Konjunkturspritze verpufft

"Das Geld ist in den Banken geblieben"

Hermann Sussitz, 24. Jänner 2012, 06:15
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    Erich Streissler: "Es gibt viel zu große Ersparnisse und viel zu wenig Investitionsmöglichkeiten."

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    Rund 150 Leute besuchten den von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) organisierten Vortrag.

Die Notenbanken lassen die Geldmenge explodieren. Bei der Realwirtschaft kommt wenig an, der Euro wird trotzdem bleiben, meint Erich Streissler

Erich Streissler ist mit seinen Wirtschaftsprognosen berühmt geworden. Gerade dieser Umstand lässt ihn aber Respekt vor Vorhersagen üben. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Euro aber zukunftsfähig", meint der emeritierte Professor für Ökonomie und Statistik. Die Wirtschaftskrise macht ihm Sorgen, die europäischen und die amerikanischen Banken würden nicht die gleichen Interessen vertreten. Zudem sei es ein Dilemma, dass der an sich gute Reformdruck gerade in konjunkturell schweren Zeiten massive Sparmaßnahmen mit sich bringe, sagte Streissler in seinem Vortrag an der Universität Wien am Montag.

"Es gibt viel zu große Ersparnisse und viel zu wenig Investitionsmöglichkeiten", so Streissler. Vor allem die Chinesen mit ihren riesigen Ersparnissen würden für gigantischen Investionsdruck sorgen. Das sei auch eine der Erklärungen für die Immobilienblase, die 2007/2008 geplatzt ist. Für den 78-Jährigen hat die Politik das Ihre dazu beigetragen. Der vormalige US-Präsident Bill Clinton habe mit seinem in den 1990er-Jahren formulierten Ziel "Jeder Amerikaner soll sein Haus haben" die Banken dazu verleitet, nahezu grenzenlos Kredite zu vergeben.

Geld im Überfluss, des Kleinen Verdruss

Die folgenden Bankenrettungen und der für einenhalb Jahre abgewürgte Weltkonjunkturmotor hätten nun die Verschuldung vieler Staaten in die Höhe getrieben. "Die Vernichtung der Ersparnisse durch Budgetdefizite ist besonders stark", meint Streissler. Trotzdem gehe den Ländern das Geld nicht aus. Italien werde immer an sein Geld kommen, wenn auch mit hohen Zinsen. Die nunmehr sanierten Banken würden das der Finanzierung von Unternehmen und Verbrauchern vorziehen. Ein Beleg dafür: Normalerweise ziehe eine ernorme Erhöhung der Geldmenge, wie sie in den letzten Jahren durch die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank (EZB) erfolgt ist, eine hohe Inflation nach sich. Tue sie aber nicht, weil dieses Geld "nie aus den Banken hinausgekommen" sei. Weh tue das vor allem den neuen und kleinen Unternehmen: "Die Großen finanzieren sich zu weiten Teilen selbst."

Airbag für die US-Finanzindustrie

Kein gutes Haar lässt Streissler an den US-Banken. Wirtschaftskrisen und Staatsbankrotte hätten sich immer um die Frage gedreht, wer staatlich geschützt und wer zur Kasse gebeten wird. In den USA seien es 2008 - anders als in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre - zum "ersten Mal die Banken" gewesen, denen man Schutz angedeihen ließ. Nachdem man in der Pleite der Großbank Lehman Brothers ein Bauernopfer gesehen habe, seien Goldman Sachs und Co. mit geldpolitischen Mitteln am Leben erhalten worden. Dass sowohl der US-Finanzminister unter George W. Bush, Hank Paulson, als auch jener unter Barack Obama, Timothy Geithner, gute Verbindungen zu Goldman Sachs haben, habe einen Airbag für die Finanzindustrie bedeutet: "Wenn sie genügend politische Positionen haben, werden sie sehen, dass man in einer Krise ganz gut auskommt." Die europäischen Banken hingegen seien durchaus zur Kasse gebeten worden.

Die nun erstärkten US-Banken würden auch noch gegen den Euro spekulieren. "Herunterreden, kaufen, verkaufen. Wenn man das fünf bis sieben Mal im Jahr macht, hat man eine hervorragende Rendite", so Streissler. Es gehe eben um individuelle Gewinne von Leuten, die "angefüttert mit Dollar und Pfund" seien.

