Wien

Migranten: Miese Jobs, öfter arbeitslos

24. Jänner 2012, 14:12

Arbeiterkammer-Studie: Ein Drittel ist für den ausgeübten Beruf überqualifiziert, die Hälfte verdient weniger als 1400 Euro

Wien - Migranten und Migrantinnen werden häufiger arbeitslos, arbeiten öfter unter ihrer Qualifikation und werden schlechter bezahlt: Was Arbeitsmarktforscher schon lange sagen, wurde nun durch eine umfangreiche Erhebung im Auftrag der Arbeiterkammer Wien belegt.

Überqualifiziert

Ein Drittel der Migranten ist für den Job überqualifiziert: Von den 2001 befragten Wienern mit Migrationshintergrund gaben 33 Prozent an, dass ihre berufliche Tätigkeit unterhalb ihres Ausbildungsniveaus angesiedelt sei - nur elf Prozent der Nichtmigranten trafen diese Aussage. Auch Zugewanderte, die einen österreichischen Abschluss vorweisen können, sind viel häufiger unter ihren Fähigkeiten beschäftigt als Nichtmigranten mit heimischem Zeugnis.

Auffallend hoch sind auch die Einkommensunterschiede je nach Herkunft: Jeder fünfte Nichtmigrant verdient weniger als 1400 Euro netto im Monat - und jeder zweite Migrant.

Öfter arbeitslos

Auch das weit höhere Risiko der Arbeitslosigkeit bei Migranten sticht ins Auge - und zwar unabhängig vom Ausbildungsgrad. Auf die Frage "Waren Sie seit dem Jahr 2000 einmal arbeitslos?" antworteten 19 Prozent der befragten Österreicher mit Pflichtschulabschluss mit Ja - bei den Pflichtschulabsolventen mit Migrationshintergrund waren es 55 Prozent. Ähnlich groß ist die Kluft bei Menschen mit Lehre oder Mittelschulabschluss, aber auch bei Akademikern. Acht Prozent der Nichtmigranten mit Uni-Abschluss waren in den letzten zwölf Jahren arbeitslos - und 25 Prozent der Migranten.

Das Ausbildungsniveau der Migranten variiert sehr stark: So gibt es unter Zugewanderten aus Russland, der Ukraine und dem Iran, aber auch bei Asylsuchenden im Allgemeinen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Akademikern. Bei Zugewanderten aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Albanien findet sich ein vergleichsweise hoher Anteil an Absolventen einer mittleren Schule oder einer Lehre - 55 Prozent der Männer aus dieser Gruppe verfügen über einen solchen Abschluss, bei den Männern aus der Türkei sind es nur 26 Prozent. Hier fällt wiederum der hohe Pflichtschulabsolventen-Anteil auf: 46 Prozent der Migranten und 50 Prozent der Migranten aus der Türkei haben nur eine Basisausbildung vorzuweisen. 

Je "frischer" im Land, desto gebildeter

Doch hier sei vieles im Wandel, sagen die Autoren. "Je kürzlicher zugewandert, desto höher ist das Bildungsniveau", sagt Studien-Mitautorin Susanne Schelepa. Das gelte insbesonders für Migranten aus der Türkei.

Probleme zeigen sich weiterhin bei der Anerkennung der Zeugnisse: Zwar verfügen 75 Prozent der Befragten über keinen österreichischen Abschluss, doch haben nur 17 Prozent von ihnen eine Nostrifizierung, also eine Anerkennung ihrer ausländischen Qualifikation, beantragt. Die angegebenen Gründe laut Schelepa: "Zu langwierig, zu teuer und für die Ausübung meiner Tätigkeit nicht unbedingt notwendig."

Aus der Studie ergibt sich zudem eine relativ starke Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Bei einem Viertel der befragten Migranten sind beinahe alle Kollegen Migranten. Bei den Nichtmigranten wiederum komme es häufiger vor, dass kein Kollege Migrationshintergrund hat.

Für die von der L&R Sozialforschung erstellte, 900 Seiten starke Studie wurden 2306 unselbstständig Beschäftigte aus Wien, deren letzte Beschäftigung nicht länger als ein halbes Jahr zurücklag, befragt. (mas, derStandard.at, 24.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 280
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Sir Vival
00
25.1.2012, 09:51

Also ich habe jetzt keine Statistik abrufbereit aber EUR 1400 netto sind knappe EUR 2000 brutto, und ich bezweifle stark dass 80% der Nichtmigranten über diesem Einkommen liegen. Schaut mir mehr nach einer üblichen Verwechslung von brutto und netto aus.
So rein gefühlsmäßig.

