Griechenland-Hilfe

Fekter will schriftliche Garantien von Athen

24. Jänner 2012, 12:24

Juncker will Zinssatz für neue Griechen-Anleihen auf "unter vier Prozent bringen" - Fekter ist für 750-Milliarden-Rettungsschirm

Brüssel - Bei der Rettung Griechenlands vor der Staatspleite stellen die übrigen Eurostaaten neue Bedingungen. Damit werden die schwierigen Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Banken über einen Schuldenschnitt weiter kompliziert.

Schriftliche Erklärung

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hat von Griechenland neuerlich eine schriftliche Erklärung für weitere Finanzhilfen gefordert. Vor Beginn der Sitzung der EU-Finanzminister am Dienstag sagte Fekter, der Internationale Währungsfonds (IWF) arbeite noch das weitere Programm mit den Griechen aus. "Aber wir werden das nur dann positiv beschließen können, wenn sich zu diesem Programm die Regierungsparteien und die anderen Parteien verständigen. Das muss schriftlich sein."

Fekter sprach von einer "direkten Ansage an Griechenland". Die Gemeinschaft erwarte sich von Athen einen solchen Schritt. Es müsse auch strukturelle Reformen geben, denn "die Ausgaben sind bisher nicht wirklich gesunken. Damit sind wir nicht zufrieden. Nur wenn eine schriftliche Vereinbarung vorliegt, kann es weitere Hilfen geben. Es muss die politische Ebene in Griechenland wissen, dass wir erwarten, dass sie mehr tun."

Verhandlungen fortsetzen

Die Euro-Finanzminister forderten unterdessen ihren griechischen Amtskollegen Evangelos Venizelos auf, die Verhandlungen mit den Banken fortzusetzen und den Zinssatz für auf 30 Jahre laufende griechische Anleihen "klar unter vier Prozent zu bringen". Das sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, Dienstagfrüh nach knapp neunstündigen Beratungen in Brüssel. "Das beinhaltet, dass die Zinsen über 3,5 Prozent für den Zeitraum bis 2020 liegen", so Juncker.

Die neuen Papiere sollen die alten griechischen Staatsanleihen nach einem Schuldenschnitt ersetzen. Nach Vorstellung des Bankenverbandes sollen die Papiere laut früheren Angaben einen Zinssatz von im Durchschnitt vier Prozent haben.

"Griechisches Programm nicht auf Schiene"

Die Eurostaaten sind mit dem Kraftakt Athens im Kampf gegen die Krise nicht zufrieden und pochen auf neue Anstrengungen. Für ein zweites Hilfsprogramm müssten neue Strukturreformen umgesetzt werden, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Juncker erklärte: "Es ist offensichtlich, dass das griechische Programm nicht mehr auf Schiene ist." Er betonte allerdings, dass "für jeden von uns die Zukunft von Griechenland eindeutig innerhalb der Eurozone liegt". Der Eurogruppen-Chef forderte, es müsse in den nächsten Tagen eine grundsätzliche Abmachung in Athen über die Einbeziehung der Privatgläubiger geben. Damit solle der staatliche Schuldenberg bis zum Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Erlaubt sind in der EU normalerweise nur 60 Prozent.

Die Finanzminister des Eurogebiets und anderer EU-Staaten unterstützen den neuen Fiskalpakt für mehr Budgetdisziplin. "Der Text ist eine gute Basis für die Staats- und Regierungschefs", sagte Juncker. Die Staats- und Regierungschefs sollen den neuen Sparvertrag bei ihrem Sondergipfel in der kommenden Woche billigen. Der Text soll dann im März unterschrieben werden. "Wir sind jetzt auch so weit, dass die Mitgliedsländer den Ratifizierungsprozess einleiten können, damit er im Juli in Kraft treten kann." Juncker sagte, dass das Inkrafttreten dann möglich sei, wenn 90 Prozent der kapitaleinzahlenden Länder ratifiziert haben.

