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"Spiegel"-Bestsellerliste: Wirbel um neue Regeln

23. Jänner 2012, 15:11

Magazin will künftig nur noch Hardcover-Bücher in seine Bestseller-Liste aufnehmen - Deutsche Verlagslandschaft gespalten

München/Hamburg - Eine Ankündigung des Magazins "Spiegel", seine Bestsellerliste umzustellen, sorgt für Wirbel in der deutschen Verlagslandschaft. In der "Spiegel"-Bestsellerliste sollen von Juli an nur noch echte, gebundene Hardcover-Bücher eine Rolle spielen. Hochwertigere Paperbacks - wie beispielsweise die Adler-Olsen-Bücher des dtv oder auch Charlotte Roches "Schoßgebete" - würden dann künftig in der weniger beachteten Taschenbuch-Liste aufgeführt.

Der Chef des Deutschen Taschenbuchverlages (dtv), Wolfgang Balk, kritisierte die Pläne. "Die neuen Regeln bei der "Spiegel"-Bestsellerliste halte ich für rückwärts gewendet und dem gegenwärtigen Marktgeschehen inadäquat", sagte er der Nachrichtenagentur dpa in München. Auch der Sprecher des S. Fischer-Verlages in Frankfurt, Martin Spieles, sagte: "Wir sehen das kritisch."

Kompromissvorschlag

Die Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage hat inzwischen einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet. Sie spricht sich für drei Bestsellerlisten aus: Hardcover, Taschenbuch und die hochwertigen Paperbacks.

dtv-Chef Balk betonte: "Ob Original- oder deutsche Erstausgaben fest oder flexibel gebunden sind, spielt für die Leserinnen und Leser offensichtlich kaum eine Rolle, sondern sie freuen sich eher über die etwas günstigeren Preise bei den ansonsten gleichwertig ausgestatteten Paperbacks." Hardcover seien im Schnitt drei bis sieben Euro teurer.

Weil die "Spiegel"-Liste aber den Verkauf von Titeln steigere und vielen als Qualitätsmerkmal diene, werde der dtv auf die Ankündigung reagieren und zwei potenzielle Besteller-Titel als Hardcover veröffentlichen: Rita Falks "Hannes" und Jussi Adler-Olsens "Verachtung". "Um deren Marktpräsenz nicht zu gefährden", sagte Balk. "Das ist man als Verlag seinen Autoren gegenüber schuldig." Mit Adler-Olsens und Falks Erfolgskrimis steht der dtv auf der Liste immer wieder weit oben. Und damit ist er nicht allein. Auch Charlotte Roches bei Piper erschienener Verkaufskracher "Schoßgebete" ist ein Paperback.

Der "Spiegel" betonte, er komme dem Wunsch der Buchhandelsbranche nach. "Die Änderungen wurden vorgenommen, weil es entsprechende Wünsche aus der Branche gab", betonte der stellvertretende Chefredakteur Martin Doerry. "Handel und Verlage wollten eine auch für den Leser nachvollziehbare Trennung zwischen Hardcover- und Taschenbuchliste." Die Reaktionen seien weitgehend positiv.

"Guter Hebel, damit höhere Preise akzeptiert werden"

Das gilt zumindest für den Bastei Lübbe-Verlag, der in der Änderung eine Chance sieht, mehr gebundene Bücher zu verkaufen. "Man darf den Effekt dieser Liste zwar nicht überschätzen, aber viele Leser orientieren sich an ihr", sagte Geschäftsführer Klaus Kluge in Köln. "Die Pläne des "Spiegel" sind ein guter Hebel, damit höhere Preise akzeptiert werden." Bücher seien nach Ansicht von Kluge und auch anderer Verlagskollegen in Deutschland ohnehin viel zu billig. "Es ist inzwischen an der Zeit, höhere Preise durchzusetzen." Dies sei auch wichtig vor dem Hintergrund der jüngsten Umsatzrückgänge im Buchhandel. Außerdem sei dies im Interesse der Autoren, die bei Hardcovern mehr Geld bekämen.

