Sozialforum debattierte Kapitalismuskrise

25. Jänner 2012, 00:15

Alternative zu Davos: Kampf gegen Armut und Hunger, mehr Umweltschutz und mehr soziale Gerechtigkeit

Porto Alegre/Sao Paulo - Tausende Globalisierungskritiker haben zum Auftakt das Weltsozialforums in Brasilien gegen neoliberale Wirtschaftspolitik protestiert und mehr soziale Gerechtigkeit eingefordert. An einem Eröffnungsmarsch durch Porto Alegre nahmen am Dienstag bei heißen Temperaturen von 35 Grad Studenten, Indios, Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Umweltschützer teil. Das fünftägige Treffen steht unter dem Motto "Kapitalistische Krise, soziale und ökologische Gerechtigkeit".

Der Chef der Welternährungsorganisation (FAO), Jose Graziano, forderte zum Auftakt eine stärkere Einbeziehung der Zivilgesellschaft: "Der Kampf gegen den Hunger ist nicht ein Kampf einer einzelnen Regierung. Es ist die Gesellschaft, die vereint entscheidet, dass der Hunger aufhört." Der FAO-Etat von etwa einer Milliarde Dollar sei zu klein für die Herausforderung, einer Milliarde hungernden Menschen zu helfen.

Das Forum begann einen Tag vor dem Weltwirtschaftsforum, das am Mittwoch von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Schweizer Kurort Davos eröffnet wird. Bis Sonntag werden Zehntausende Teilnehmer erwartet. Die Proteste richteten sich am Dienstag unter anderem gegen die laufenden Bauarbeiten für das umstrittene drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, "Belo Monte", im brasilianischen Amazonas-Gebiet sowie gegen die Aufweichung des Waldschutzes durch die geplante Änderung des Waldgesetzes (Codigo Florestal).

Zudem protestierten die Teilnehmer gegen Zwangsumsiedlungen im Zuge der Bauarbeiten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Auch die Finanzkrise in der Euro-Zone wurde thematisiert. Die Demonstranten machten das "neoliberale Modell" für die Krise und die daraus resultierenden Sparmaßnahmen verantwortlich.

Bis Sonntag stehen in Porto Alegre und drei angrenzenden Städten zahlreiche Aktivitäten auf dem Programm, darunter Workshops, Podiumsdiskussionen, Vorträge und Ausstellungen. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff reist nicht nach Davos, sondern am Donnerstag zum Forum nach Porto Alegre, wo 2001 das Weltsozialforum gegründet wurde.

Die Forumsteilnehmer wollen ein Alternativprogramm zu dem im Juni in Rio anstehenden UN-Umweltgipfel "Rio+20" erarbeiten, zu dem über 100 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Kritiker hatten einen ersten Deklarationsentwurf für den Gipfel als Enttäuschung bezeichnet. Der portugiesische Soziologe Boaventura Sousa Santos warnte in Porto Alegre, "Rio+20" werde lediglich den Kapitalismus bestätigen. Ein "grüner Kapitalismus" sei keine Lösung für die Probleme der Armen, der Umwelt oder der Menschenrechte. "Wir müssen andere ökologische, postkapitalistische Modelle finden."  (APA)

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22 Postings
Herzerzog Johann
22
24.1.2012, 14:58
Der Nachteil des Kapitalismus ist, ...

... daß er von Zeit zu Zeit in eine Krise gerät.
Der Nachteil der Alternativen ist, daß diese in einer Dauerkrise verharren.

sociovation
00
24.1.2012, 12:31
Kirchenvertreter?!

Ja, dürfens denn des?!
Wenn das der Herr Ratzinger erfährt...

Ernst Guevara
04
24.1.2012, 08:43
die antiglobalisierungsbewegung

und mit ihr auch "occupy" sind inzwischen schon ziemlich etabliert. frischen wind kann der aktionstag am 31.märz bringen, zu dem von den anarchosyndikalistInnen aufgerufen wird.
http://march31.net/de/call-f... ion-german

santa fe
 
52
24.1.2012, 00:56

wird der standard diesmal die diskussion über das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

nicht mehr verschweigen? dies wird langsam zur vertrauensfrage.

Waran
01
24.1.2012, 01:10
Grundeinkommen

Es wird noch lange dauern und es ist im Menschen selbst begründet, bis sich eben die Menschheit von einer konkurrierenden zu einer kooperierenden Gesellschaft entwickelt.
Sie, ich, wir alle werden es nicht mehr erleben!