ESM startet ein Jahr früher

Vor allem Deutschland pocht auf das Papier, das rechtlich verbindliche Regeln zum Defizitabbau und zur Verankerung von nationalen Schuldenbremsen enthält. Bis zum Gipfel soll noch ein neuer Textentwurf vorgelegt werden.

Die Eurostaaten stellen zum 1. Juli einen neuen Krisenfonds für klamme Mitglieder auf die Beine. Die Minister verständigten sich auf den Vertrag für den ständigen Rettungsschirm ESM. Der Hilfsfonds startet ein Jahr früher als ursprünglich geplant und hat einen Umfang von 500 Milliarden Euro. Im März wollen die EU-Staats- und -Regierungschefs prüfen, ob die ESM-Obergrenze reicht.

Beim Abstimmungsverfahren im ESM-Vertrag sei eine Lösung gefunden worden, die "operationelle Effizienz und demokratische Legitimität verbindet", hieß es von Juncker. Bei einer "Notfallabstimmung" könnte mit einer verstärkten qualifizierten Mehrheit von 85 Prozent über die Einsetzung des Fonds entschieden werden. Damit sei man Finnland entgegengekommen, "Finnland kann jetzt auch den ESM-Vertrag rechtzeitig ratifzieren". Zuvor hatte es von finnischen Diplomaten geheißen, die neue Regelung sehe vor, dass Finnland sich nicht an Hilfseinsätzen für Schuldenländer beteiligen muss, wenn es im Zuge einer Eilentscheidung überstimmt wurde.

Fekter ist für 750-Milliarden-Rettungsschirm

Italiens Regierungschef Mario Monti und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, forderten eine deutliche Ausweitung des ESM. "Wir brauchen eine größere Brandmauer", sagte Lagarde in Berlin. Monti regte eine Aufstockung auf eine Billion Euro an. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Ausweitung aber ab. Eine kolportierte Variante, wonach Deutschland der Ausweitung auf 750 Milliarden Euro zustimmen könnte, wenn die Eurostaaten einem strengeren Fiskalpakt zustimmen, wurde in Berlin am Montagabend dementiert.

Allerdings macht sich auch Finanzministerin Fekter für eine andere 750-Milliarden-Euro-Variante stark. Vor Beginn der Sitzung der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel sagte Fekter auf die Frage, ob eine Zusammenlegung der aus dem EFSF übrig gebliebenen Gelder mit den 500 Milliarden Euro, die für den ESM geplant sind, denkbar wäre und man damit auf eine Summe von 750 Milliarden Euro kommen könnte: "Ich glaube, das ist konsensfähig." (APA/Reuters)

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Posting 1 bis 25 von 54
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cookieberlin
00
25.1.2012, 16:38
Bisher hat der dicke Venizelos

eine Absichtserklärung nach der anderen zum Thema Einsparungen losgelassen.
Nur liefern kann er nicht.
Wer es nun unbedingt schriftlich braucht, den wird der Dicke nicht am langen Arm verhungern lassen.
Nach den zeitnah geplanten Neuwahlen werden die Karten ohnehin neu gemischt...sofern die Konservativen gewinnen, denn aus deren Reihen gibt es bisher nur fleißig Sparverweigerungen auf die Ohren.
Laßt mal gut sein, egal ob schriftliche oder mündliche Heucheleien, diesen Leuten ist nicht beizubringen, daß jede Geduld mal ein Ende hat.

was ich immer schon sagen wollte ...
00
25.1.2012, 09:06
wen interessiert in der eu, was diese ... fekter? aus oesterreich von sich gibt??

genau: niemanden.

das ist doch nur bestandteil der nationalen polit-folklore, in dem die gewaehlten minister_innen so tun, als ob sie in der eu noch was zu bestimmen haetten.

Mostbluzza
00
24.1.2012, 17:12
unsere freunde, die griechen

"liebe freunde in der eu uns gehts ganz passabel."

das war die version 1, vom eintritt bis sie offensichtlich pleite waren.

