Tripolis schickt Truppen und Kampfflugzeuge - Fünf Ex-Rebellen bei Kämpfen in Wüstenstadt getötet
Tripolis/Bani Walid - Drei Monate nach der
offiziellen Befreiung Libyens sind die Gefechte zwischen Anhängern
der alten und neuen Machthaber wieder aufgeflammt. Getreue des
getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi eroberten am Montag die
Wüstenstadt Bani Walid zurück und hissten die grüne Fahne des
ehemaligen Regimes. Laut Berichten griffen die Gaddafi-Loyalisten die
Quartiere von Regierungsmilizen an und zwangen sie zum Abzug aus der
Stadt.
Der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil
entsandte daraufhin Einheiten des Verteidigungsministeriums, um die
Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Aus der libyschen Luftwaffe
hieß es, es seien Kampfflugzeuge geschickt worden. Ein Sprecher des
Militärrates in Zawiyah sagte, es sei eine Truppe von 1.500 Mann in
Bereitschaft versetzt worden, um gegen die Gaddafi-Leute zu kämpfen.
Bei den Kämpfen wurden zuvor fünf Menschen getötet und 20 weitere
verletzt worden, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabiya.
Die Kämpfer beider Seiten hätten den ganzen Tag über gekämpft und
dabei auch schwere Waffen eingesetzt.
Bani Walid ist eine strategisch wichtige Stadt rund 150 Kilometer
südlich der Hauptstadt Tripolis. Die Stadt war am 17. Oktober
vergangenen Jahres als vorletzte Bastion Gaddafis gefallen.
Milizionäre des Übergangsrates hatten Bani Walid zuvor sechs Wochen
lang belagert.
Zwischen den Bewohnern und den Milizen des Übergangsrates
herrschte seit Langem böses Blut. Im November hatten Gaddafi-Getreue
15 Milizionäre getötet. Das libysche Innenministerium räumte ein,
dass es Probleme in der Stadt gegeben habe, die zum Ausbruch der
Gewalt geführt hätten. Beobachter halten es für unwahrscheinlich,
dass sich der Aufstand der Gaddafi-Getreuen über die Grenzen von Bani
Walid hinaus ausbreitet, sehen aber in dem Vorfall ein Zeichen der
Schwäche der Übergangsregierung. (APA)