Verlängerungsoption um zwei Jahre, die bis 2015 eingelöst werden muss. 2018 läuft auch Welser-Mösts Vertrag als Chefdirigent des Cleveland Orchestra aus.

Stellenwert ausgebaut

Meyer und Welser-Möst hätten "den Stellenwert der Wiener Staatsoper als international führendes Opernhaus weiter ausgebaut", so Kulturministerin Schmied. Der "weltweit einzigartige Repertoirebetrieb" werde mit dem "Anspruch der höchsten Qualität behutsam gepflegt und erneuert." Meyer selbst betonte: "Wien ist mir ans Herz gewachsen, ich habe einen hervorragenden Generalmusikdirektor an meiner Seite, ein wunderbares Team und fühle mich vom Publikum sehr unterstützt. Letztendlich gibt es keine schönere Aufgabe in meinem Beruf, als die Wiener Staatsoper zu leiten."

Auch die Weiterbestellung von Burgtheater-Direktor Hartmanns war bereits erwartet worden. Der Burgtheaterchef wurde im Jahr 2006 gekürt, zur Saison 2009/10 übernahm er von Klaus Bachler, ebenfalls mit einem Fünfjahresvertrag bis 2014. Dem Burgtheater verleihe er seitdem "eindrucksvoll ein eigenes künstlerisches Profil und feiert mit unverwechselbaren Produktionen national wie international große Erfolge", lobte Schmied. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 53
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p-hammer
21
25.1.2012, 09:58
Erwartbar

Hartmann tut niemandem weh - und die Auslastung dürfte passen. Dass er dem Theater die Präsenz und Brisanz der Peymann-Zeit nicht wiedergibt war eh klar. Insofern der logische Nachfolger seines Vorgängers Bachler.

Bei der Oper ist es etwas anderes. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten bei den Verträgen muss man rund drei Jahre vorausplanen. Daher ist es logisch, eine Direktion zu verlängern, wenn keine desaströse Entwicklung erkennbar ist. Und das ist sie nicht. Wirklich messen lassen muss sich Meyer an den kommenden drei Saisonen, weil bei 10/11 der Holländer auch noch gehörig mitgespielt hat. Tatsächlich beginnt die Alleinverantwortung eines neuen Operndirektors letztlich (wegen der Verträge) erst mit seiner 2./3. Saison

gerneleserIn
01
31.1.2012, 13:39

Hartmann wäre ein viel besserer direktor wenn er endlich aufhören würde, jede zweite regie sich selbst zu überantworten. er soll mal lieber geeignete und wirklich talentierte regisseurInnen holen, anstatt sich sein intendantengehalt noch mit regiegagen aufzufetten u das publikum mit (bestenfalls) mittelmass zu langweilen.

Cooper the Bloom1
 
14
25.1.2012, 01:40
Darin spiegelt sich ein eklatanter Entscheidungsunwillen

von Seiten der Kulturministerin! Es gäbe für beide Positionen so viele bessere Kandidaten, aber da müßte man halt initiativ werden, suchen, abwägen, etc... und das ist eben anstrengend. Hartmann ist ein guter Marketing Direktor, aber kein "Burgtheaterdirektor", das Haus ist künstlerisch in die Belanglosigkeit gerutscht. Meyer trifft gelinde gesagt sehr problematische, künstlerische Entscheidungen. Barockopern funktionieren im Haus am Ring nicht, Weil offenbar auch nicht, seine Regisseure sind schwach und die neuen Stimmen nicht überwältigend... aber jetzt hat er ja Zeit zu lernen...

Florian Brandner1
20
25.1.2012, 08:30
Wer wären den die "besseren Kandidaten" ihrer Meinung nach?

Pyg Malia
21
25.1.2012, 11:02
Zum Beispiel

Frank Baumbauer, der wäre frei. Hat die Münchener Kammerspiele in kurzer Zeit ohne große Budgetauffettung an die Spitze geführt. Mit ihm hätte man beides: Großes Schauspielertheater und ästhetisch -konzeptionelle Verankerung in der Gegenwart.
Ob er sich's in Wien antun würde - eine andere Frage.

S.Peschina
00
26.1.2012, 16:01

Meines Wissens nach tut er sich überhaupt keine Theaterintendanz mehr an. Ich glaube, er kümmert sich nach dem Tod seiner Mutter um die von ihr aufgebaute Künstleragentur.

IchbinIch5
41
25.1.2012, 14:49

Frank Baumbauer wäre ideal. Außerdem: Stefanie Carp - endlich eine Frau in dieser Macho-Männerclique von Schotti über Föttinger bis zu Hartmann.

Pyg Malia
10
25.1.2012, 14:56
Allein schon

diese Aneinanderreihung hinzuschreiben: "...von Schotti über Föttinger bis zu Hartmann".
Sie sind ein ganz Hartgesottener. ;)

smily record
14
25.1.2012, 00:02
Wie schnell und wie lange?

