Rede zur Lage der Nation als Wahlkampfauftritt
Washington - Kaum einer hat zuletzt Notiz von US-Präsident Barack Obama genommen, alles wurde überschattet vom Vorwahl-Krimi der Republikaner. Heute, Dienstag, wird sich das ändern. Vor beiden Häusern des Kongresses hält er dann die Rede zur Lage der Nation. Nach alter Tradition wird der Auftritt begleitet von Ritualen überparteilicher Harmonie, doch in Wahrheit blockieren sich Demokraten und Republikaner im Parlament fast nur noch.
Obama nutzt das Hohe Haus als Wahlkampfbühne - es geht um Trennlinien, weniger um Verbindendes. Der Demokrat will kontrastreich herausstellen, worin er sich unterscheidet von seinen konservativen Rivalen.
Präsentieren wird er sich als "Mann der Mitte" , als Beschützer krisengebeutelter Normalverdiener. Die Botschaft seiner Rede hat er, in wenigen Sätzen gebündelt, bereits kursieren lassen: "Fairplay" . Was er anstrebe, sei "ein Amerika, wo jeder seine faire Chance bekommt, jeder seinen fairen Beitrag leistet und alle nach denselben Regeln spielen". Die Wohlhabendsten sollen endlich höhere Steuern zahlen, damit das Defizit abgebaut werden kann.
Selbst wenn der Name Mitt Romney nicht fällt: Der republikanische Millionär dient Obama als Symbol für die Irrwege marktradikalen Denkens. (fh/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2012)