Mit Deutsch und EDV eine Brücke zum Arbeitsmarkt bauen

23. Jänner 2012, 16:31
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Die Stadt Wien bietet Fortbildung für Migrantinnen: 1.600 Kursplätze für Frauen, die den Einstieg ins Berufsleben schaffen wollen

Bakar Emel lebt seit zehn Jahren in Österreich. Die 28-jährige Hausfrau kommt ursprünglich aus der Türkei und hat drei Kinder. Sie spricht zwar Deutsch, möchte ihre Sprachkenntnisse aber noch verbessern. Seit Oktober besucht sie deshalb zweimal wöchentlich das "Frauencollege", ein Angebot der Stadt Wien, das Frauen auf den Arbeitsmarkt vorbereiten soll. 

Emel hat einen Berufswunsch, sie möchte Kindergartenhelferin werden. Der Kurs im "Frauencollege" soll sie darauf vorbereiten. Nicht nur Deutsch wird dort gelehrt, den Frauen werden auch Kenntnisse in Mathematik, Naturwissenschaften und Geschichte nahegebracht.

1.600 Plätze

Die Stadt Wien hat speziell für Migrantinnen einen neuen Sprach- und Bildungsplan entwickelt. Bereits bestehende Angebote zum Erlernen von Deutsch-Grundkompetenzen werden gebündelt. Mit dem "Frauencollege" gibt es zusätzlich Aufbaukurse, in denen Migrantinnen ihr Deutsch vertiefen und weitere Unterrichtsfächer wie Mathematik und EDV belegen können. Insgesamt stehen im heurigen Kursjahr rund 1.600 Plätze zur Verfügung, sagte Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Montag bei der Präsentation. 

Das Programm ist in drei Stufen gegliedert: Für Frauen mit geringen bzw. keinen Deutschkenntnissen gibt es Deutsch- und Alphabetisierungskurse, die teils in deren Muttersprache abgehalten werden. Um Grundkompetenzen zu erreichen, die Orientierung im Alltag zu verbessern und den Frauen zu zeigen, wie sie ihre Kinder im Bildungssystem unterstützen können, gibt es die "Mama lernt Deutsch"-Kurse, an denen bisher bereits 6.000 Frauen teilgenommen haben. Beide Module werden in Kindergärten, Schulen und Frauenvereinen zu flexiblen Zeiten angeboten.

Allgemeinbildung

Die neuen "Frauencolleges" sollen laut Frauenberger eine "Brücke von Spracherwerb und Orientierung hin zu Vermittlung in den Arbeitsmarkt" sein. Dabei sollen Migrantinnen weitergebildet werden, die bisher wegen fehlender Allgemeinbildung oder Basisqualifikation nicht an Aus- und Weiterbildungsprogrammen des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) teilnehmen können. Wer den Kurs positiv abschließt, erhält ein Zertifikat.

Fünf Millionen Euro

Die "Frauencollege"-Kurse finden in den Wiener Büchereien statt. Derzeit ist das nur in der Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz und in der Bücherei Simmering möglich, ab Herbst sollen sechs weitere Standorte dazukommen. Die Stadt Wien investiert - wie schon bisher - rund fünf Millionen Euro in diese Maßnahmen, für die Teilnehmerinnen sind die Kurse kostenlos.

Bakar Emel wird ihre Ausbildung am "Frauencollege" in Simmering im Juni abschließen. Im waff stehen ihr anschließend Möglichkeiten offen, um die Ausbildung zur Kindergartenhelferin in Angriff zu nehmen. (rwh/APA, derStandard.at, 23.1.2012)

  • Zweimal wöchentlich lernen die Frauen Deutsch, Mathematik, Geschichte und EDV.
    foto: rwh/derstandard.at

    Zweimal wöchentlich lernen die Frauen Deutsch, Mathematik, Geschichte und EDV.

  • Bakar Emel (l.) mit ihrer Lehrerin Christina Weiss.
    foto: rwh/derstandard.at

    Bakar Emel (l.) mit ihrer Lehrerin Christina Weiss.

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