Herr Meyer ist gerade mal 2 schwache Jahre in Wien und wird letztlich auf die kommenden 9 Jahre fixiert?
Ähnliches mit Hartmann.
Ob das für die regelmäßig gewünschte Frischzellernkur auf der bürgerlichen Hochkulturdampfer eine kluge Entscheidung ist?
Innovativität kommt zwar nicht von hohem Leistungs- und Bestätigungsdruck, aber das Gegenteil macht recht sicher faul und träge.

Pyg Malia
28
24.1.2012, 20:23
Das Dilemma Hartmann

hat ja schon in der Ära Bachler begonnen, Hartmann macht da nur weiter. Bachler hat das importiert, was am Thalia Theater oder an den Münchener Kammerspielen schon funktioniert hat, und so kamen die immergleichen Regisseure (und immergleichen Autoren) auch an der Burg zu ihrem Einsatz.
Was ich schade finde ist, dass das Burgtheater dadurch die künstlerische und gesellschaftliche Strahlkraft der Ära Peymann völlig verspielt hat, von der Brisanz ganz zu schweigen. Ich denke aber, das ist politisch wahrscheinlich gar nicht gewollt. So erklärt sich dann auch diese (und manch andere) Besetzung.

IchbinIch5
23
25.1.2012, 14:52

Die Ära Peymann wird hier etwas überschätzt. Da konnte man gerade auch in den letzten Jahren viel Unsinn, Oberflächliches und Banales sehen. Und hatte Peymann denn die Regisseure, die exklusiv am Haus gearbeitet haben? Die waren doch auch an anderen Häusern präsent. Zudem glaube ich nicht, dass es jemand ärgert, wenn Andrea Breth jetzt auch in Düsseldorf inszeniert. Es werden wohl die wenigsten hin- und herfliegen. Tatsächlich aber hatte Bachler einen stärkeren Zugriff als jetzt: Breths Klassiker, Kusejs österreichische Klassiker, Stemanns Jelineks, die Handkes und die Jonkes. Da waren Linien erkennbar, Dramaturgie und Wissen. Und jetzt: Gespielt wird, was eine Rolle für Michael Maertens bietet!

Donadon Berstscheibe
20
25.1.2012, 23:00

Das ist jetzt ein bisserl unfair;
der Maertens reklamiert sich ja mittlerweile auch in Rollen rein, die ursprünglich nicht für ihn vorgesehen waren.
(Dabei mochte ich ihn während seiner ersten Phase in Wien wirklich, aber jetzt ist er auf dem besten Weg, ein neuer Schenk zu werden.)

krikri
22
26.1.2012, 12:17

maertens ist ein absoluter ausnahmeschauspieler der an acht tagen hintereinander in acht verschiedenen hauptrollen jeweils die person deren namen er im stück trägt singulär verkörpert. jemand der ihn mit schenk vergleicht hat von menschendarstellung bzw. vom theater überhaupt nichts begriffen.

Donadon Berstscheibe
11
26.1.2012, 20:15

Maertens Talent und Können stell ich keineswegs in Frage. Seit seiner Rückkehr nach Wien stagniert er in seinem Variantenreichtum leider ein wenig. Er machts sichs im Moment, glaub ich, selbst ein bisschen zu leicht bzw. wird es ihm durch die veränderte/gesunkene Erwartungshaltung der Zuschauer/Regisseure zu leicht gemacht.

IchbinIch5
22
26.1.2012, 14:48

Natürlich ist Maertens ein Ausnahmeschauspieler. Aber ihm fehlen die guten Regisseure - in Wien spielt er leider immer nur sich selbst.

Pyg Malia
21
26.1.2012, 15:00
Maertens

werden diese Rollen und Regisseure ja nicht permanent aufgezwungen. Es scheint ihm einfach zu gefallen, die Rolle des omnipräsenten Publikumslieblings auszufüllen. Vor diesem Hintergrund ist der zuvor geäußerte Vergleich mit Schenk zu sehen.

Pyg Malia
13
25.1.2012, 15:04
Ja und nein

Wahr ist, dass die Qualität unter Bachler deutlich höher war als jetzt unter Hartmann, keine Frage. Im Vergleich zu Peymann geht es mir eher darum, was das Haus als Ganzes, auch als gesellschaftliche Institution, zu leisten vermochte. Und diese wichtige Dimension, die bewirkt hat, dass sich das deutsch(sprachig)e Theater samt Medien an der Burg orientiert hat, ging unter Bachler systematisch flöten, bis sie unter Hartmann...naja...;)

IchbinIch5
21
26.1.2012, 08:17

Natürlich hatte die Burg unter Peymann eine andere Relevanz als später. Aber: Ich glaube, das hat nichts mit dem jeweiligen Direktor zu tun (oder nicht nur), sondern mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, die das Theater an den Rand gedrängt haben. Auch von Zuschauerseite wünscht man ja vermehrt das Oberflächliche, leicht konsumierbare. Man hätte schon auch unter Bachler über vieles Streiten und Diskuttieren können - allein die Arbeiten Schlingensiefs bargen mehr Konfliktstoff als die letzten Peymann-Jahre zusammen. Aber es geht nicht nur dem Theater so: alles wird unter einer dicken Decke erstickt. Die Leute wurden lethargischer ...

