Die mögliche Uniform-Revolte der Burschenschafter

Rainer Schüller, 24. Jänner 2012, 06:15
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    foto: apa/hochmuth

    Wolfgang Jung ist FPÖ-Gemeinderat in Wien. Im Vorjahr hielt er für den abwesenden FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die "Totenrede" der Burschenschafter am Heldenplatz.

FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Jung erklärt, warum trotz des Verbots von Verteidigungsminister Darabos viele Bundesheer-Angehörige in Uniform erscheinen könnten

Der Wiener FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Jung geht seit 20 Jahren auf den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR). Heuer sieht er sich mit dem Problem konfrontiert, dass Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) verboten hat, die Bundesheer-Uniform am Burschenschafter-Ball zu tragen. Jung - und viele seiner Kameraden - könnten jedoch trotzdem in der offiziellen Adjustierung des Heeres in der Hofburg tanzen. Warum, erklärt er im derStandard.at-Interview.

***

derStandard.at: Was werden Sie am WKR-Ball anziehen?

Jung: Das wird von meiner Lagebeurteilung nach Erhalt der Antwort auf meine Anfrage an das Militärkommando Wien abhängen. Ich habe hier mittels eingeschriebenem Brief um die Uniform-Genehmigung angesucht, aber ich habe noch keine Antwort erhalten.

derStandard.at: Verteidigungsminister Darabos hat das Tragen der Uniform am WKR-Ball aber untersagt.

Jung: Ein Interview des Herrn Bundesministers im STANDARD genügt mir nicht. Dafür muss es eine schriftliche Weisung geben. Ich kenne bisher keine.

derStandard.at: Sie warten also weiter ab ...

Jung: ... wann und ob ich eine Antwort kriege. Das betrifft natürlich viele andere auch. In erster Linie Milizoffiziere. Die müsste man über eine Uniform-Weisung anständigerweise in Kenntnis setzen, aber nicht über eine Zeitungsmeldung.

derStandard.at: Sollten Sie nun doch uniformiert hingehen, wäre das eigentlich Befehlsverweigerung.

Jung: Nicht Befehlsverweigerung, es handelt sich ja um keinen Befehl, sondern um eine Weisung.

derStandard.at: Wie viele Leute sind eigentlich betroffen?

Jung: Wie viele genau, kann ich nicht sagen, aber es sind viele. Auf jedem WKR-Ball sind normalerweise bis zu 80 Leute in Uniform. Die sagen, hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Gleichheitsgrundsatz wird verletzt.

derStandard.at: Inwiefern?

Jung: Weil die Voraussetzungen für die Untersagung nicht gegeben sind. Dass dieser Ball absichtlich am Tag der Auschwitz-Befreiung stattfindet, ist eine Unterstellung. Das ist einfach ein kalendarisch bedingter Zufall. Außerdem hält der Verteidigungsminister, der sagt, an diesem Tag solle man nicht tanzen, am selben Tag den Ehrenschutz beim Offiziersball in Salzburg, und in Wien findet der Ball der Unteroffiziere statt.

Die Heuchelei Nummer zwei ist die Geschichte mit dem Rechtsextremismus. Die Innenministerin hat eine parlamentarische Anfrage des grünen Abgeordneten Öllinger mit der Frage, ob der Ministerin bekannt sei, ob sich hier Rechtsextremisten treffen oder getroffen haben, verneint.

Drittens war vergangene Woche der Offiziersball. Dazu hätte ich gerne per parlamentarischer Anfrage gewusst, wie viele Offiziere um eine Uniform-Tragegenehmigung dafür angesucht haben.

Damit wird der Gleichheitsgrundsatz, der durchaus einklagbar wäre, nicht eingehalten. Ich weiß nicht, wie sich die Leute entscheiden werden und vielleicht doch in Uniform hingehen. In der Vorwoche war zudem auch der CV-Ball in Linz, wo auch Leute in Uniform waren.

derStandard.at: Aber der Offiziersball hat doch direkt mit dem Bundesheer zu tun.

Jung: Nein, hat er nicht. Der Veranstalter ist ein privater Verein.

derStandard.at: Also hat die Offiziersgesellschaft nichts mit dem Bundesheer zu tun?

Jung: Das habe ich nicht gesagt, aber es haben die Vereine, die den WKR bilden, nichts mit der FPÖ zu tun. Es ist also keine parteipolitische Veranstaltung.

derStandard.at: Es sind aber viele FPÖ-Vertreter vor Ort.

Jung: Das mag sein, aber der WKR ist ein privater Verein.

derStandard.at: Direkt mit dem Bundesheer zu tun hat der WKR-Ball aber nicht, oder?

