Medienriese neu aufgestellt

WAZ hält nach Eigentümerwechsel an "Krone" fest

24. Jänner 2012, 21:34
  • Artikelbild
    foto: apa/rolf vennenbernd

    Der Deal ist unter Dach und Fach: Petra Grotkamp hält 66,6 Prozent an der WAZ-Mediengruppe.

  • Artikelbild
    vergrößern 700x765
    grafik: apa

Ab sofort wacht die Familie Grotkamp über die Geschäfte von "Krone" und "Kurier" - in Absicht, dies auch weiterhin zu tun

Essen/Wien - Der WAZ-Medienkonzern wird ein Familienunternehmen im Mehrheitsbesitz der Essener Familie Grotkamp. Montag unterzeichneten die neuen Eigentümer die Verträge für die Übernahme des 50-prozentigen Anteils der Mitgründerfamilie Brost.

Petra Grotkamp, die Tochter des zweiten Firmengründers Jakob Funke, hält damit durchgerechnet 66,6 Prozent. Die WAZ soll nach dem Willen von Grotkamp langfristig ein Familienunternehmen bleiben. Weder sei die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft geplant, noch werde es weiteren Personalabbau in der Redaktion wie in der Vergangenheit geben.

Die Familie kündigte nach der Übernahme des Mehrheitsbesitzes am WAZ-Konzern an, die Anteile an Krone (50 Prozent) und Kurier (49,4 Prozent) behalten zu wollen. "Es gibt keinerlei Pläne, Krone oder Kurier zu verkaufen" , sagte ein WAZ-Sprecher.

Die Krone sei "eine der weltweit stärksten Zeitungsmarken überhaupt" , erklärte Günther Grotkamp. Die WAZ ist in Österreich zudem über den Kurier mit 12,5 Prozent an News sowie an drei Druckereien in Wien, Salzburg und Klagenfurt, an mehreren Radiosendern und Anzeigenblättern beteiligt.

Sollte die WAZ den Krone-Anteil entgegen dieser Ankündigung verkaufen wollen, verwies Herausgeber und -Chefredakteur Christoph Dichand stets auf das Vorkaufsrecht seiner Familie.

Günther Grotkamp ist der Ehemann der Unternehmerin Petra Grotkamp und war von 1975 bis 2000 Geschäftsführer der Mediengruppe. Bisher gehörte der Essener Konzern jeweils zur Hälfte den Erben der beiden Unternehmensgründer Erich Brost und Jakob Funke.

Auf die Frage, ob der Zukauf weiterer Zeitungen denkbar sei, sagte der 85-jährige Grotkamp: "Wenn das Kartellamt zustimmt, der Preis angemessen ist und die Zeitung in unsere Strategie passt, in jedem Fall." Mit dem Ausscheiden der Familie Brost, die der SPD nahestand, werde sich an der Ausrichtung der Blätter nichts ändern.

Noch am Montagabend verkündete Geschäftsführer Bodo Hombach seinen Abschied. Er werde der neuen Eigentümerfamilie aber weiter beratend zur Seite stehen. "Von Anfang an habe ich den Verkauf der WAZ-Anteile der Brost-Erben an Frau Grotkamp als richtig erachtet", schreibt Hombach in einer Presseerklärung. Der Verkauf biete "eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft.

Die Zeitungsgruppe mit 40 Zeitungen und mehr als 100 Zeitschriften erwirtschaftete 2011 mit etwa 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.(prie, APA, dpa/DER STANDARD; Printausgabe, 25.1.2012)

Zum Thema
Kampf um Macht und Monopol in Bulgarien - Vor Gericht will die Habsburg-Käufergruppe ihre Anteile bei den früheren WAZ-Zeitungen erstreiten

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.