Ein möglicher Kompromiss könnten nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage im Börsenverein des Deutschen Buchhandels drei Bestsellerlisten mit einer Aufteilung zwischen Hardcover, Paperback und dem klassischen Taschenbuch sein. Auf der Jahresversammlung der AG, auf der 80 bis 100 Verlage vertreten waren, hätten sich 80 Prozent für diese Lösung ausgesprochen, sagte das langjährige Vorstandsmitglied Rudolf Frankl, Vertriebschef des dtv. Schließlich handle es sich bei den Paperbacks im Gegensatz zu herkömmlichen Taschenbüchern oft um Orgininalausgaben und nicht um Zweitverwertung. "Das muss aber jetzt branchenintern auch mit dem Handel und dem "Spiegel" weiter diskutiert werden", sagte er. Auch im internationalen Vergleich sei die Beschränkung auf nur zwei Listen eher ungewöhnlich. (APA)

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10 Postings
armin delmenhorst
 
01
26.1.2012, 17:16
Finde ich positiv

ne Abgrenzung nach unten vorzunehmen. Drei Listen hingegen finde ich hingegen Quatsch. Entweder ist es ein Hardcover oder eben ein Paperback. Was soll das Gejammere um die sogenannten hochwertigen Paperbacks? Hindert ja den Verleger nicht, diese weiter zu produzieren. Für die Leser/innen, die an dieser Liste im Spiegel interessiert sind, ist es somit klar ersichtlich, dass es sich um Hardcoverausgaben od. eben Taschenbücher handelt. Das hat ja nichts mit dem Inhalt zu tun. Man sieht, den Verlegern geht es nur um Manipulation, indem sie sich mit ihren sogenannten hochwertigen Paperbacks in die Hardcoverliste hineinschwindeln wollen.

Ch. Roches Fotzengesänge werden halt dann die Liste der Taschenbücher anführen. Wo liegt das Problem?

Hugo Zender
00
26.1.2012, 00:07
Listen

Wieso gibt es überhaupt Listen? Wieso müssen wir das in Quantität messen? Kann es nicht ein Buch geben mit weniger Lesern, die es aber lieben? Ist doch besser als eien Buch, welches man "halt haben muss".

Zitronenbaum
01
24.1.2012, 09:58

Und ich dachte immer, es würde auf den Inhalt ankommen. Die Meinung der Leser ist offenbar nicht wichtig, deswegen versucht man uns ja möglichst teure Bücher zu verkaufen. Mir ist sehr egal ob ein Buch Hard- oder Softcover ist, solang die Schrift gut lesbar ist. Bei deutschen Verlagen kommts zum Glück selten vor, dass man schlecht lesbare, extrem kleine Texte hat. Englische Verlage machen das leider nach wie vor. /: (Bei Klassikern rühmt sich so mancher Verlag dann noch auf den letzten Seiten im Nachwort, dass sie die Originalschriftart benutzt haben, die bei der ersten Veröffentlichung benutzt wurde, statt den Text lesbarer zu drucken...)

rr772
10
24.1.2012, 10:07
Die Fliegen muss man damit pracken können!

Alles andere ist primär...

Easy Rawlins
00
24.1.2012, 09:56
Ach so,

weil die Umsätze zurückgehen, ist es also an der Zeit, höhere Preise durchzusetzen.

Verstehe, der Umsatzrückgang ist dem Handel offenbar nicht groß genug.

Geoffrey of Monmouth
00
24.1.2012, 09:49

Insbesondere der Fischer-Verlag sollte aufgrund der mangelhaften Qualität seiner Taschenbücher tunlichst zu diesem Thema schweigen. Nicht einmal bei Billig-Drucken und -Bindungen fallen die Taschenbücher so schnell auseinander, nur zahlt man für ein Fischer-Buch gleich mal 15 Euro.

major grubert
00
26.1.2012, 15:42
ist doch praktisch

*huestel*
dann kann man sie leichter einscannen und ... ups

Lilith Boessse
 
03
23.1.2012, 23:05
don't

judge a book by its cover!

Chien de Pique
00
23.1.2012, 16:03

An diesem Kompromissvorschlag hat man sicher lange arbeiten und feilen müssen.

Mock Turtle
00
23.1.2012, 20:13

Jep. Und irgendwann kommt dann noch eine E-Book-Bestsellerliste dazu und endlich können bis zu vier Autoren gleichzeitig das Ranking anführen...

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