Adam Humphrey vermittelt China-Visa aus dem Van. Er nutzt die Marktlücke Behördendschungel für ein lukratives Geschäft
Pünktlich
zu Beginn des chinesischen Neujahrs am 23. Jänner startet in New York eine Idee
durch, die das Reisen ins Reich der Mitte erleichtert: ein mobiles
Visa-Service, das einem direkt vor dem Konsulat abnimmt, was man vergessen hat
zu erledigen. Hauptklientel der Marktlücke sind die zahlreichen Menschen, die täglich
aufgrund von Formfehlern abgewiesen werden oder das komplizierte Prozedere nicht durchschauen. Erfunden hat die "Visaberatung aus
dem Van" der Kanadier Adam Humphrey. Das Geschäft
erweist sich besonders jetzt, wenn viele Auslandschinesen ihre Verwandten besuchen, als lukrativ. Mittlerweile ist der 29-Jährige nicht mehr alleine, sondern hat
mehrere Angestellte, die für seine Firma Lucky
Dragon Mobile Visa Consultants arbeiten (hier geht es zur Homepage).
Auf die Idee kam Humphrey, weil er selbst im Behördendschungel
unterzugehen drohte. Er hatte ein falsches Formular ausgefüllt und musste, weil
das Konsulat weder berät noch Drucker zur Verfügung stellt, 15 Minuten zum
nächsten Schnellcafé marschieren. Als er dort mehrere druckende Betroffene traf, kam
ihm die Idee zur mobilen Visaberatung. Er mietete einen Kleintransporter und
packte Drucker und Laptop hinein. Als Stromquelle dient ihm der
Zigarettenanzünder.
Das Risiko hat sich ausgezahlt. Schon im ersten Monat kamen
500 Leute. Für ihn und seinen Geschäftspartner schauten knapp 10.000 Dollar (7700
Euro) dabei heraus. Bis zu 500 Dollar bringt das Geschäft pro Tag. Kreativ zeigt sich
Humphrey auch, wenn es darum geht, die Kunden von der Sicherheit ihrer privaten
Daten zu überzeugen. "Niemand gibt einem Fremden gern seine
Sozialversicherungsnummer - schon gar nicht im Heck eines gemieteten Vans",
wird Humphrey in der "Financial Times" zitiert. Seine Lösung: Statte das Personal mit Uniformen und Namensschildern aus und kommuniziere über eine
seriöse Website. Es helfe auch, dass einige Mitarbeiter Chinesisch sprechen.
Für die Zukunft hat Humphrey - der auch einen Blog betreibt - große Pläne. Wenn das "Jahr des
Drachen" einmal gebührend eingeleitet worden ist, beginnt im April die Canton Fair
China, die größte Import- und Exportmesse Chinas. Da will der Neounternehmer
schon mehr Mitarbeiter mit blauen Overalls und roten Zipfelmützen in seinen
Reihen haben. Zudem will er das mobile Service auch in anderen Städten
anbieten. Für die Zipfelmützen wird er im Frühling allerdings wohl Ersatz finden
müssen. (sos, derStandard.at, 23.1.2012)