"Männerrechtler" sind frauen- und männerfeindlich zugleich

Expertise nahm antifeministische Männerrechtsbewegung unter die Lupe

Die sogenannte Männerrechtsbewegung richtet sich in erster Linie gegen die Gleichstellung von Frauen, Emanzipation und Feminismus. Sie nutzt dabei insbesondere das Internet und fällt in der Regel durch Hasssprache und -propaganda ("Hate Speech") auf. Der deutsche Sozialwissenschaftler Hinrich Rosenbrock aus Bochum hat sich in einer aktuellen Expertise die Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung der antifeministischen Männerrechtler genauer angesehen und unter anderem festgestellt: die Bewegung richtet sich letztlich auch gegen das eigene Geschlecht.

Die meisten Männer teilen die überkommenen Bilder von Männlichkeit der Männerrechtsbewegung nicht. "Da die Antifeministen jedoch Männer, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen, ausgrenzen, sind sie zu großen Teilen nicht nur frauen-, sondern auch männerfeindlich", lautet ein zentrales Ergebnis der Studie. Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung entstand sie an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

In ihren Blogs und Online-Debatten stellen die "Männerrechtler" andere Männer oftmals als Opfer von Frauen- und Gleichstellungspolitik und des Feminismus dar, über Frauenförderung wird geklagt. Autor Rosenbrock nennt die Ziele der Antifeministen: "Es geht den Akteuren - und das sind nicht nur Männer - um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw. Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen."

Rechtspopulismus

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, stellt die Expertise in den Zusammenhang mit der Ende 2011 veröffentlichten Langzeitstudie "Deutsche Zustände" des Soziologen Wilhelm Heitmeyer: "Wir müssen damit rechnen, dass sich rechtsextreme Haltungen und eine 'Ideologie der Ungleichwertigkeit' weiter ausbreiten. Das bedroht die demokratische Basis und spielt vor allem dem Rechtspopulismus in die Hände. Ein Grund ist eine wachsende sozioökonomische Verunsicherung, die auch traditionelle Männlichkeitsbilder reanimiert. Hier sind Aufklärung und Information unabdingbar. Unsere Expertise soll dazu beitragen." (red)

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