Jung: Nein, es hat aber auch der CV-Ball in Linz unter dem Ehrenschutz des Landeshauptmanns genauso wenig mit dem Bundesheer zu tun. Wie auch der Opernball oder der Jägerball.

derStandard.at: Könnten Sie sich vorstellen, dass Soldaten auch auf den Regenbogenball mit Uniform gehen?

Jung: Ich kann mir das nur schwer vorstellen. Das ist für mich kein Ball. Aber es wäre eine interessante Idee zu prüfen, wie das Militärkommando reagiert. Dieser Ball ist wirklich eine Demonstration für eine Idee, die ich nicht so vertrete. Die alte allgemeine Dienstvorschrift bestimmte: "Die Uniform kennzeichnet den Soldaten als Verteidiger von Volk und Vaterland, er hat seiner äußeren Erscheinung jene Sorgfalt zu widmen hat, die das Ansehen der Republik Österreich erfordert." Aus meiner Sicht hat der Regenbogenball mit dem Ansehen der Republik Österreich absolut nichts zu tun.

derStandard.at: Der WKR-Ball aber auch nicht.

Jung: Wenn Sie es rein rechtlich sehen, ja. Aber es würde mich interessieren, was der Herr Minister Darabos beim Regenbogenball zu Uniformen sagen würde.

derStandard.at: Sie persönlich wollen nicht auf den Regenbogenball?

Jung: Nein. Ich würde auch nicht auf den Life Ball gehen.

derStandard.at: Der WKR-Ball soll ja nun zum letzten Mal in der Hofburg stattfinden, ist das für Sie ein Problem?

Jung: Na, warten wir ab. Es ist möglich, dass es vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr nicht der Fall sein wird. Aber die FPÖ wird wieder an die Regierung kommen, und dann werden wir sehen, ob der Betreiber dann immer noch der gleichen Meinung ist. (derStandard.at, 23.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 937
television
00
29.1.2012, 14:27
HC STRACHE & Martin GRAF lieben WKR Ball

HC STRACHE & Martin GRAF lieben WKR Ball Teil 1 uncut Pressekonferenz 27.01.2012
https://www.youtube.com/watch?v=yHGDnXRcNvo

Rausverstand
01
28.1.2012, 01:18

Warum wurde nach seiner letzten Antwort nicht weitergefragt? Da kam er doch erst richtig in Fahrt!

Kaktus
12
27.1.2012, 13:34
Da Herr Jung offensichtlich Uniformfetischist ist,

würde es ihm auf dem Life-Ball vielleicht sogar besser gefallen.

FalscherProphet
23
26.1.2012, 15:35
Das FPÖ-Burschi Wofgang Jung

ist einfach nur eine Schande.
Für das Heer genauso, wie für die Politlandschaft.

Jenen Leuten, denen sein soziopathisches Auftreten im Club 2 erspart blieb,
"versäumten" eine aggressive, nervöse Trauergestalt, die von einem aufgezogen gutmütigen Lächeln zur blanken Wut in Sekundenschnelle wechselte - und wieder zurück.

itavalda
01
29.1.2012, 19:11

Hatte diesen Vogel beim BH als Offizer , ich frag mich heute noch wie man mit seinen Fähigkeiten mehr werden kann als Leutnant. Der Mann ist doch der klassische Zivilversager der sich beim BH parteipolitisch hochgeturnt hat .

behan
01
27.1.2012, 21:08

aggressiv ja, nervös leider nein, der mann hat ns-kampfrethorik nach schulbuch praktiziert

auf keine frage eingegangen, vielmehr sie ins gegenteil verkehrt (zb. (aus dem gedächtnis) frage: wie gewalttätig sind die rechten? antwort: (keine zu der gestellten frage, sondern): schauen sie sich doch die linken gewalttäter an
andersdenkende diffamiert, diskussionsteilnehmer diffamiert (zb. wir sind die anständigen, usw.)

wäre ich lehrer und würde ich in der schule einen beitrag zu rethorik in der ns-zeit zeigen, dann würde ich diesen herren und seinen club 2 auftritt als beispiel bringen (und das 2011 geschehen, und nicht vor 65 jahren!)

wildkater
01
26.1.2012, 23:09
Das "Problem" Jung wird sich demographisch eh bald von selbst lösen....

gluthammer
11
26.1.2012, 13:57
kann mir bitte irgendwer erklären, ...

... warum der Herr Jung und seine Freunde, die ja mit Österreich nicht so furchtbar viel verbindet, ausgerechnet in der Wiener Hofburg ihre Festln feiern wollen?