Reform und Druck gehören zusammen

Über den durch die Eurokrise ausgelösten Reformdruck zeigt sich Streissler hingegen erfreut. Die Griechen wollten schon seit 20 Jahren "mehr Zeit für Reformen" haben, da helfe nur der Druck von außen. Er befürwortet auch die rigiden Kriterien des Internationalen Währungsfonds (IWF), der vielen Politikern nicht genehm sei. Mit Italien, dessen Zinsen sich im Laufe eines Jahres nahezu verdoppelt haben, hat der Ökonom aber ein gewisses Mitleid. In einer Zeit der konjunkturellen Abschwächung zu sparen sei "ungünstig". Die Einschnitte hätten vorher und schneller erfolgen müssen.

Von einer Wirtschaftsregierung inklusive Fiskalunion als Allheilmittel für die Eurokrise hält Streissler derweil nichts. "Das ist Frankreich", meinte er im Hinblick auf den langjährigen Fokus der Franzosen auf die Fiskalpolitik. "Merkel (deutsche Kanzlerin, Anm.) will aber nicht", betonte der Ökonom, der damit gut leben kann: "Die Notwendigkeit dafür ist weder historisch noch logisch gegeben." (sos, derStandard.at, 24.1.2012)

Person Erich Streissler war an den Universitäten Freiburg und Wien als Professor für Ökonomie und Statistik tätig. Das Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften saß im Börserat und dem Aufsichtsrat der Bundesfinanzierungsagentur und war als Präsident der Confederation of European Economic Associations tätig.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 364
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Waran
00
25.1.2012, 00:42
Der Mensch im System

Wurde das Geld (Warengutschein) nicht erfunden, um die Wirtschaft zu erleichtern und sollte die Wirtschaft nicht dem Menschen dazu dienen, sich zu entwickeln und prähistorische Verteilungskämpfe der Vergangenheit angehören zu lassen?
Hat hier nicht eine völlige Umkehr der Werte stattgefunden?
Ist diese Gier nach Luxus und Macht nicht blanke, zur Schau getragene Dekadenz?
Begründet sich der Sinn der Menschheit darin, dass einige Wenige unermesslichen Luxus anzuhäufen und die Anderen danach gieren, diesen Status ebenfalls zu erlangen?
Macht und Wissen vereinigt sich, da Unkenntnis der Ursache, der Handlung die Wirkung verfehlen lässt (Francis Bacon) - und das gilt nicht nur für wirtschaftliche und finanztechnische Zusammenhänge.

site:°~+*-||!#.\>
12
24.1.2012, 23:57

Solange sich die VWL nicht von ihrem theoretischen=ideologischem Müll befreit, wird sie nie eine erstzunehmende Wissenschaft werden, und nie dazu imstande sein, funktionierende Geld- und Wirtschaftssysteme zu entwickeln.

Aber funktionierende Systeme kommen der VWL ungelegen, denn in einem nachhaltig funktionierenden Geldsystem wären "international berühmte Prognostiker" überflüssig, weil es weder Wachstum noch sonstige irrationale Unbekannte gäbe.

Volkswirtschaftslehre scheitert im Praxistest:

http://www.handelsblatt.com/politik/o... 06436.html

Video Teil 1 von 3. Und wo sind die anderen zwei Teile?

finding
16
24.1.2012, 15:07
"Da bin ich ich von internationaler Berühmtheit"

(o-Ton Streissler, usw.)

Weltberühmt in Österreich.

Schade, aber auch das gehört offenbar zum Lauf der Zeit, dass irgendwann selbst intelligente Leute ins Selbstbeschauliche und Selbstgefällige kippen.

exilkaerntner
21
24.1.2012, 21:44
sie haben wohl nach der aussage abgeschalten!!

1. hat er im bereich forecasting und econometrics tatsächlich einen guten internationalen ruf.
2. sprüht er nach der aussage nur so von seiner ihm so typischen typischen selbstironie!

