Die Option, den ESM mit Mitteln des EFSF aufzufüllen, sei "konsensfähig"
Brüssel - Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) kann sich
vorstellen, dass der für Juli geplante permanente Euro-Rettungsschirm ESM bei
einer Zusammenlegung mit dem laufenden
Rettungsschirm EFSF eine Größenordnung von 750 Milliarden Euro
aufweisen könnte. Gefragt, ob eine
Zusammenlegung der aus dem EFSF übrig gebliebenen Gelder mit den 500
Milliarden Euro, die für den ESM geplant sind, denkbar wäre, sagte sie: "Ich
glaube, das ist konsensfähig." Sie sehe dadurch auch keine zusätzlichen Belastungen für Österreich entstehen, meinte Fekter am Dienstag am Rande des EU-Finanzministerrats in Brüssel.
Derzeit, so Fekter, "gehen wir von 500 Milliarden Euro beim ESM
aus, plus dem, was halt dann noch zusätzlich übrig bleibt". Zu
berücksichtigen sei auch, dass der EFSF "jetzt noch parallel die
Programme mitbetreut, die er ohnehin hat, bis der ESM dann ganz
fertig von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert ist. Das dauert ja auch
noch seine Zeit, bis alle das parlamentarische Prozedere
bewerkstelligt haben."
Faymann und Monti wollen mehr Geld
Der EFSF führe derzeit noch das Programm für Portugal und Irland
"und unter Umständen das zweite Programm für Griechenland" durch, so Fekter. Der
EFSF werde also seine Mittel noch brauchen. Außerdem habe der EFSF
seine beiden Instrumente zur Hebelung operativ entwickelt. Das habe
auch EFSF-Chef Klaus Regling zuletzt erklärt. Beide Instrumente seien
am Kapitalmarkt machbar, die Frage sei noch, wie sie angenommen
werden.
Im Gegensatz zu Fekter sprach sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Dienstag nach dem Ministerrat in Wien für eine direkte Aufstockung des ESM auf 750 Milliarden Euro aus. Das hieße, dass neue Mittel der Staaten fließen müssten. Es gehe
darum, gemeinsam eine Basis dafür zu schaffen, die Risiken zu
minimieren, sagte der SPÖ-Chef. Auch für den italienischen Premierminister Mario Monti führt kein Weg an einer ESM-Aufstockung vorbei, konkrete Zahlen nannte er am Dienstag aber nicht.
Griechenland muss Reformzusage leisten
Weiters haben sowohl Fekter als auch ihr deutsches Pendant Wolfgang Schäuble (CDU) von Griechenland
neuerlich eine schriftliche Erklärung für weitere Finanzhilfen gefordert. Vor
Beginn der Sitzung der EU-Finanzminister sagte Fekter, der Internationale Währungsfonds (IWF)
arbeite noch das weitere Programm mit den Griechen aus. "Aber wir werden das nur
dann positiv beschließen können, wenn sich zu diesem Programm die
Regierungsparteien und die anderen Parteien verständigen. Das muss schriftlich
sein."
Schäuble erwartet sich eine Zusage, wie es bei Portugal und Irland vor den Wahlen auch der
Fall gewesen sei.
Fekter sprach von einer "direkten Ansage an Griechenland". Die Gemeinschaft
erwarte sich von Athen einen solchen Schritt. Es müsse auch strukturelle
Reformen geben, denn "die Ausgaben sind bisher nicht wirklich gesunken. Damit
sind wir nicht zufrieden. Es muss die politische Ebene in Griechenland wissen,
dass wir erwarten, dass sie mehr tun."
Wie spannt man den Rettungsschirm auf?
Unklar bleibt, ob nach der für ein Jahr - ab Juli 2012 bis Juli
2013 - geplanten Überlappung von EFSF und ESM die Volumina nach Auslaufen des bestehenden
Rettungsschirms wieder auf
die 500 Milliarden Euro für den ESM zurückfallen. "Technisch wird man dann zu entscheiden
haben, ob alle (den ESM) ratifiziert haben und wie wir damit umgehen.
Aber es ist schon klar, dass mit der Ratifizierung des ESM das
eigentlich beendet ist", sagte Fekter. Gefragt, ob es bei den 500 Milliarden Euro bleibe, antwortete sie: "Wir
erweitern die Shares, also das Stammkapital, wenn Sie so wollen. Die
Anteile werden nicht erweitert, die sind fixiert." Es hänge auch
davon ab, wie viel vom übergeführten EFSF dann noch vorhanden sei.
Noch keine endgültige Einigung haben die EU-Finanzminister über
die Einzahlungsmodalitäten und -fristen für den ESM getroffen.
Österreich hat von der Einlage von 80 Milliarden Euro 2,2 Milliarden
zu berappen. Die Entscheidung soll beim nächsten EU-Gipfel kommenden
Montag fallen, an dem auch der Fiskalpakt wegen Nichteinigung der
Finanzminister bzw. der Wünsche einiger Staaten in die Obhut der
Staats- und Regierungschefs übergeben wird. Fekter sagte, sie würde
eine Einzahlung in zwei Tranchen am Beginn bevorzugen. Ursprünglich
war eine Fünfertranche vorgesehen - von 2013 bis 2017 -, durch das
vorgezogene Inkrafttreten des ESM ist eine frühere Einzahlung nötig. (APA)