Bereits zehntes Präsidententreffen unter Vermittlung Russlands
Moskau - Die Präsidenten von Armenien und
Aserbaidschan haben sich im Konflikt um die Region Berg-Karabach nach
einem Treffen in Russland erneut ohne greifbares Ergebnis getrennt.
Beide Seiten seien jedoch weiter an einer zügigen Lösung des
Konflikts um die von Aserbaidschan abtrünnige Region interessiert,
hieß es in einer Erklärung nach dem Gipfel unter Vermittlung des
russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Bei dem Gespräch mit seinen
Amtskollegen Serge Sarkissian (Sersch Sarskjan) aus Armenien und
Ilham Aliyev aus Aserbaidschan sagte Medwedew am Montag, es gebe
teils Probleme bei den Gesprächen.
Es war bereits das zehnte Treffen dieser Art unter Medwedew seit
Ende 2008, dieses Mal in der Schwarzmeer-Metropole Sotschi. Nach
Angaben aus dem Kreml sind Aliyev und Sarksjan bereit, den
gesellschaftlichen Dialog sowie die humanitären Kontakte auszubauen.
Aliyev sagte nach Angaben der Agentur Interfax, dass es bei den
Verhandlungen immer wieder Anlass zu Pessimismus gegeben habe.
Optimistisch aber stimme die dauerhafte Vermittlerrolle Russlands in
dem Konflikt, sagte Aliyev.
Gewalt angedroht
Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hatte zuletzt wiederholt
gedroht, notfalls mit Militärgewalt sein "Territorium zu befreien".
Trotz eines 1994 vereinbarten Waffenstillstands kommt es zwischen
Berg-Karabach und Aserbaidschan immer wieder zu Gefechten mit Toten
und Verletzten. Russland gilt in dem Konflikt als Schutzmacht
Armeniens und hat in dem Land Soldaten und Militärstützpunkte.
Russland gehört mit den USA und Frankreich auch der Minsk-Gruppe an,
die im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) bisher erfolglos versucht hat, eine Lösung
herbeizuführen.
Die Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan hätten sich
bereiterklärt, den Prozess zur Findung einer Einigung für
Berg-Karabach zu beschleunigen, hießt es nach dem Treffen in Sotschi.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow wurde von Itar-Tass mit den
Worten zitiert, die beiden Konfliktparteien "verstehen, dass sie auf
Maximalpositionen verzichten müssen". Russland werde weiter
vermitteln.
Das mehrheitlich von (christlichen) Armeniern bewohnte
Berg-Karabach, das geografisch von Aserbaidschan eingeschlossen ist
und völkerrechtlich auch zu Aserbaidschan gehört, sagte sich Anfang
der 90er Jahre von Aserbaidschan los, nachdem es den Autonomiestatus,
den es innerhalb der Aserbaidschanischen Sowjet-Republik noch
innehatte, verloren hatte. Es wird seit dem darauffolgenden Krieg
(1992-94) mit etwa 30.000 Toten von Armenien kontrolliert.
Hunderttausende muslimische Aserbaidschaner (Aseris) wurden durch den
Krieg zu Flüchtlingen. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat
inzwischen aufgerüstet. Der Konfliktherd befindet sich im für die
lokalen Großmächte Russland, Türkei und Iran strategisch wichtigen
Südkaukasus. Die USA und die EU haben dort Energieinteressen. (APA)