Waran
16
24.1.2012, 14:53
Gesunder Menschenverstand

Wie soll endloses Wirtschafts- und Kapitalwachstum in einem endlichen System (Planet Erde) funktionieren?

don calvo
02
25.1.2012, 07:44

woher kommt eigentlich die Dummheit zu Glauben, das urgendwann einmal in der Vergangenheit jemand einen absoluten Gesamtwert der Erde in eine Zahl hätte gießen sollen und von da an wird nur noch umverteilt?
natürlich wächst Wert (nutzbarer, messbarer, im Umlauf befindlicher) vielleicht sogar unendlich weiter.Sonneneegie gibt's jeden Tag aufs neue,
wir fordern weiter Rohstoffe, erzeugen immer mehr und technischer Fortschritt laesst ständig bessere (und damit wertvollere) Produkte entstehen! dann muss man Nominal von realwachstum unterscheiden. Inflation dient dazu das System flüssig zu halten, dabei werden gesamthaft lediglich die Zahlen Größer aber nicht die werte. die Scharlatane hier scheinen dies nicht zu wissen und nehmen immerNominal

exilkaerntner
41
24.1.2012, 17:34
certeris paribus

haben sie natürlich recht!
irgendwann ist bei gegebenen, sich nicht ändernden faktoren und ohne technologie sprünge kein wachstum mehr möglich.
nur wär das so, würden wir noch immer steine klopfen! ;)
bei jeden technologiesprung werden auch die faktoren neu gemischt und man wächst weiter.
das crux ist halt, dass zur zeit kein technologiesprung in sich ist.

higgs - wozu?
22
24.1.2012, 17:53

fortschritt hat nicht zwingend was mit wachstum zu tun - sogar das gegenteil kann der fall sein, wenn ein technologischer fortschritt ein teures und kompliziertes produkt durch ein einfacheres und billigeres ersetzt zb.
die beiden gleichzusetzen ist zwar auch ein beliebtes dogma, aber ebenso haltlos wie die meisten dieser unhinterfragten glaubensgrundsätze

exilkaerntner
50
24.1.2012, 17:58
für sie als sektierer natürlich nicht nachvollziehbar.

fakt ist aber, dass jeder technologiesprung uns weiter gebracht hat.
sie können aber gerne gegenbeispiele suchen!

higgs - wozu?
04
24.1.2012, 18:06

na, da kommen wir der sache schon näher - hat uns "weitergebracht" - das hat aber wiederum nix mit wachstum zu tun - das seh ich als qualitätsbegriff und nicht als quanitätsbegriff

exilkaerntner
32
24.1.2012, 19:49
das problem an der sache ist,...

dass leute wie sie, bei diesem sehr komplexen thema, ohne grundkenntnisse zu haben mitreden wollen und jedem "heilsbringer" aufsitzen und dann ihren unausgegohrenen senf dazu geben müssen!
in einer sehr fanatischen art und weise auch noch!
aber maschienenstürmer ihresgleichen hat es immer gegeben. sie haben immer gewarnt! sind aber auch wieder verschwunden!

cupiduso
25
24.1.2012, 18:01

natürlich , das ist ja das obskure...wir haben maschinen erfunden die für uns arbeiten, und dennoch müssen wir soviel arbeiten wie noch nie in der geschichte? wir produzieren und produzieren und können uns immer weniger leisten.

eine gute wirtschaft ist wenn immer mehr immer weniger arbeiten müssen und den lebensstandard steigern können, das alles haben wir uns ermöglicht, nur dadurch das wir die zinsen durch wachstum erwirtschaften müssen sind wir geknebelt und sklaven dieses systems , streich die zinsen, versuch ein nachhaltiges geldsystem zu installieren und ungeahnte möglichkeiten tun sich auf, think about it

nicht das wirtschaftswachstum sagt aus wie 'gut' wir wirtschaften

LGM
11
25.1.2012, 07:33

Wir arbeiten so viel wie noch nie in der Geschichte?
Wir können uns immer weniger leisten?

Sagen Sie, in welcher Welt leben Sie?

