Israelische Polizei dringt in IKRK-Büro ein

Zwei palästinensische Politiker unter Rotkreuz-Schutz verhaftet

Tel Aviv/Jerusalem - Die israelische Polizei hat am Montag in den Räumen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Ostjerusalem zwei Politiker der palästinensischen Hamas-Organisation festgenommen. Etwa 25 Beamte seien in das Büro eingedrungen und hätten den Abgeordneten Mohammed Toutah und den früheren Minister Khaled Abu Arafeh abgeführt, berichteten Augenzeugen. Beide hatten seit eineinhalb Jahren in den IKRK-Räumen Schutz gefunden.

Israel hatte die beiden Politiker nach der Verschleppung des israelischen Soldaten Gilad Shalit in den Gaza-Streifen im Juni 2006 festgenommen. An der Entführung Shalits, der im vergangenen Oktober gegen 1027 palästinensische Häftlinge ausgetauscht wurde, war auch der bewaffnete Arm der Hamas beteiligt. Israel hatte Toutah und Arafeh später wieder freigelassen, ihnen aber die Aufenthaltsberechtigung für Ostjerusalem entzogen. Ihrer geplanten Abschiebung hatten sie sich durch die Flucht zum IKRK entzogen. Nun sollen sie doch aus Ostjerusalem abgeschoben werden, soweit keine strafrechtlichen Vorwürfe gegen sie vorliegen, teilte die Polizei mit.

Am vergangenen Donnerstag war der palästinensische Parlamentspräsident Aziz Dweik, ein Mitglied der Hamas, an einem Kontrollpunkt des Militärs im Westjordanland in Gewahrsam genommen worden. Gegen ihn bestehe der "Verdacht auf Verwicklung in die Aktivitäten einer terroristischen Gruppe". Von den 74 Hamas-Abgeordneten in dem 2006 gewählten, 132 Mitglieder zählenden Parlament hält Israel derzeit 24 gefangen. Zwei Abgeordnete der Fatah von Präsident Mahmoud Abbas und einer der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) sitzen nach palästinensischen Angaben ebenfalls in israelischen Gefängnissen. (APA)

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