Außenminister wegen Beleidigung von Demonstranten entlassen

23. Jänner 2012, 19:46

Maßnahme stellt weder Opposition noch Demonstranten zufrieden

Bukarest - In Rumänien ist der bisherige liberaldemokratische Außenminister Teodor Baconschi (PDL) am Montag abberufen worden. Baconschi hatte auf seinem Blog kränkende Aussagen über die Demonstranten veröffentlicht, die seit mittlerweile elf Tagen in der Hauptstadt Bukarest sowie in mehreren Großstädten gegen die Regierung unter Premier Emil Boc (PDL) und den Staatspräsidenten Traian Basescu protestieren. Diesen werfen sie vor allem den allzu harten Sparkurs vor.

Ein Nachfolger Baconschis steht offiziell noch nicht fest, allerdings nennen mehrere Quellen den Chef der Fortschrittspartei (UNPR), Cristian Diaconescu, als mögliche Nachbesetzung. Die UNPR hatte sich Anfang 2010 von der größten Oppositionspartei, den Sozialdemokraten (PSD), losgelöst. Sie ist nicht Teil des Regierungsbündnisses, stützt jedoch meist die Entscheidungen der Regierung. Diaconescu fungiert als UNPR-Ehrenpräsident und ist deren Gründer. Der gelernte Jurist war bereits zwischen 2008 und 2009 Außenminister, zudem kurzzeitig im Jahr 2004 Justizminister und ist derzeit Vizepräsident des Senats.

Baconschi hatte letzte Woche die Demonstranten als "plumpen, gewalttätigen Pöbel" bezeichnet. Bei einer Sondersitzung des Parlaments entschuldigte sich der Premier öffentlich für derartige "verbale Entgleisungen und Ungeschicklichkeiten". Baconschi der sich derzeit beim EU-Außenministerrat in Brüssel befindet, gab bekannt, dass er mittels einer telefonischen Kurznachricht über Bocs Entscheidung informiert wurde. Ihm sei bezüglich seiner inhaltlichen Beiträge im Rahmen der Regierungspolitik nichts vorgeworfen worden. "Ich glaube, dass ich meine Pflicht, Rumäniens Interessen im Ausland zu vertreten, erfüllt habe", fügte der Ex-Außenminister hinzu.

"Zu spät"

Seitens der Opposition, aber auch unter den Demonstranten wird die Maßnahme der Entlassung als nicht ausreichend gewertet. PSD-Chef Victor Ponta erklärte, dass die Geste "zu spät kommt und viel zu wenig bedeutet". Auf dem Universitätsplatz, auf dem sich am Montagabend erneut Demonstranten versammelt haben, hieß es, dass "ein Baconschi noch nicht den Sommer macht".

Indes verhärten sich die Gerüchte, dass die Opposition ab dem Beginn der neuen Sitzungsperiode einen geschlossenen Rücktritt aller oppositionellen Parlamentarier plane. Ludovic Orban von den Nationalliberalen (PNL) reichte jedoch ersten Medienberichten zufolge bereits am Montag seine Demission ein. PNL-Chef Antonescu erklärte, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei, bestätigte aber, dass die PNL innerhalb des Oppositionsbündnisses "Sozialliberale Union" (USL) ihren Partnern, der PSD und den Konservativen (PC), die Massenkündigung als Mittel zur Forcierung vorgezogener Wahlen vorgeschlagen hat. (APA)

callanish
00
23.1.2012, 15:09
Bauernopfer.

Boc wird so einen Konkurrenten für das Amt des Präsidenten/PM (aber nur vorerst) los und probiert Stimmung für sich zu machen.

Das wird Baconschi nicht aufhalten.

Wer will nochmal??
01
23.1.2012, 17:27
In Österreich gäbe es das nicht. Nichtmal als "Bauernopfer". Hierzulande alles Bauerntäter.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.