Der langjähriger Direktor des Theater an der Wien galt als österreichischer Musical-Pionier
Wien - Der Schauspieler, Theatermacher und Musicalpionier Rolf Kutschera ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Wie seine langjährige persönliche Sekretärin gegenüber dem "Kurier" angab, starb Kutschera am Sonntag in Wien. Der langjährige Direktor des Theater an der Wien machte machte das angloamerikanische Musical in der Bundeshauptstadt
heimisch. So bereitete er mit Kassenschlagern wie "My Fair Lady", "Der Mann von
La Mancha", "Hello Dolly" oder "Evita" den Nährboden für den späteren Erfolgszug
der Gattung. Während seiner Direktionszeit im Theater an der Wien zwischen 1965
und 1983 zeichnete er für insgesamt 25 Musicalinszenierungen verantwortlich.
Kutschera, am 6. Jänner 1916 in Wien geboren, erhielt seinen ersten Schauspielunterricht bei Rudolf Beer an der
Scala in Wien. Sein erstes Engagement trat er allerdings bereits im Theater an
der Wien an, wo er in "Madame Sans Gene" spielte. 1938 ging er nach Heidelberg,
ein Jahr später nach Linz, um 1940 am Wiener Volkstheater engagiert zu werden.
Bald darauf wurde der Schauspieler zur Wehrmacht eingezogen und spielte
schließlich bis zur Theatersperre 1944 wieder am Volkstheater. Nach 1945
betätigte er sich zunächst als Autor von Revuen und als Conferencier, bevor er
ein Engagement an der Scala erhielt. Bei der Wien-Film wirkte Kutschera schon
vor 1945 in einigen Produktionen mit, nach Kriegsende wurde er in Österreich und
Deutschland für eine Reihe von weiteren Streifen verpflichtet.
"König des Boulevards"
Als Schauspieler und Regisseur war Kutschera ab 1950 vor allem in Berlin
tätig, wo er als "König des Boulevards" reüssierte. Daneben spielte und
inszenierte er auch im Theater in der Josefstadt, im Hamburger Schauspielhaus
sowie in Zürich und Stuttgart. Seine Wiener Inszenierungen wie "Staatsaffären",
"Bei Kerzenlicht" und "Einzelgänger" galten als Glanzpunkte des
Unterhaltungstheaters seiner Zeit.
Ab 1965 schließlich hatte Kutschera die Leitung des Theaters an der Wien
inne, die er bis 1983 behalten sollte, ab 1969 mit Franz Häußler als
kaufmännischer Mitstreiter an seiner Seite. Für seine Musicals, die er aus
London und New York importierte, konnte er Künstler wie Marika Rökk, Dagmar
Koller, Harald Juhnke, Josef Meinrad, Marianne Mendt oder Fritz Muliar gewinnen.
Titel der ersten Premiere unter seiner Leitung: "Wie man was wird im Leben, ohne
sich anzustrengen." Mit einigen Aufführungen, wie beispielsweise der "Gräfin vom
Naschmarkt", verlieh Kutschera dem aufstrebenden Genre auch eine Wiener Note.
Auch für das Fernsehen gearbeitet
Auch im deutschsprachigen Fernsehen zählte Kutschera zu den vielbeschäftigten
Schauspielern und Regisseuren. So inszenierte er beispielsweise für den ORF
"Brillanten aus Wien", "Die Bekehrung des Ferdy Pistora", den Fernsehfilm "Das
Wunder einer Nacht" und die Unterhaltungsserie "Glückliche Reise" und wirkte als
Schauspieler in "Das doppelte Leben" oder in Franz Antels "Der Bockerer" mit.
Bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) hat man sich indesse betroffen von der Todesnachricht gezeigt. "Er war ein besonders integrer, liebenswürdiger und musicalbegeisterter Theatermensch, dem es bis zuletzt immer wieder gelungen ist, uns mit Rat und Tat zu Seite zu stehen", so VBW-Generaldirektor Thomas Drozda. Auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny würdigte den Theatermacher: "Wie kaum ein anderer hat Rolf Kutschera dazu beigetragen, Wien auf der internationalen Musicallandkarte zu positionieren." (APA)