Und betr. Uniform tragen: Könnte es sein, dass der Herr Jung einfach kein Zivilg'wand besitzt, aber sich geniert, das öffentlich zuzugeben? In diesem Fall würde ich mich gerne bereit erklären, einen (ok, kleinen) Beitrag zu leisten, damit er sich einen Anzug leisten kann ...

ich hab jehova gesagt...
23
26.1.2012, 12:13
ADV: §34 Teilnahme bei Veranstaltungen

"§ 34. (1) An Veranstaltungen des Bundes, der Länder oder Gemeinden dürfen Abordnungen des Bundesheeres sowie einzelne Soldaten in Uniform auf Einladung der Veranstalter teilnehmen oder mitwirken.

(2) An anderen Veranstaltungen dürfen Soldaten in Uniform mit Bewilligung des zuständigen Militärkommandanten teilnehmen. Diese Bewilligung darf nur erteilt werden, wenn die Veranstaltung keinen parteipolitischen Charakter trägt und erwartet werden kann, daß sie einen solchen auch nicht durch die Veranstalter erhält."

Eigentlich ganz klar formuliert. Hoffe, es wird auch entsprechend exekutiert, obwohl max. 700 € Verwaltungsstrafe dem Herrn Jung und Co nicht besonders wehtun werden.

zett
26
26.1.2012, 00:21
live

wer gerade club2 gesehn hat weis, dass der herr live noch viel unterhaltsamer ist.
einmal hat er sich sogar als akademiker bezeichnet-faszinierend.

ceiberweiber.at
01
26.1.2012, 12:38
das....

wird er auch tatsächlich sein, die bezeichnen sich ja als akademisch - und laden den strache doch auch nur ehrenhalber ein....

more more
23
25.1.2012, 20:20

Wie wäre es mit der Uniform des Republikanischen Schutzbundes?

more more
11
25.1.2012, 20:19

Aber die grünen Socken darf er schon tragen?
Da Bälle bekanntlich Faschingsveranstaltungen sind vielleicht über dem Kopf zusammen gebunden?

Craig Christ
08
25.1.2012, 16:08
Klingt wie eine Drohung

"Aber die FPÖ wird wieder an die Regierung kommen, und dann werden wir sehen, ob der Betreiber dann immer noch der gleichen Meinung ist"

ich hab jehova gesagt...
03
26.1.2012, 12:28
:(

Traurig, aber die Zeichen stehen ja wirklich schon sehr auf schwarz-blau, so wie sich der Spindelegger anbiedert. Blauäugige Schwarze + schwarzmalerische Blaue = Österreich in Geiselhaft der Unmenschlichkeit

nasowasaberauch
14
25.1.2012, 21:13
war auch mein erster gedanke

und mir ists eiskalt übern buckel glaufen, des kannst ma glauben

sirnicha
24
25.1.2012, 16:03
zum kotzen solche leute

AnnaWintour
64
25.1.2012, 15:07
Ja, die Diskussion als solche ist eine Schande..

.und zwar die ganze, in allen Facetten, nicht nur das mit den Uniformen.
Michael Fleischhacker von der "Presse" hat vor Jahren einmal geschrieben: Es bricht in Österreich nicht gleich der Faschismus aus, weil ein Alter Herr mit Schmiss mit einer blonden, blauäugigen Maid im Rechtswalzer durch die Hofburg tanzt. Oder so ähnlich. Dem ist nichts hinzuzufügen.

ceiberweiber.at
26
25.1.2012, 16:33
es gibt sicher leute

denen es reicht, möglichst oft pfui faschismus zu rufen - und dann gibts noch viel mehr, zum glück, die zusammenhänge erkennen. zb zwischen der duldung von rechtsextremen bis sehr rechten ansichten und der zunahme von fremdenfeindlichkeit - und die dagegen etwas unternehmen, weil darunter menschen leiden, die in diesem land leben.

denke
83
25.1.2012, 18:10

Und es gibt viele, die vorgeben gegen Rechts zu kämpfen und dabei in Wahrheit nur die Propagierung des Genderfaschismus im Auge haben.
Trau, schau, wem

Jane Lane
 
23
26.1.2012, 10:39

Ui, ja da kommt sie schon rausgekrochen - die Angst vor den pöhsen pöhsen Frauen:)

ceiberweiber.at
010
25.1.2012, 18:27
was ist....

genderfaschismus? kenn ich nicht....

Klaus Bergmaier
15
26.1.2012, 12:22
Das ist sowas wie...

..die "linksradikale Bedrohung", der Österreich jedesmal ausgesetzt ist, wenn sich irgendwo Widerstand gegen die braune Meute formiert. Eine völlig aus der Luft gegriffene, erfundene Bedrohung. Die von linkslinken Gutmenschen wie uns ausgeht.

denke
61
26.1.2012, 16:13

Ein konkurrenzfaschistisches Produkt zum ebenso widerwärtigen Deutschnationalismus.

Peter Hammer 06
11
28.1.2012, 18:42
Ein Begriffserfinder namens Denke.

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