S.Peschina
11
26.1.2012, 16:18

Das Publikum wurde aber nicht vorsätzlich - mit dem Weggang Peymanns - lethargisch. Wie Peymann einmal im Fernsehen sagte, Theater ist vor allem auch ein gegenseitiges Kommunizieren, sich Befruchten, Austauschen. Und dieses wurde von der Direktion Bachler total vernachlässigt. Vorhang auf, "Friss Vogel oder Stirb", Vorhang zu, Hauptsache die schicken Theatermedien hatten das Stück, den Regisseur oder eine Ästhetik ein Jahr vorher irgendwo gelobt. Hartmann begann in der peymann'schen Art, dann hat ihn wer eingeredet "er dürfte ja nur kein 2. Peymann werden", worauf er sichtlich in der 3. Saison Bachlers Stiefel angezogen hat und als Belohnung in den Besten 10. der nachtkreitk.de erwähnt wurde.

Donadon Berstscheibe
12
26.1.2012, 20:10

Ich würde Hartmanns Zugang schon noch ein wenig von dem Bachlers abheben. Beim Hartmann hat man ja immer das Gefühl, er möchte in erster Linie Direktor eines renommierten Hauses sein um seinen persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen, nicht weil er sich der gesellschaftlich-kulturellen Verantwortung bzw. Gestaltungsmöglichkeiten eines solchen Postens bewusst ist (jenseits der Kategorien Auslastung und Unterhaltung denkt er, glaub ich, gar nicht; ästhetisches Konzept: Fehlanzeige).
So konformistisch war der Bachler nie und der Umstand, dass er sich, im Gegensatz zum Hartmann, als Person eher zurückgenommen hat, ließ halt doch auch wieder viel Raum für die Entfaltung heterogener Ansätze. Hartmanns Onmipräsenz scheint solche hingegen zu ersticken.

S.Peschina
20
27.1.2012, 13:16

Mir erschien Bachler so ungeheuer eitel und selbstverliebt, dass ihm wahrscheinlich jede schlechte Kritik weh getan hat. Was dazu geführt hat, dass er im vorauseilenden Gehorsam, um Schlage zu verhindern, um Anerkennung bettelnd all das gespielt hat, was die Opinion Leader vorgegeben haben. Klingt böse, aber das glaube ich ehrlich.

Hartmann hingegen verlässt sich zu stark auf die Erfolge in der Jugendszene, die ihm seine Schwester und sein Schwager erarbeiten, und findet im Moment - nach einer sehr starken 1. Spielzeit und einer starken 2., in denen alle seine "Glanzlichter" präsentiert wurden keinen richtigen Tritt
Möglicherweise hat die bevorstehende Vertragsverlängerung ihn auch zum Opportunismus verleitet oder gezwungen.

IchbinIch5
11
27.1.2012, 14:20

Bei Bachler fanden sich aber von Stemann über Schlingensief bis zu Kusej um einiges prägnantere und schärfere Regiesprachen als im Lach-und-Schieß-Stadl Hartmann! Und wenn Bachler so Angst vor schlechten Kritiken gehabt hätte, hätte er dem Herrn Sichrovsky, der ihn jahrelang runtergeschrieben hat, wo anders hinkriechen müssen. (So wie jetzt, um ganz böse zu sein, Hartmann).

S.Peschina
00
27.1.2012, 18:53

Sie schrieben oben irgendwo, dass Sie die Ära Peymann überbewertet finden. Ich finde wiederum die von Ihnen als so prägnant angesehenen Regiestile von Kusej, Stemann und Schlingensief nicht so Theater prägend wie Sie sie sehen.

Schlingensief war selbst ein "Gesamtkunstwerk" und als dieses wird er wohl auch in die Theatergeschichte eingehen nicht so sehr als interpretierender Regisseur.

Kusej und Stemann würde ich zwar in hoher Qualität aber doch als Szenelieblinge sehen, die möglicherweise schon jetzt - in ihren mittleren Jahren - ihren künstlerischen Zenit überschritten haben, Aber da kann mich die Zukunft natürlich noch korrigieren.

kevin, justin und jaqueline
11
24.1.2012, 19:27
na schau, der harti wurde verlängert ....

da mach sich eine gemeinsame reise mit dem stallerhof nach liechtenstein bezahlt ;-))

warum hat man da eigentlich nichts darüber im standard gelesen? immerhin war der auch mit von der partie. war es doch ein ``arbeitstreffen´´ zwischen schmied und frick.

G. Bitte!
00
24.1.2012, 18:54

Wie lang sind die beiden jetzt?

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Posting 1 bis 25 von 53
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