Marktkonsolidierung

Thyssen sucht rostfreie Zukunft für Nirosta

23. Jänner 2012, 18:06

ThyssenKrupp und die finnische Outokumpu wollen einen Riesen in Hochglanz schmieden. Die Belegschaft mobilisiert

Die langersehnte Marktkonsolidierung in der konjunkturanfälligen Edelstahlproduktion beginnt: ThyssenKrupp und die finnische Outokumpu wollen einen Riesen in Hochglanz schmieden. Die Belegschaft mobilisiert.

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Düsseldorf - ThyssenKrupp und sein finnischer Konkurrent Outokumpu wollen den größten Edelstahlkonzern Europas schmieden. "Wir haben Gespräche mit Outokumpu begonnen", sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher am Montag. Dabei werde eine "mögliche Zusammenführung" des Edelstahlgeschäfts geprüft. Outokumpu bestätigte Gespräche mit ThyssenKrupp über "strategische Optionen". Aus Finanzkreisen verlautet, dass das Konzept für die Zusammenführung bereits steht.

Demnach erwägen die Essener, zunächst ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Finnen zu gründen, an dem diese die Mehrheit halten. Letztlich sei aber eine Trennung wahrscheinlich: "ThyssenKrupp strebt einen Komplettverkauf der Tochter Inoxum an." Eine endgültige Entscheidung über einen Deal mit Outokumpu sei aber noch nicht gefallen.

Nach Einschätzung von Analysten würden beide Konzerne profitieren, es gebe Überkapazitäten in der Edelstahl-Produktion. Experten taxieren den Wert der ThyssenKrupp-Tochter auf ein bis zwei Mrd. Euro. Inoxum steigerte im vergangenen Geschäftsjahr mit mehr als 11.000 Beschäftigten - etwa die Hälfte davon in Deutschland - den Umsatz um 14 Prozent auf 6, 7 Mrd. Euro. Allerdings lag der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 15 Mio. Euro nur knapp über der Null-Linie. Outokumpu erwirtschaftete 2010 mit über 8000 Beschäftigten rund 4,2 Mrd. Euro Umsatz. Neben den beiden gehören die ArcelorMittal-Abspaltung Aperam und Acerinox aus Spanien zu den wichtigsten Playern.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte erst in der Hauptversammlung am Freitag bekräftigt, die Tochter Inoxum bis Ende 2012 abstoßen zu wollen. Insgesamt stehen Geschäfte mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro und etwa 35.000 Beschäftigten zur Disposition, darunter diverse Autozulieferer. Hiesinger muss 3,6 Mrd. Euro Schulden zurückfahren, sie wurden in den neuen Stahlwerken in den USA und Brasilien produziert.

Die Arbeitnehmer der ThyssenKrupp-Sparte mobilisieren bereits gegen Outokumpu. Ohne rechtsverbindliche Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Werken werde man einem Verkauf nicht zustimmen, teilte die IG Metall mit. Die Belegschaftsvertreter sorgen sich insbesondere um das Traditionsunternehmen Nirosta mit großen Standorten wie Krefeld, Bochum und Düsseldorf. Im Ausland gibt es Werke in Italien, Mexiko, den USA und China.

Die Angst ist laut Branchenkennern berechtigt. Denn das Geschäft mit Edelstahl-Flachprodukten ist konjunkturabhängig und hängt maßgeblich Nickel- und Energiepreis. Bei Letzterem seien die Finnen unschlagbar, ihre Schmelze in Tornio an der finnisch-schwedischen Grenze bezieht die Energie aus eigener Wasserkraft und produziert entsprechend günstig. "Wenn Outokumpu kein Geld mehr verdient, verdienen alle anderen schon lang keines mehr", beschreibt ein Insider die Lage.

Für die Voestalpine-Edelstahlsparte (ehemals Böhler-Uddeholm) sollte der neue Riese im 18/8-Rostfreistahl keine Bedrohung darstellen. Weder Outokumpu noch ThyssenKrupp produzieren Langprodukte oder Werkzeugstahl, sondern herkömmlichen Chrom-Nickel-Stahl, der für Massenprodukte von der Aufzugsverkleidung bis zum Kochgeschirr verwendet wird. (Reuters, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2012)

Hannes Heistracher
 
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23.1.2012, 21:37
ThyssenKrupp Chef H.Hiesinger machte Verluste in USA & Brasilien!

Die Anlaufverluste in den neuen Stahlwerke machen die Überkapazitäten im Edelstahl in Europa als Argument gelten, die Tochter Inoxum zu verkaufen.
Oftmals sind aber Chefposten nur auf Zeit bestimmt worden. H.Hiesinger dürfte schon Angst haben, vor einer allfällige Vertragsverlängerung.
MfG
23.01.2012/21:45Uhr/HH

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