Gute Führung

Salcher und die "Macht der kleinen Gesten"

23. Jänner 2012, 17:47
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    foto: apa/ecowin verlag/formanek

    Andreas Salcher, Coach und Bildungsexperte.


  • David Carroll und das Gitarren-Lied, das United Airlines in Bedrängnis brachte.

"Wer führt, muss Menschen mögen" - Andreas Salcher, Management-Coach, referierte beim "HR-Circle" über sein Führungsmodell

"Machen Sie eine Faust", ruft Andreas Salcher in Richtung Publikum, "und versuchen Sie, die Ihres Nachbarn zu öffnen." Zwei Minuten, viel Gezerre und geschätzte fünf gebrochene Finger später meint er: "Die beste Möglichkeit ist, einfach zu bitten: 'Können Sie die Hand öffnen'?" - "Wer führt, muss Menschen mögen": Dieses Mantra predigt der Coach für Führungskräfte und Bildungsexperte in seinen Seminaren. Klingt banal, ist es auch. Eine Kostprobe gab Salcher vergangene Woche beim "HR-Circle" in Wien.

Salcher schwört auf die "Macht der kleinen Gesten". Etwa die Namen der Mitarbeiter lernen, ein Lob zum richtigen Zeitpunkt austeilen oder sich die Zeit nehmen, die Sitzordnung bei Konferenzen zu bestimmen. "Wer redet mit wem?" Das habe eine ungeheure Wirkung auf Motivation und Kollegialität, glaubt er. Als Salchers Vorbild in puncto authentischer Führung fungiert ein gewisser Michael Abrashoff. Der ehemalige Kapitän des US-Navy-Schiffs "USS Benfold" avancierte nach seiner Tätigkeit auf hoher See zum hoch dotierten Managertrainer.

Erfolgsmodell aus den Tiefen der US-Navy

In dem Buch "It's Your Ship" beschreibt Abrashoff, wie er mit ein paar simplen Veränderungen die zuvor hohe Fluktuation auf dem Schiff komplett zum Erliegen brachte. Vor seiner Ägide stiegen 35 Prozent der Crewmitglieder vorzeitig aus ihrem Vertrag aus, weniger als 20 Prozent verlängerten ihn nach dem Auslaufen. Personalrotation verursacht horrende Kosten, dachte sich der Kapitän und implementierte ein paar Maßnahmen. Danach verpflichteten sich 100 Prozent der Besatzung für eine weitere Periode.

Abrashoff lernte zum Beispiel innerhalb eines Monats die Namen aller 310 Beschäftigten an Bord auswendig. Dann, und mit ihren Lebensgeschichten vor Augen, lud er sie zum persönlichen Gespräch ein, um sie nach ihren Wünschen und Beschwerden zu fragen. Der am häufigsten genannte Kritikpunkt war das schlechte Essen. "Das Essen hat eine besondere Rolle, eine soziale Funktion", so Salcher in Anlehnung an Abrashoff. Das Budget wurde umgeschichtet, die Köche auf die besten Kochschulen geschickt und qualitativ hochwertigere Lebensmittel eingekauft. Der Erfolg stellte sich schnell ein, die Zufriedenheit stieg rapide. Das Signal: "Wir nehmen eure Sorgen ernst." Die vier Prinzipien Abrashoffs: Sehe das Schiff mit den Augen der Besatzung, verbessere die Arbeitsbedingungen, kommuniziere ständig Sinn und Zweck und höre jedem zu 100 Prozent zu.

Gitarre zerstört, Passagier verärgert

Wie sehr Ignoranz von Unternehmen in die Hose gehen kann, erzählte Salcher anhand der Fluglinie United Airlines. David Carroll, ein kanadischer Musiker, flog mit United Airlines zu einem Konzert nach Nebraska. Mit im Gepäck seine 3.500 Dollar teure Gitarre. Am Zielort stellte sich heraus, dass das Arbeitsgerät Carrolls beschädigt war. Durch unsachgemäße Behandlung. Die Fluglinie weigerte sich, Schadenersatz zu zahlen. Nach dutzenden Beschwerden, die allesamt im Sand verliefen, änderte der Musiker schließlich seine Taktik. Er schrieb drei Lieder, die er ins Internet stellte und die den "Tod" seiner Gitarre zum Inhalt hatten. Am Pranger: United Airlines.

"Ursache-Wirkung-Prinzip"

Medien wurden auf die Satire aufmerksam, Carroll durfte in Talkshows von seinem "Schicksal" berichten. Der Song "United Breaks Guitars" erreichte auf YouTube mehrere Millionen Abrufe. Die Konsequenzen für die Fluglinie waren fatal. Neben dem Imageverlust brach zwischendurch der Aktienkurs ein. Um den Schaden noch irgendwie zu begrenzen, wurden die Richtlinien für die Gepäcksbeförderung geändert, Carroll wurde eine Entschädigung angeboten. Für Salcher ein einfaches "Ursache-Wirkung-Prinzip", das in allen Firmenrichtlinien verankert gehöre: "Wie Betriebe ihre Kunden oder Mitarbeiter behandeln, so wird es zurückkommen." Und an Chefs adressiert: "Nichts beeinflusst Mitarbeiter so stark wie das eigene Verhalten."

Viele Beschäftigte wüssten überhaupt nicht, wofür ihre Firma stehe, kritisiert Salcher und plädiert für eine transparente Organisationskultur als "Summe des Verhaltens, das ich auszeichne oder sanktioniere". Sonst könnten die Werte nicht nach außen transportiert werden. Führungskräften rät er, nach dem Drei-Geschichten-Prinzip zu agieren: "Wer bin ich", "Wer sind wir" und "Wohin gehen wir". Mit diesem Spiegel vor Augen könnten Werte, Identität und Vision eines Betriebes kommuniziert werden.