LGM
00
25.1.2012, 14:11

Was bitte ist ein "korpatiment"?

cupiduso
00
25.1.2012, 10:49

auf dem planeten erde? dafür dass sie sich ein korpatiment aussuchen und darüber diskutieren wollen kann ich nichts, globales denken hilft!

exilkaerntner
00
24.1.2012, 19:51
das ist mit verlaub blödsinn!

aber sie dürfen ruhig ihren nicht gerade durchdachten thesen weiter folgen! ist ihr gutes recht! nur nützen tuts nix und zum besseren wirds ihr weg auch nicht führen! nur in mehr caos!

cupiduso
01
24.1.2012, 19:59

dann behelligen sie uns doch alle , ich bin gespannt welchen , nicht schon durch zahlreiche pseudoexperten dargebotenen propagandamist, sie mir verzapfen wollen.

natürlich verstehen nur eliten wie sie das system, weil es ist so verworren und so verwirrend das es das dumme volk nicht verstehen kann.

exilkaerntner
20
24.1.2012, 20:05
ich bin mit verlaub nicht elitär!

für sie erscheint es wohl so. aber ich kann nichts für ihre minderwertigkeitskomplexe!
ich lass mich aber halt nicht von jedem dehergekommenen quacksalber an der nase herum ziehen! dieses recht obliegt ihnen!

cupiduso
01
24.1.2012, 21:53

wars das jetzt schon mit der beleidigung?

lilian
00
24.1.2012, 18:24
danke, sie haben mir das posten somit erspart.

ich kann somit alles auf einen satz reduzieren:
WOHIN denn weitergebracht ?! (frage an die beiden herrschaften oberhalb von ihnen).

exilkaerntner
01
24.1.2012, 20:03
wo hat es uns hin gebracht!

nun ja in europa zu einem höheren lebensstandard. längere lebenserwartung. menschen hatten dass erstemal auch zeit sich über philosophische, politische und soziologische probleme gedanken machen. ohne industrielle revolution hätte marx wohl kaum das kommunistische manifest geschrieben.
stellen wir uns nur mal vor, es hätte keinen buchdruck gegeben. wir müßten wohl immer noch dem pope von der kanzel alles glauben. bildung wäre nur für eine sehr kleine gruppe vorbehalten.
man stelle sich vor, es hätte niemand die dampfmaschine erfunden. wir würden also einen sehr eingeschränkten aktionsradius haben. die entwicklung war also durchaus positiv.
aber ja! ihresgleichen findet ja an allem etwas verwerfliches!

nu4c
00
24.1.2012, 23:58

dampfmaschine und buchdruck. a bisserl leben sie schon in der vergangenheit, gell ?

exilkaerntner
00
25.1.2012, 09:42
mein lieber mann/frau/was auch immer...

dies waren wohl die beiden wichtigsten "quantensprünge" in der entwicklung des menschen. die beweglichen lettern machten aus büchern und zeitungen ein massenmedium, das dann nicht mehr einer sehr kleinen gruppe zur verfügung standen.
die dampfkraft ermöglichte eine effizientere produktionsmöglichkeiten. viele waren mußten nicht mehr händisch erzeugt werden und wurden zur massenware und für einen größeren teil der bevölkerung erschwinglich. es konnten auch durch die dampfkraft größere strecken als vorher zurück gelegt werden. natürlich hätte ich nicht soweit zurück gehen müssen, die digitale revolution erlaubt es ihnen auch hier vor einem großen publikum sich anonym daneben zu benehmen!

nu4c
00
27.1.2012, 19:57
mein lieber anonymer exilkaerntner,

wenn ich auch durchaus ihre argumente nachvollziehen kann, sind sie doch im bezug auf auswirkungen auf längere zeiträume wenig von ihnen diskutiert gebracht worden. zwei 'quantensprünge' aus der geschichte zu zitieren, um eine ('positive') entwicklung zu rechtfertigen, kommt mir ein wenig unüberlegt vor.
auswirkungen dieser werden gerne weggeschrieben/ weggedacht.
in diesem sinne war auch mein posting gedacht.
eine diskussion, der ich mich gerne anschliesse, könnte jedoch dieses forum 'sprengen'.
ich hätte, zugegeben, das besser schreiben können.
mfg

more more
31
24.1.2012, 16:05

Eine Frage, die erst relevant wird, wenn wir an die Grenze stossen.
Da sind wir noch ein paar Jahrtausende entfernt.

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