Die Elite-Uni sei ein Symbol für das ungerechte Bildungssystem, sagt die 19-jährige Elly Nowell - und provoziert die Uni mit einer frechen E-Mail
"Viele meiner Freunde und zweifellos viele Fremde haben nicht verstanden, dass ich so eine E-Mail an die Bastion des Prestiges und der Privilegien schicke": Elly Nowell, eine 19-jährige Schülerin, hat sich nach dem Bewerbungsgespräch an der Universität Oxford in Großbritannien dazu entschlossen, ihre Bewerbung zurückzuziehen. Im Laufe der Bewerbung für das Rechtsstudium sei ihr klar geworden, dass sie nicht an dieser Institution, die ein Symbol für die "Ungerechtigkeit des Bildungssystems" sei, studieren wolle, schreibt Nowell in einem Gastbeitrag im "Guardian". Es widerstrebe ihr, Teil dieses System zu sein, das von einer kleinen Gruppe der Elite geprägt werde, die nur sich selbst auswähle.
"Mir ist klar, dass Sie enttäuscht sein könnten"
Ihre Absage formulierte Nowell ähnlich wie jene Absagen, welche die Universität Oxford an viele Bewerber, die nicht aufgenommen werden, schreibt: "Ich habe über ein Rechtsstudium an Ihrer Universität nachgedacht. Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich meine Bewerbung zurückziehe. Mir ist klar, dass Sie von dieser Entscheidung enttäuscht seien könnten, aber Ihre Universität steht in Konkurrenz mit vielen anderen, fantastischen Einrichtungen, und nach Ihrem Bewerbungsgespräch fürchte ich, dass Sie dem Standard der anderen Universitäten nicht entsprechen."
Die E-Mail wurde von Nowells Freunden geteilt und schaffte es danach auch in die klassische Medienberichterstattung, wo ihre Absage zu einer Diskussion über das britische Bildungssystem führte.
Bevorzugung von Privatschülern
"Ich habe die ganze Zeit, während ich dort war, darüber gelacht, wie ernst dort alles genommen wurde", sagte die Schülerin in einem Interview mit der BBC über ihr Bewerbungsgespräch. Sie kritisierte auch den Unterschied, der zwischen Minderheiten und Studierenden aus der Mittelklasse an der Elite-Uni gemacht werde. Das formelle Setting an der Universität würde zudem Bewerber aus Privatschulen gegenüber jenen von öffentlichen Schulen bevorzugen. Dadurch würde das tatsächliche Potenzial der Bewerber verzerrt. Oft würden sehr gute Studierende abgewiesen. Ob man Potenzial habe oder nicht, könne nicht davon abhängen, ob man in einem 20-minütigen Gespräch überzeugen könne.
Universität weist Vorwurf zurück
Die Universität argumentierte in einer Stellungnahme gegenüber der BBC und dem "Guardian" damit, dass von den sieben Studierenden, die für das Rechtsstudium aufgenommen wurden, nur einer von einer Privatschule gekommen sei. Zudem würden sich nur wenige Studierende über das Aufnahmeverfahren beschweren.
Nowell selbst wundert sich darüber, dass ihre verspottende E-Mail für so viele Aufsehen sorgt. Eine Erklärung dafür hat sie aber bereits gefunden: "Oxbridge ist eine ziemlich lächerliche und prominente Elite-Einrichtung, die im Gegensatz zu Investmentbankern oder dem Königshaus nie verspottet wird". (lis, derStandard.at, 24.1.2012)