Plan B: Jobwechsel

"Im Leben gibt es keinen Business-Plan", sagt Salcher, eigene Positionen sollten ständig reflektiert werden. Etwa: "Mache ich meinen Job aus Leidenschaft?" Unter der Voraussetzung, dass genug Geld vorhanden ist und die Arbeit nicht aus ökonomischen Gründen gemacht werden muss, sollte man sich fragen: "Würde ich den Job auch ausüben, wenn ich kein Geld dafür bekäme?" Lautet die Antwort Ja, dann ist alles im grünen Bereich. Sonst empfiehlt er einen Wechsel. "Das Leben ist viel zu kurz, um es zu verschwenden." (red, derStandard.at, 23.1.2012)

Hinweis

Der nächste HR-Circle findet am 23. Februar um 18.30 Uhr statt. Ronny Hollenstein, Bernd Hufnagl, Katharina Henz und Hans-Christian Hießböck widmen sich dem Thema "Innovative Bildungskonzepte - Was kann die Wirkung von Bildungsmaßnahmen erhöhen?".

Veranstaltungsort ist die Akademie für Recht, Steuern & Wirtschaft (ARS) in der Schallautzerstraße 4, 1010 Wien.

Link
www.hrcircle.at

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19 Postings
gundl gaukelei
00
28.2.2012, 10:10

platitüden. und dann sitzen "führungskräfte" die ihre leute ausquetschen wie zitronen in den seminaren des herrn und werfen ihm viel geld nach.

woody999
01
27.1.2012, 19:02
irgendwie mag ich den typen nicht, diesen experten für eigentlich eh alles

er verzapft halt viel heiße management-consulter-luft...

gundl gaukelei
00
28.2.2012, 10:11

was diese leute daherplappern ist teilweise von schockierender plattheit, unglaublich was die für das erzählen von binsenweisheiten verlangen.

grasser prasser
02
24.1.2012, 18:42
Prinzipiell hat er recht -bis auf eine Ausnahme

"Würde ich den Job auch ausüben, wenn ich kein Geld dafür bekäme?"
Also ich arbeite um zu Leben und nicht umgekehrt. Meine Motivation ist Geld - und jeder der Anderes behauptet (ausgenommen soziale Berufe) lügt, oder lügt sich selbst an.

The Celt
02
25.1.2012, 11:29

Ich gebe ihnen recht.
Noch dazu die Frage sollten nicht "Würde ich den Job auch ausüben, wenn ich kein Geld dafür bekäme?" heissen. Sondern "Würde ich den Job auch ausüben, wenn ich das Geld nicht bräuchte?"....

Erz-Schelm
01
24.1.2012, 18:12
Die Macht des kleinen Blablas.

tellerrand1
01
24.1.2012, 13:32
Salcher,

der Experte für eigentlich eh alles. Aber eben nur der maximal zweitbeste - Der Beste ist Gunkl!

Der Österreicher
20
24.1.2012, 12:19

Wer heute erfolgreich führt muss vorallem Lügen. Nach Aussen den netten Menschen darstellen und wie ein absolutes Arschloch Handeln.

stefan esema
00
25.1.2012, 09:21

Immer eine schöne Argumentationstaktik, die im Grunde bloß suggeriert, man selbst sei lediglich deswegen so unerfolgreich, weil man selbst eben kein Arschloch sei. Vielleicht liegts an anderen Gründen?

Der Österreicher
00
25.1.2012, 10:43

Geh bitte. Der Mann hat noch nie in seinem Leben eine Firma von Innen gesehen und will Führungskräften etwas beibringen.

Schauen Sie sich mal seinen Lebenslauf an. Ein reiner Theoretiker, sonst nichts.

sunny12
00
24.1.2012, 12:17

Auch wenn es sich nur um "Binsenweisheiten" handelt, wie machen hier meinen, werden sie trotzdem zu selten umgesetzt. Oder wieviel Prozent der Angestellten/Arbeiter sind mit ihren Vorgesetzten zufrieden?

ich sag's grad raus
06
24.1.2012, 00:46
Ich mach jetzt auch...

...den "BusinessCoach dank Binsenweisheit" und den "LeaderShipExpert I+II" – natürlich bei Humbug!

Mann40
01
23.1.2012, 22:52
Mann40
00
23.1.2012, 22:49

sehr richtige Lehre

P.S: ein grossartiges Beschwerdelied ;-)

Munin
00
23.1.2012, 22:31
Interessanter Artikel

Die Geschichte mit der Faust finde ich nett, seinem Ärger über schlechten Service so kreativ Luft zu machen ist nachahmenswert und auf das Buch von Abrashoff wäre ich wohl ohne diesen Artikel nicht gestoßen - hab´s mir eben gebraucht bei Amazon bestellt.

Bitte Ich Weiß Was
02
23.1.2012, 18:30
Ja, ja! Das Rauschen der Binsen ist schon gewaltig!

Warum ist er jetzt nicht mehr DER Schulexperte? Ist sein Leben womöglich zu kurz?

komajo
00
24.1.2012, 07:06
Der Salcher

ist in allem Experte. Wissen Sie das nicht?

Bitte Ich Weiß Was
00
24.1.2012, 13:50
Wie denn?

Habe einfach nicht genug Zaster um ihn als allwissenden Coach zu engagieren, der mir alles erklären tut.

Aber toll wäre das freilich!

Symlink
00
25.1.2012, 01:28

Mir hat er seine Visitenkarte vor einiger Zeit unentgeltlich angeboten. Ich war leider schon zu betrunken um noch zu wissen, was er eigentlich so konnte.

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