Sir Vival
00
25.1.2012, 10:01

muss mein Gefühle korrigieren, laut Statistik Austria kommt das schon hin.

Hydrogeniumhydroxid
11
25.1.2012, 09:31
Vorurteile sind sicher ein Problem.

Aber was soll man machen?
Wer seine eigene Frau und Töchter in Zwangstücher steckt, wird wohl kaum eine Vorgesetzte akzeptieren. Schon gar keine Kolleginnen.

Pendolino
01
25.1.2012, 11:32

wieder mal so ein vorurteil

H.A.Zwirn
02
25.1.2012, 07:38
Ein Beispiel am Praterstern

Vor dem Umbau des Praterstern-Bahnhofs hat im dortigen Blumengeschäft ein freundlicher älterer Herr die Kunden bedient. Er war ein ausgebildeter Atomphysiker aus Teheran, ist nach der Machtübernahme Khomenis 1980 geflüchtet und hat in Österreich als Physiker nur verschlossene Türen gefunden.

riotx
02
25.1.2012, 09:38
Grad für Atomphysiker gibt es im Iran gänzende Karriereaussichten.

Die werden dort so händeringend gesucht wie bei uns nur IT Fachkräfte. Anscheinden verkauft er aber lieber Blumen, also lassen Sie ihn doch!

Daniel Dillinger
 
01
25.1.2012, 09:30

Was soll ein Atomphysiker in einem Land des Atom- und Genfrei ist?

John Swollenballs
00

Naja nen schlauen Kopf kann man sicher in der Forschung unterbringen. Vorrausgesetzt er ist es...

aculus populus
 
00
BTW

was hat ein Atomphysiker mit Gentechnik zu tun??? Bitte nicht Atomphysik mit Biotechnologie mischen.

aculus populus
 
00
hmmm ...

mnd ich dachte immer die International Atomic Energy Agency (IAEA) würde in der Wagramer Straße 5, 1220 Wien ihren Sitz haben. Tja, da kann man sich irren.

Bluestone
02
25.1.2012, 06:43
Unsinn

1. Warum fragt man die Betroffenen selber, ob sie sich für überqualifiziert halten? Nau nonaned.

2. Für mich ist unlogisch, daß eine österreichische Firma sich freiwillig eines überqualifizierten Mitarbeiters von selber entledigt-außer sie sind extrem unangepasst oder ungeeignet.

3. Die Echtheit mancher Abschlußzeugnisse darf schon angezweifelt werden.

4. Bei echten Abschlußzeugnissen kann man ja den Beweis durch Nostrifizierung leicht antreten, daß auch das Niveau passt.

Wo ist da jetzt die Ungerechtigkeit? Ich halte diesen Artikel für eine verzerrte Darstellung und unreflektierte der Realität, ohne das WARUM zu hinterfragen.

aculus populus
 
00
Erfahrungsbericht: Nachtschicht Post Zeitarbeit

<Ausländerdeitsch-tag> Kollega sprich nur Englisch, hat hier Frau geheiratet die in Abu Dhabi kennengelernt. Kollega war Programmierer in Abu Dhabi, hat viele Kohle gemacht. Kollega hat sich 3 Jahre erfolglos in Ö in der IT-Branche beworben (wo Englisch Standardsprache ist). Kollega nix gefunden, keine Gespräch. Davor hat Kollega bei "der Mann" Brötchen gebacken. Freundin wurde zu Frau gemeinsame Kind geboren, Frau gute Job machen bei McDonald. Ich Kollega gesagt warum du nicht anderswo bewerben? Er hatte schon überlegt aber war unsicher wegen Kind, Familie, usw. 2 Wochen später hatte Kollega Bewerbungsgespräch in Belgien. 1 Monat später umgezogen und verdient 5000€/Monat. Aus mit Brötchen oder Päckchen. </Ausländerdeitsch-tag>

Almi66
03
25.1.2012, 06:06
Was die Sprache nicht ausmacht, machen Vorurteile!

