Russland überdribbelt EU mit eigenem Leitungsprojekt
Wien - Mit Verschärfung der Sanktionen gegen Iran ist auch die Option Gas keine Option mehr - zumindest für absehbare Zeit nicht. Insgeheim haben die Proponenten der geplanten Gasleitung aus dem kaspischen Raum nach Zentraleuropa namens Nabucco die iranische Karte nie ganz aus der Hand gegeben. Im Iran, einem der gasreichsten Länder der Welt, wäre tatsächlich der Stoff vorhanden, um die Pipeline zu füllen. Politisch geht das weniger denn je.
Damit rückt die Realisierung der 3300 km langen Röhre, die von einem Konsortium unter Federführung der OMV realisiert werden soll, in noch weitere Ferne. Der Bau der Pipeline, die 31 Mrd. Kubikmeter Erdgas transportieren soll, ist mehrmals verschoben worden. Selbst Konsulenten wie dem früheren deutschen Außenminister Joschka Fischer oder Ex-EU-Kommissarin Benita Ferrero- Waldner gelang es nicht, Aser-baidschan zum Abschluss eines Liefervertrags zu bewegen. Ohne Gas aber keine Pipeline.
Zuletzt ließ der Energiekonzern RWE mit der Aussage aufhorchen, man müsse nicht unbedingt am Bau der milliardenschweren Röhre beteiligt sein. Russland, das mit Nabucco als alternativem Transportweg nie eine Freude hatte, forciert sein eigenes Projekt South Stream. Mit dem Bau der Gasleitung auf dem Boden des Schwarzen Meeres soll schon diesen Dezember begonnen werden. (stro/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2012)