"uns gehts so mies, wir brauchen hilfe vom fonds und vom eu schirmchen."

nach neuesten erkenntnissen (anklage gegen den pagandreou) war beides gelogen zum jeweiligen zeitpunkt. drum machen wir es schriftlich. genau.
und die anderen lügen uns genauso ins gesicht, wetten.

aber wir geben pyromanen ja nun auch eu-kindersichere feuerzeuge in die hand.

ganzsichernicht
 
00
24.1.2012, 14:30
..frau fekter, ich will auch viel.

unsere politiker "tun" immer nur fordern, fordern, ich will,muß haben...wie kindergartenkinder! wenn ich ihr wenigstens abnehmen würde, dass sie von der materie ahnung hätte! diese person versteht von europäischer finanzpolitik genausoviel wie ich vom loch, wo man nach steinen buddelt! schnapsdrossel!

Mostbluzza
12
24.1.2012, 12:56
warum war s gestern noch gegen die erhöhung vom schirmchen?

hat sie nochmal gewürfelt?

francis79
 
00
24.1.2012, 12:49

I want that Fekter swears by her honor, that we do not only do this for ze Banks!

Stahl_____666
10
24.1.2012, 12:35
.

"...für jeden von uns die Zukunft von Griechenland eindeutig innerhalb der Eurozone liegt."

Liebe Banken Europas und anderswo - ihr könnt euch sicher sein, dass wir Griechenland nicht aus der Knechtschaft entlassen, bis es auf Heller und Pfennig seine Schulden bei euch bezahlt hat.

Pfeile kosten Geld, schickt die BurgenländerInnen
 
01
24.1.2012, 12:26
Sorry, ...

... wenn man hört, wieviel offene Steuerschulden es in G gibt, dann bleibt eigentlich nur ein Weg.

Im Gegenzug für die Griechenlandhilfe, werden die offenen Steuerforderungen an IWF und EZB oder eine Tochterorganisation abgetreten.

"Steuerfactoring!" - Ein neuer Wirtschaftszweig würde entstehen und die Hilfe, wäre dann eigentlich keine Hilfe, sondern ein neues Geschäftsmodell und den Europäischen SteuerzahlerInnen gegenüber einfacher zu rechtfertigen.

Marquis de Sade
 
00
24.1.2012, 13:02

ich glaub nichts täten die Griechen lieber!

Dann nämlich viel Spaß der EZB und dem IWF beim Eintreiben der Steuern.

Doc Steel
02
24.1.2012, 12:11
bis jetzt wurde alles mit handschlag besiegelt.

wundert mich auch nicht.

highest railway, dass die mitzi da einschreitet.

h 90
15
24.1.2012, 12:24

ich glaub das ist bei Griechenland ziemlich egal und bei Handschlag koennens wenigstens den Kuli nicht fladern.

sloatvie
02
24.1.2012, 12:06

Schriftliche Garantien? Im Prinzip keine schlechte Idee, aber ich zweifle ziemlich heftig an der Paktfähigkeit Griechenlands ... also wozu?

daBart
00
24.1.2012, 12:25

Weil man es danach einklagen kann. Das ist ja auch der Grund warum die Hedgefonds alles >nur< rechtsgültig vereinbaren. Die Verfahren dauern zwar Jahre (Jahrzehnte), aber die Kohle kommt wieder rein.

Was die EU-Kasperl seit 1,5 Jahren darlegen ist einfach nur noch ein Fehlverhalten und zeigt deren Abgehobenheit und Inkompetenz.

Marquis de Sade
 
00
24.1.2012, 13:05

wenn ich einen Privathaftpflichtschaden in der höhe von ein paar Milliönchen anrichte, muss ich auch blechen und kann nicht. Viel Spaß beim Einklagen.

Wer nichts hat, dem kann man auch nicht in die Taschen greifen.

Mostbluzza
00
24.1.2012, 12:48
beim salzamt?

a bissl realismus bitte.

sloatvie
02
24.1.2012, 12:29

Einklagbar?

Warum klagen wir dann nicht den unter Vorspiegelung falscher (Finanz)Tatsachen erwirkten Beitritts von Griechenland in die EU?