Natürlich ist es für Schlüsselkräfte wichtig sich in "Wort und Schrift" der Landessprache kommunizieren zu können. Das ist aber wohl nur die halbe Wahrheit. Ich kannte eine kluge Absolventin der Wirtschaftsuni in Bosnien, die hatte eine sehr gute deutsche Aussprache, und verdiente ihr Geld an der Billa-Kassa....

martha meier
42
25.1.2012, 00:32

Man sieht es mal wieder recht deutlich an dieser Studie, das Problem sind nicht die Migranten an sich, sondern die Türken, denn diese sind einfach nicht integrations- und bildungswillig. Man sollte ihnen helfen wieder in ihre Heimat zurückzukehen, besser für alle.

Cucumuch
15
25.1.2012, 00:22
Auffallend hoch sind auch die Einkommensunterschiede je nach Herkunft:

Nein, richtig muss es heißen:

wegen fehlender Bildung
fehlenden Sprachkenntnissen
fehlender Motivation

Die Herkunft alleine begründet keinen Einkommensunterschied!

mfg

Erwin Wolfram
30
25.1.2012, 00:20
...

erszaunlich, dass man rassistischen terror als lateinische fachworte von korrupten soziologen entwendet erfassen kann und es berichterstattung nennen...

chelene chirsch
00
25.1.2012, 08:53
rassistischer terror...

mit matura, einem angefangenen elektrotechnik-studium und einigen zertifizierungen in der IT bin ich mit knapp dem doppelten des medianeinkommens in selbiger branche wohl schwerst benachteiligt...

und das mit passivem migrationshintergrund und einem namen, dem man den ausländer schon ansieht ! ois rassisten...

krachbummente
24
24.1.2012, 23:27

Je besser ein Job bezahlt wird, desto wichtiger sind die "Soft Skills". Was hilft dem Genie das unglaubliche Wissen, wenn es nicht weiß wie man es dem Team mitteilt und zugänglich macht, souverän in verschiedenen Lagen ist, Begeisterung entfacht usw...
Die Basis dafür ist die Sprache - das als Voraussetzung ist allerdings sittenwidrig.

Die weitere Frage ist, wie man die Ausbildung verglichen hat. Schließlich ist es etwas anderes ob man in Klagenfurt oder in Harvard studiert hat.

Das geht hier nicht wirklich hervor und deshalb ist die Studio mMn relativ zahnlos und eine populistische Handlung der AK um zu zeigen wie sehr man um den "kleinen Mann" bemüht ist.

Sol´kanar -The Swamp King
00
25.1.2012, 07:23
das ist aber ein großer irrtum,

wenn du denkst, dass du mit dem uniwissen die arbeitswelt aufmischt. vom wissen her ist es egal ob du in harvard oder in klagenfurt studiert hast, das wichtige lernt man im job oder man hat die "soft skills", welche einem eh niemanden beibringen kann.

der unterschied sind halt die "connections", da gehts dem stanfordler und harvardler besser als dem klagenfurter.

das wichtigste ist ein mentor im ersten job, das entschiedet über den rest der karriere.

abrakadabra3
82
24.1.2012, 23:16
Da ich diese Sache schon öfters las und mehrheitlich grüne Bewertungen sah, will ich etwas klarstellen...

Dass Migranten mehr einzahlen als sie "rausbekommen" widerspricht sich in keinster Weise mit dem obigen Artikel.

Wer diesen Zusammenhang nicht verstehen kann, ist selber Schuld.

Bluestone
05
25.1.2012, 07:13

Wenn man schlecht bezahlten Berufen nachgeht, dann kann man nicht viel in das Sozialsystem einzahlen.
Und wenn man dann noch überdurchschnittlich häufig arbeitslos ist, also länger Geld vom Staat bekommt, kann die Bilanz nur negativ sein. Was gibt es da nicht zu verstehen?

chelene chirsch
23
25.1.2012, 08:55
mültikülti...

wenn abrakadabra und die grünen schon an solch einfachen problemen der logik scheitern...

... wie sollen sie da ein komplexes thema wie migration auch nur erfassen ?

kapitel3
17
25.1.2012, 00:54
Es gibt Schätzungen, wonach Deutschland

die Migration unterm Strich bis heute 1 Billion (1000 Milliarden) Euro gekostet hat:

http://www.youtube.com/watch?v=jAkLHYNRUkI

aculus populus
 
00
dafür habens eine funktionierende Infrastruktur

denen 10.000 Milliarden bis jetzt mind. eingebracht hat.

Hellcat
44
24.1.2012, 23:27
Zahlen sind geduldig

Um darzustellen, dass Migranten mehr einzahlen als sie rausbekommen, muss man die Zahlen ziemlich verbiegen, aber es geht.

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