Laxere Vorschriften

Erste und RZB brauchen vielleicht weniger Kapital

24. Jänner 2012, 15:16

Privates Partizipations-Kapital könnte im letzten Moment doch noch als hartes Kernkapital angerechnet werden

Wien - Vier Tage nachdem die großen Banken der Bankenaufsicht berichten mussten, wie sie bis Juni auf die von der europäischen Aufsicht EBA geforderte harte Kapitalquote von neun Prozent kommen wollen, machte die Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien den betroffenen Konzernen Erste Group und Raiffeisen Zentralbank (RZB) neue Hoffnung. Sie könnten jeweils rund eine halbe Milliarde Euro weniger Kapital brauchen als bisher gedacht.

Nach Angaben der FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil entscheidet die EBA in zwei bis drei Wochen, ob das privat gezeichnete Partizipationskapital (PS-Kapital) der heimischen Großbanken, das 2008/2009 während der staatlichen Bankenhilfen aufgenommen wurde, doch noch angerechnet wird.

Nach EBA-Rechnung (Stichtag Ende September) brauchte die Erste Group 743 Millionen Euro auf neun Prozent. Bei Raiffeisen wurde die Kapitallücke mit 2,1 Milliarden Euro ausgemacht. Und zwar nach bisheriger EBA-Definition, wonach hartes Kernkapital bloß aus gezeichneten Aktien, einbehaltenen Gewinnen sowie staatlichen PS bestehen durfte, die der Bund bei den Großbanken in der ersten großen Finanzkrise gezeichnet hat.

Banken kritisierten Ungleichbehandlung

Den Bankern aus Österreich - allen voran Raiffeisen - war diese Definition zu eng. Sie kritisierten die Ungleichbehandlung von Staat und Privat. Zumal die Platzierung eines Drittels der Gesamt-PS-Summe bei Privaten damals Bedingung für den (günstigeren) Jahres-Zins von acht Prozent war. Wer eine private Tranche nicht unterbrachte, zahlt 9,3 Prozent auf das Staatsgeld - wie etwa die ÖVAG. Oder vielmehr: Sollte bezahlen. Denn die schwer defizitäre ÖVAG blieb dem Staat Zinszahlungen auf das eingeschossene PS-Kapital schuldig. Sie fiel nur dank des jetzt im Jänner stattfindenden Verkaufs der Ostsparte VBI an die russische Sberbank unter die Wahrnehmungsschwelle der EBA - muss also die 9-Prozent-Kapitalquote bis Juni nicht mehr erzielen.

Die FMA-Vorstände versicherten heute, im EBA-Board dafür einzutreten, den verbliebenen grenzüberschreitenden Großbanken jenen Teil des privaten PS-Kapitals, der im Zuge des Staatspakets mitaufgelegt wurde, als Teil des harten Kapitals anzurechnen. Als Mitglieder der Banken-Lobby sehen sie sich deshalb nicht.

Die RZB/RBI Gruppe hat neben ihrem Staatsgeld (1,75 Milliarden Euro) 750 Millionen Euro PS-Kapital zur privaten Zeichnung aufgelegt, wovon 250 Millionen Euro in den Händen der Eigentümer (Raiffeisen-Landesbanken) blieben. Die Erste Group hat aus Anlass des Staatshilfepakets (1,2 Milliarden Euro) damals ebenfalls eine halbe Milliarde Euro bei privaten Anlegern und Investoren platziert.

Die Anerkennung würde die Erreichung der EBA-Zielquoten um einiges erleichtern, sagte Pribil. Allerdings wäre auch eine Nichtanerkennung kein Problem, fügte er hinzu. Ettl sprach von einer "Grauzone, einem klassischen Grenzfall. Wir waren immer der Auffassung, dass es sinnvoll ist, die zugleich privat gezeichnete Tranche einzubeziehen."

Kreditvergabe in Osteuropa steigt nach wie vor

"Mehr Eigenkapital ist eine der Vorbedingungen, um krisenfester zu sein", so die FMA. Ettl und Pribil lassen Kritik an der Kapitalaufbringung durch Umwidmungen, Umdefinierungen oder Asset-Verkürzungen nicht gelten. Es sei "legitim und ökonomisch nicht besonders schädlich", Geschäftsbereiche zu verkaufen, die nicht Kerngeschäft seien. Sicherheiten zu erhöhen sei ein aktiver Beitrag zur Eigenkapitalstärkung, ebenso die Umwandlung von Hybridkapitalanteilen in Core-Capital.

Sorgen von Bankern und Politikern, die Kapitalvorgaben der EBA würden Europas Banken dazu zwingen, ihre Bilanzsummen und Kreditvergaben zu sehr zu reduzieren, suchten die heimischen Aufseher heute zu zerstreuen. Die heimischen Banken hätten ihr Exposure in Zentral/Osteuropa (inklusive Russland etc.) vom 4. Quartal 2010 auf das 3. Quartal 2011 um knapp 20 Milliarden Euro auf über 334 Milliarden Euro gesteigert. Das ging annähernd einher mit der BIP-Entwicklung. "Es gab kein Deleveraging in jüngster Zeit", so Pribil. Andere Banken aus Europa hätten ihre Assets im Osten sehr wohl zurück gefahren.

Österreichische Banken unterhalten heute 61 Töchter und Beteiligungen in 19 Staaten der Region. Nach dem bevorstehenden Rückzug von ÖVAG und Hypo Alpe Adria aus dem Raum teilen sich die Osttöchter künftig auf drei Mütter in Österreich (Erste, Raiffeisen, Bank Austria) auf. Die aktuellen Marktanteile sind laut FMA "bemerkenswert" hoch, in Kroatien halten die Österreicher zwei Drittel des Marktes, in Bosnien und der Slowakei fast die Hälfte, ein Drittel in Rumänien und Tschechien, 25 Prozent in Albanien, Serbien und Bulgarien und in Ungarn gut 20 Prozent. Die FMA verwahrt sich gegen Kritik, die EBA-Regeln und das neue FMA/Notenbank-Reglement für Ostbanken (nicht mehr als 110 Euro Kredit auf 100 Euro Einlagen im Neugeschäft) würden als zu scharfe Bremse wirken. Es gehe jetzt auch darum, nationale Kapitalmärkte zu stärken, die Ost-Banken weniger abhängig zu machen vom Kapital der Mütter im Westen. Dass EBA-Ziele verwässert werden könnten, sehen die FMA-Chefs nicht. (APA)

Althase
11
24.1.2012, 20:53

laut orf.at lobbyiert die FMA für Österreichs Banken

verdammt nochmal, das kann doch nicht die Aufgabe der FMA sein - arghhhhhhhhhhhh

Althase
01
24.1.2012, 20:51

na warum denn nicht - 2008 haben wir sie doch auch so weitermachen lassen wie vorher - war doch eine Erfolgsgeschichte

ich brauch bald ein Hobby um mich zu entradikalisieren

lichaot
02
24.1.2012, 16:13
Es gibt viele gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein

'"Es gab kein Deleveraging in jüngster Zeit", so Pribil. Andere Banken aus Europa hätten ihre Assets im Osten sehr wohl zurück gefahren.'

Kann die irgendjemand zur Vernunft bringen?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.