LGM
01
24.1.2012, 06:49

Es gab und gibt ja Gemeinschaften, die auf Kooperation und gemeinsame Teilhabe ausgerichtet sind, unter anderem Klöster in den verschiedensten Religionen oder manche Kibbuzim.
Dort gibt es sowohl streng hierarchische, als auch durchgehend basisdemokratische Systeme.
Ihnen allen ist aber gemeinsam, dass es ein strenges Regelwerk gibt, nach dem jeder nach seinem Können zum Gemeinwohl beitragen *muss*. Ohne solche Regeln, also auf Basis einer völligen Bedingungslosigkeit, würden diese Gemeinschaften nicht funktionieren.

Waran
00
24.1.2012, 07:40
Kooperative Gesellschaft

Diese von ihnen erwähnten Beispiele sind quasi kleine Inseln, in der eine andere Form des Zusammenlebens von Menschen praktiziert wird.
Wie sie schon richtig ausführten, gibt es hier strenge Regeln und das hat nach meinem Dafürhalten mit "Kooperation" nicht viel zu tun.
Der Kommunismus ging ja in dieselbe Richtung und scheiterte jedesmal krachend, da er sofort in eine Diktatur/Oligarchie mündete.
Die Bereitschaft zur Kooperation muss im Menschen selbst vorhanden sein - sie darf keinesfalls oktruiert und mittels strengen Regeln vollzogen werden.

LGM
00
24.1.2012, 08:29

Das wird aber dann, vor allem in größeren Gruppen, nicht funktionieren...

Waran
00
25.1.2012, 00:57

Wird es auch nicht - die Evolution ist für unser Zeitempfinden ein sehr langer Prozess.

LGM
00
25.1.2012, 03:22

Ja und nein. Evolution ist notwendigerweise langsam, wenn es dafür grundsätzlicher Änderungen bedarf, positive Mutationen brauchen eben ihre Zeit. Wenn Rekombination von bereits vorhandenem ausreicht, dann reichen oft wenige Generationen (sonst wäre ja z.B. Zucht nicht sinnvoll möglich).
Was es aber auf jeden Fall braucht, ist einen entsprechenden Selektionsdruck. Den haben aber die Menschen für sich weitgehend eliminiert.

Waran
00
25.1.2012, 09:39
Darwin`s Heiligtum,

sollten sie Selektion durch Konkurrenz gemeint haben. Dieser Umstand wird aber auch in der Fachwelt kontrovers diskutiert - es gibt keine eindeutigen Erkenntnisse und sowohl Pro- als auch Kontra-Beispiele.
Wurde der physische Konkurrenzdruck (Recht des Stärkeren) recht frühzeitig durch Gesetze eliminiert, schlägt heute der psychische Konkurrenzdruck voll durch.
Was spricht dagegen, dass man geistig nicht so begabten Menschen (z.B. Geldanlagen ungeschickter) auch irgendeinen Schutz angedeihen lässt.
Man vergisst bei all dieser Weiterentwicklung durch Konkurrenz die moralische Weiterentwicklung.
Es werden Heerscharen an Nihilisten, Egomanen, Anarchisten usw. - kurz seelische Krüppel, herangezüchtet.

LGM
00
25.1.2012, 10:39

Für Evolution ist aber ausschließlich relevant, wer sich in der Bevölkerung fortpflanzt.
Für die von Ihnen angesprochenen Eigenschaften wäre eher Erziehung verantwortlich, ich glaube nicht, dass Nihilismus etc. genetisch determiniert sind.

Waran
00
25.1.2012, 12:40
Bingo

Wo sind denn die hohen Fortpflanzungsraten, die alles überschwemmen.
Die sind nicht in den Hochburgen des Kapitalismus angesiedelt, wo angeblich durch Selektion mittels Konkurrenz nur die absolut geistige Elite zum Zug kommt.
Hier ist ein Geburtenrückgang zu beobachten. Wobei die Genetik in Bezug auf Intelligenz mehr als umstritten ist.
Die Begabung/Hochbegabung ist noch immer ein Buch mit sieben Siegeln - man kann sie nicht einmal richtig aufspüren (triadisches Interdependenzmodell nach Mönks) - das ist ein anderes Thema.
Ich bezog mich auch nicht auf die Genetik in Bezug auf die Nihilisten..., sondern eben auf die Lebensumstände und wie wir alle wissen, ist der Mensch ein Produkt seiner Umwelt.

santa fe
 
40
24.1.2012, 01:12

das rapide anwachsen der BGE-bewegung lässt diesbezüglichen pessimismus obsolet erscheinen.