Anchel Kingsman
00
24.1.2012, 17:02
weil es keine war

Als erstes Sie schreiben EU-Mitgliedschaft und meinen Euro-teilnahme.

Und jetzt kommt der Schock: GR hat mit seinen Finanzen keinen betrogen.

1999 stand der GR-Schuldenstand bei 99%. Das Maastricht-Kriterium besagt aber 60%.

Es mag sein, dass bei einer bissl verschiedenen auslegung der ESA-95 regeln zur VGR der stand bei 102 oder 98% liegen koennte.

TATSACHE bleibt dass GR die kriterien OFFIZIEL nicht erfuellte. Die Teilnahme GR, BE und IT waren eine politische entscheidung und zwar eine richtige.

Betrogen wurde niemand. viel spass beim einklagen.

Moralapostel
 
00
24.1.2012, 11:56
3,5% in 30 Jahren sind 280%

D.h. aus 100 Milliaren werden 280 Mrd. Zieht man 2% Inflation ab (das EZB-Ziel, seit 1999 auch tatsaechliche Durchschnittsinflation), bleiben noch immer 56% Realrendite nach 30 Jahren. Dabei wollen die Minister ja die 3,5% nur bis ins Jahr 2020. D.h. nach den ersten 8 Jahren koennen die Zinsen weitaus hoeher sein. Gar nicht so schlecht der Deal fuer die Banken. Jedenfalls besser als ein Konkurs!

h 90
11
24.1.2012, 12:26

Die Inflation brauchens nicht abziehen.

Die Bank leiht sich Geld um 1 % von der EZB.
leiht sie Griechenland um 3.5 % ist 2.5 % in die eigene Tasche ohne Einsatz von eigenen Mitteln.

Das Kapital ist die wahre Macht
05
24.1.2012, 11:05
Generell sollen die Menschen weltweit auf alles verzichten!

Denn so können wir die Zinsen weiter zahlen. Und das ist ja das Wichtigste überhaupt.

Erzpiefke
 
10
24.1.2012, 09:30
3,5% für 30 jährige Griechenland-Anleihen

ist praktisch ein 100% Kapitalschnitt. In 30 Jahren braucht Griechenland mindestens 2-3 weitere Kapitalschnitte. Ich weiß gar nicht, wie man über so etwas noch verhandeln kann.

Standard Leser4
 
33
24.1.2012, 11:50
Immer schoen Egoistisch unterwegs die Deutschen...

Als Erzpiefke unterstuetzen Sie natuerlich d Fortfuehrung der momentanen Lage im Euroraum, es bringt Deutschland Zinsen die bei 0.10 % liegen und durch den niedrigen EURO Kurs eine starke Ausweitung der Exporte auf heuer 1.200 Mrd Euro und dadurch einen noch nie dagewesenen Zahlungsbilanzueberschuss. Ein bisschen ueber dem Tellerrand "gucken" dann gehts schon.

daBart
00
24.1.2012, 12:27

Die arbeitende/leistende deutsche Schicht lebt bereits seit Jahren sehr viel schlechter als die südländischen Pleitiers.
Durchschnittspension bei den Deutschen (Bäcker etc.) ca. 1000 Euro/Monat nach mehr als 45 Jahren Arbeit.

Ackermann & Co. leben sehr gut vom Griechenpaket, die Deutschen nicht! Die werden massivst ausgepresst.

Anchel Kingsman
00
24.1.2012, 17:04

ja und bei den Griechen zwischen 408 und 620

Standard Leser4
 
00
24.1.2012, 13:24

Darf ich ueber Ihr Posting lachen ? Kennen Sie die Hoehe der Pension in Griechenland? Auch wenn diese 14 x so wie in Oesterreich ausbezahlt wird. Wuerde jeder gerne mit der Deutschen tauschen.
Nicht immer alles glauben was so an Hasstiraden in Deutschland, wegen eines verlorenen Groschen, in den Medien erzaehlt wird.

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