Kirchenintern werden Missbrauchsvorwürfe geprüft, Priester nahm weiter Beichten ab
Wien - Ein Beichtvater bringt die Erzdiözese Wien in Erklärungsnot. Der Priester hat bis vor kurzem im Wiener Stephansdom die Beichte abgenommen, aushilfsweise. Allerdings ist er kein unbeschriebenes Blatt: Gegen ihn wurden Vorwürfe des sexuellen Übergriffs vor Jahren in einem Jugendlager erhoben. Der Mann soll die Anschuldigungen bestreiten, es gilt die Unschuldsvermutung. Weil der Pfarrer schon im pensionsfähigen Alter war, ging er in den Ruhestand. Als Beichtvater arbeitete er weiter - bis die Sache publik wurde.
Nun hat sich die Erzdiözese mit ihm geeinigt, dass er künftig von der Beichtabnahme absieht, "um niemanden ein Ärgernis zu geben", wie es in einer Stellungnahme heißt. Ob der Pfarrer bei diesen vertraulichen Gesprächen auch Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatte, kann man nicht sagen, nur soviel: "Es ist in diesem Fall keine Gefahr in Verzug gegeben - soweit das abschätzbar ist", sagt Matthias Theil, Assistent des Wiener Generalvikars Nikolaus Krasa. Kirchenintern würden die Vorwürfe gegen den Priester noch immer von der zuständigen Kommission geprüft. Im konkreten Fall "sind keine Einschränkungen auferlegt worden". Fakt sei auch, dass "keine Anzeige von den Personen eingebracht worden ist".
Warum man den Pfarrer dann doch als Beichtvater aus dem Stephansdom abzieht? Theil: "Wir wollen keine Polarisierung herbeiführen und nicht unnötig Unruhe erzeugen." Jetzt gelte es einmal, das Prüfverfahren abzuwarten, "das wird nicht mehr so lange dauern". (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2012)