Waran
02
24.1.2012, 01:45
Kooperation

Ich anerkenne ihren Enthusiasmus und Optimismus!
Gehen sie doch einmal mit wachen Sinnen hinaus und beobachten sie die Menschen - od. besser formuliert - die Leute.
Jeder betrachtet sich als Zentrum des Universums. Ein Handy am Ohr und wie komme ich am vorteilhaftesten durch`s Leben.
Soziales Engagement - Fehlanzeige!
Rücksichtnahme - Fehlanzeige!
Über den eigenen Tellerrand blicken - Fehlanzeige!
Mitleid od. Mitgefühl - Fehlanzeige!
Verzichten - Fehlanzeige!
Egoismus - Volltreffer!
Neid - Volltreffer!
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und ist einfach eine realistische Beschreibung des Zustandes unserer Gesellschaft.
P.S. Wie wäre ich froh, hätten sie recht und ich unrecht!

PEACETIME
00
24.1.2012, 11:29
Ich bin regelrecht begeistert davon, wie viel Sie von einer kurzen Begegnung auf der Straße aus Menschen herauslesen können. Richtig baff bin ich. Meine Frage: Wie machen Sie das? Wie gelingt es Ihnen binnen Sekunden ein vollständiges Profil eines

Menschen zu erstellen?
An den Handbewegungen? Der Körperhaltung beim handyfonieren?

Wenn man Ihnen begegnet, sieht man dann gleich alle Ihre Fähigkeiten und erkennt sofort Ihre Wertigkeit, Ihr Genie und die Tiefe Ihres Daseins?

Oder hängt die Beobachtung nicht doch auch einigermaßen mit dem Beobachter zusammen, sowie die Schlüsse, die der Beobachter zieht? Beobachtet sich am Ende der Beobachter nur selbst?

Ich frage nur;)

Waran
00
25.1.2012, 01:57
Die Gesellschaft

ist ein Spiegel der Menschen bzw. ihres Verhaltens. Ich stellte keine tiefenpsychologischen Studien über Momentaufnahmen mit Individuen an. Die Gesellschaft präsentiert sich mir als eher kalt, unbarmherzig, unsozial usw. und ich schließe vom Verhalten der Menschen auf eben diesen Zustand.
Ausweichen auf dem Gehsteig - machen sie die Probe - wurde übrigens von Sika (GD für Sicherheit) Ende der 90er thematisiert.
Steigen sie in eine Straßenbahn und grüßen sie laut und deutlich - genau auf die Reaktion achten.
Kaufhaus - achten sie darauf wie diese "Einkaufswagerln" positioniert werden - Durchkommen unmöglich.
Parkplatzsuche z.B. SCS am Samstag - beobachten.
Eine neue Kassa wird im Supermarkt geöffnet - lustig.
Verdrängungswettbewerb!

santa fe
 
21
24.1.2012, 09:09

das BGE bekommt jeder, nur ein kleiner teil der bevölkerung, nämlich die reichsten, werden mehr zu seiner finanzierung beitragen als es ausmacht. 80-90% werden durch das BGE materiell profitieren.

man muss also kein heiliger sein, seine einführung zu unterstützen.

LGM
00
24.1.2012, 21:16

Wenn 80-90% von dem System profitieren, dann bedeutet das, dass 10-20% *massiv* draufzahlen. Das wird daher so nie umsetzbar sein.

Waran
00
23.1.2012, 22:13
Kapitalismus

Das sieht Denen wieder ähnlich - der Kapitalismus befindet sich doch nicht in der Krise. Der setzt jetzt erst zu ungeahnten Höhenflügen an.
Man muss jetzt nur massiv deregulieren und wie schon Martin Bartenstein mit bestechender Brillianz erkannte, wird sich der Markt von selbst regeln.

PEACETIME
00
24.1.2012, 11:35
Der Kapitalismus ist eine Form der Diktatur - nämlich des Geldes - und deshalb von jedem Demokraten abzulehnen.

Wie der Markt was regelt wird ja auch immer offensichtlicher: er regelt, mit dem Zinssystem als Gehilfen, dass die Menschheit total verarmt wird und am Ende alles Einer hat.
Heute läuft alles bei 6 Familien zusammen. So weit davon sind wir also nicht entfernt.

Ihr Beitrag war aber sicherlich ironisch gemeint, deshalb bitte kennzeichnen;)

Raptor Jesus
00
23.1.2012, 22:25
Damit der Kapitalismus funktioniert, nimmt er gleich die gesammte Weltbevölkerung als Geisel.

Wenn's ihm Gut geht, ist er ein Egoist. Wenn nicht, erpresst er die Chefs der Weltbevölkerung, das die Verluste verstaatlicht werden (sonst dürfen die Chefs selber nicht in die Wirtschaft).
Der Kapitalismus ist ein Feigling.

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