Theater Drachengasse

Böse Familienaufstellung

Dorian Waller, 24. Jänner 2012, 09:54
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    foto: andreas friess / picturedesk

    Geschwister (Sonja Pikart und Maximilian Spielmann), die mit dem Familienleben hadern.

Im frankokanadischen Stück "Eine Frage der Einstellung" geht eine zerrüttete Familie ans Eingemachte: jetzt im Theater Drachengasse erstaufgeführt

Wien - Sie wollen "ein für alle Mal darauf verzichten, eine plausible Geschichte zu erzählen", postulierten Evelyne de la Chenelière und Daniel Brière zu ihrem Stück Eine Frage der Einstellung. Ein weiteres Ziel des frankokanadischen Autorenpaares war es, die thematischen Dauerbrenner des modernen Theaters zu meiden: Sex, Gewalt, Konsumgesellschaft. Bei der gelungenen deutschsprachigen Erstaufführung im Theater Drachengasse ist dann aber doch eine Geschichte zu finden, auch Sex und Gewalt sind Teile des Spiels.

So erzählt Eine Frage der Einstellung von einer Familie, bei der einiges im Argen liegt. Ausgangspunkt ist die Frage, wie aus den Kindern (Maximilian Spielmann, Sonja Pikart) terroristisch veranlagte Tierschützer werden konnten. In vielen, sich teilweise wiederholenden und spiegelnden Einzelszenen werden die vergangenen Jahre des gemeinsamen Familienlebens seziert, stets neue Katastrophen aufdeckend.

Der Vater (Jürgen Schüller) glaubt, seinen Nachwuchs von klein auf mit den verstörenden Früchten seiner Arbeit als Kriegsberichterstatter konfrontieren zu müssen. Die Mutter (Alexandra M. Timmel) "macht in Kunst" und kann dem Gatten Brote schmieren, ohne ihre Selbstbestimmtheit gefährdet zu sehen.

Das textlastige Stück lebt zwar primär von seinem scharfen Witz, Regisseur Günther Treptow gibt seinen Akteuren allerdings auch ausreichend Raum zu spielen. Die Geschwister umbalzen sich als fleischgewordene Inzestdrohung in einem fort, auch die Eltern lassen ihrer Aggression und ihrer Lust freien Lauf. Da heizen die kaputten Helden auf einem Motorrad durch die Nacht oder verwandeln sich gleich in Wölfe (Bühne und Kostüm: Werner Schönolt). Kurzweilig, aber nie oberflächlich überzeugt die Inszenierung so als eine schonungslose Komödie zum Fürchten. (Dorian Waller, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Jänner 2012)

Bis 18. 2.

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