Im Urlaub zu den Waffen

Hintergrund | 23. Jänner 2012, 18:05

Viele Rechtsfragen für Umstieg auf Berufsheer offen

Wenn heute ein Milizsoldat zu einer Übung oder einem Einsatz einberufen wird, dann meldet er das einfach seinem Arbeitgeber: "Die Pflicht ruft. Die Wehrpflicht."

Mehr oder weniger freudig wird der Dienstgeber den Teilzeit-Soldaten ziehen lassen müssen - der muss ja einem gesetzlich gedeckten Einberufungsbefehl folgen. Wie der Betrieb die Lücke vorübergehend schließt, ist dessen Sorge. Der Soldat kann beruhigt zu den Waffen gehen, der Arbeitsplatz bleibt ihm gesichert, der Verdienstentgang wird ersetzt.

Was aber, wenn die Wehrpflicht entfällt? Dann entfällt auch das wichtigste Argument zum Schutz des Arbeitsplatzes: Es wird ja niemand gezwungen, zum Heer zu gehen. Wer das dann zu seinem Privatvergnügen (und zur von Minister Norbert Darabos angekündigten Aufbesserung des Einkommens) tut, müsste sich für dieses Engagement Urlaub nehmen - oder sogar seinen Arbeitsplatz riskieren.

Damit das nicht passiert, müssten mehrere Gesetze geändert werden, heißt es aus dem Verteidigungsministerium - konkrete legistische Vorhaben gibt es aber (auch mangels Konsens mit dem Koalitionspartner ÖVP) derzeit nicht. Prinzipiell seien die Probleme aber rechtlich lösbar - auch andere Länder ohne Wehrpflicht haben Milizelemente, etwa die National Guard der USA. Das Hauptproblem für Milizsoldaten ist aber die Einstellung der Wirtschaft: Österreichischen Milizsoldaten wird weniger Wertschätzung entgegengebracht als etwa ihren Schweizer Kameraden. (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2012)

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11 Postings
Edmund der Fröhliche
03
24.1.2012, 14:43
Die Miliz ist faktisch seit 2006 mit der Verkürzung der Wehrpflicht und der Aussetzungen der Übungen praktisch tot.

Die in Hinkunft ,,Milizionäre" sein wollen, machen das nicht aus Idealismus und Schutz der demokratischen Freiheit, sondern weil sie die läppischen EUR 5.000,- brauchen.
Der gesellschaftliche Querschnitt wird im Bundesheer verloren gehen.

dietmar schoebitz
11
24.1.2012, 09:30
Ich hätte gerne erwähnt..

dass in anderen Ländern die Landesverteidigung als eine durchaus ehrenwerte Angelegenheit angesehen wird, und zwar sowohl von Dienstnehmern als auch Dienstgebern, nicht, wie hier, nur als sinnlose Geldverschleuderei. Gerade bei Katastrofeneinsätzen ist die Miliz unabkömmlich und sollte daher tunlichst unterstützt und vor allem erhalten bleiben.Ich könnte mich nicht erinnern jemals eine derartige Diskussion zum Thema Freiwillige Feuerwehr mitbekommen zu haben, welche im Prinzip auch auf der gleichen Basis funktioniert, und das schon eine Zeit lang...

Dirty Sanchez i.R.
 
00
25.1.2012, 10:39
Tja,

da zeigt sich eben, was parteipolitisches Geplänkel mit medialer Unterstützung über Jahre und Jahrzehnte bewirken kann.
Da das Bundesheer seit langer Zeit in den Medien und bei manchen Parteien eh nur böse, schlecht und teuer ist, würde es Jahrzehnte dauern, die sich dadurch in den Köpfen vieler Menschen festgesetzte negative Meinung über das ÖBH zu ändern.

morgen war gestern
10
24.1.2012, 08:41

die argumente in der debatte werden immer absurder.

re flexion
00
24.1.2012, 08:32
Bisher

wurden Milizsoldaten fast noch nie zu einem Einsatz eingezogen und Übungen werden Monate vorher angekündigt. Insofern ist das "Lücke vorübergehend schließen" ein Randproblem und in Sonderfällen gabs dann Befreiungen.

Wenn die Miliz Katastropheneinsatz machen soll, dann muß man öfters innerhalb von Stunden den Arbeitsplatz verlassen (Lawinenabgänge werden ja nicht Monate vorher angekündigt). Also schon eine andere Anforderung an den Lückenschließer.

curricula
20
24.1.2012, 00:58
oje...

Bemängelt der Artikel wirklich den Umstand, dass ein Berufs(!!!)soldat sich bei Abschaffung der Wehrpflicht für (s)einen seinen Beruf entscheiden muss?
Falls ja, dann habe ich wohl eine komplett falsche Auffassung vom Begriff Berufsheer...

dermartino
11
24.1.2012, 03:58

Nur die Überschrift gelesen?

Ich hoffe es für sie.. ansonsten sind sie des sinnerfassenden Lesen nicht mächtig.

curricula
00
24.1.2012, 10:13
Lol süss - der war jetzt ja WIRKLICH originell...

Ohne jetzt mit Steinen oder Glashäusern zu kommen: "Was aber, wenn die Wehrpflicht entfällt? Dann entfällt auch das wichtigste Argument zum Schutz des Arbeitsplatzes: Es wird ja niemand gezwungen, zum Heer zu gehen. Wer das dann zu seinem Privatvergnügen (und zur von Minister Norbert Darabos angekündigten Aufbesserung des Einkommens) tut, müsste sich für dieses Engagement Urlaub nehmen - oder sogar seinen Arbeitsplatz riskieren."

Lazarus Long
02
24.1.2012, 20:29
Es geht um MILIZSOLDATEN!

NICHT um Berufssoldaten.

Ich fürchte dermartinos Befürchtung wegen ihrer Fähigkeit bezüglich sinnerfassenden Lesen sind nicht ganz von der Hand zu weisen.

Lazarus Long
07
23.1.2012, 18:24
Nur sollte man nicht vergessen, das die Soldaten der NG

in erster Linie am Wochenende üben und Firmen, die NG-Angehörige beschäftigen bei Staatsaufträgen bevorzugt werden (was in Österreich so nie umsetzbar ist). In allen anderen Ländern mit Berufsarmee hat sich die Miliz seit der Abschaffung des Wehrdienstes praktisch aufgelöst.

master_of_disaster1
03
23.1.2012, 18:51
Wäre nicht von der Hand zu weisen, dass...

gerade das das Ziel ist - die endgültige Marginalisierung der Miliz.

Außer ein paar Amtsdirektoren im HNA, die dann bei Bedarf in die Uniform eines Oberstleutnants schlüpfen (dürfen), wird wohl nicht viel übrig bleiben...

Der Verfassung wäre damit jedoch immer noch genüge getan ("Das Bundesheer ist nach dem Milizsystem einzurichten")!

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