"Zusätzliches Angebot"

Schmied will Sonderschulen erhalten

23. Jänner 2012, 14:59
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    foto: hans punz/dapd

    Vertreter von ÖVP und Grünen fordern die Abschaffung der Sonderschulen. Die Landesschulratspräsidenten treten für die Beibehaltung ein - und so auch Claudia Schmied.

  • Anfragebeantwortung

Sieht in parlamentarischer Anfragebeantwortung keinen Widerspruch zu integrativem Bildungssystem

Wien - Dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied die "wesentlichen Inhalte" der 2008 ratifizierten UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung "für erfüllt" ansieht, sorgte am Montag u.a. bei Lebenshilfe-Präsident Germain Weber für Unmut. Damit Kinder mit Behinderung nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden, fordern Lebenshilfe, aber auch andere Organisationen sowie ÖVP- und Grünen-Mandatare seit jeher die Abschaffung der Sonderschulen. Wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch die Grünen hervorgeht, sieht Schmied dafür jedoch keine Notwendigkeit.

"Zusätzliches Angebot"

Artikel 24 der UN-Konvention verpflichte Österreich, "ein integratives Bildungssystem einzurichten", so die Ministerin. Wie Staaten das organisieren und welche Schwerpunkte sie setzen, bleibe ihnen jedoch selbst überlassen - und da "Sonderschulen unerwähnt bleiben, kann dies nur bedeuten, dass neben einem voll ausgebauten inklusiven System derartige Schulen als zusätzliche Angebote bestehen dürfen". Sonderschulen stünden demnach der Integration von Menschen mit Behinderung ins allgemeine Bildungssystem insofern nicht im Weg, "wie ein Überwechseln ins inklusive System jederzeit ohne Probleme möglich ist".

"Auslaufmodell"

Für die Lebenshilfe ist die Sonderschule jedoch keineswegs mit der inklusiven Schule vereinbar. Der "separate Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen" widerspreche klar den Regeln der UN-Behindertenrechtskonvention und halte Behinderte nicht nur "auf einem lebenslangen Sonderweg am Rande der Gesellschaft, sondern ist auch kostspielig in der Erhaltung", meint Lebenshilfe-Präsident Weber. Eine Ansicht, die auch die "Initiative Inklusion Österreich" teilt, die sich am Montag in einem offenen Brief an Schmied wandte. Sie sieht das "Festhalten am Auslaufmodell Sonderschule" als entscheidendes Hindernis bei der Entwicklung hin zum inklusiven Schulsystem. Nur eine gemeinsame Schulform könne entsprechend ausgebildete Pädagogen sowie passende Hilfsmittel "kostensparend und effizient" einsetzen.

Laut Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich, haben Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Österreich "noch immer keinen Platz in einer gemeinsamen Schule". Dabei könne Inklusion allen nutzen, die "häufig befürchtete Nivellierung nach unten" finde nicht statt, wird Denk in einer Aussendung anlässlich seines heutigen Referats im Rahmen der Zero Conference der Essl-Stiftung zitiert. Die Inklusions-Quote von Kindern mit sonderpädagogischem Bedarf liege derzeit zwischen 82 Prozent in Steiermark und nur 32 Prozent in Niederösterreich.

Landesschulratspräsidenten für Sonderschulen

Die Länder sind es auch, die auf die Erhaltung der Sonderschulen Wert zu legen scheinen: Im November bestätigte etwa der Tiroler Landesschulratspräsident Hans Lintner eine entsprechende Vereinbarung mit dem Unterrichtsministerium, wonach "Integration und Inklusion so weit wie möglich ausgebaut werden soll, dass es aber unverzichtbar ist und bleibt, dass Sonderschulen weiterhin bestehen bleiben".

So kommt die Abschaffung der Sonderschulen weder im "Nationalen Aktionsplan" (NAP) des Sozialministeriums noch in Schmieds geplanten Schritten zur inklusiven Schule vor. Diese sehen u.a. die Integration in der neunten Schulstufe an Polytechnischen und einjährigen Haushaltungsschulen sowie vermehrte Schulversuche in der Sekundarstufe II und die weitere Entwicklung von "Kompetenzzentren an Sonderschulstandorten" vor. Weber geht das nicht weit genug: Er fordert in Schmieds Entwicklungsplan, der laut Lebenshilfe noch diese Woche weiter verhandelt wird, "eine klare Positionierung und ein eindeutiges Bekenntnis zur inklusiven Bildung, was im Endeffekt eine Distanzierung zur Sonderschule zur Folge haben muss". (APA)

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13 Postings
another_stranger_me
01
24.1.2012, 08:49

das ist seit langem das erste mal, dass ich von der frau schmied was vernünftiges hör

weil integration schön und gut, aber man kann einfach nicht jedes kind integriert unterrichten -wer das meint, war noch nie länger wie 2-3 stunden in einem HPZ

integration um jeden preis ist fahrlässig gegenüber dem kind (und in manchen fällen auch der restlichen klasse)

Sun Zi der II
03
24.1.2012, 08:07
Die Sonderschule...

...der Reibbaum der alternativen Pädagogen. Böse per Definition aber unersetzbar, eine wahre Lust-Angst-Kombination!

insigma
52
23.1.2012, 20:22
"ein Überwechseln ins inklusive System jederzeit ohne Probleme möglich"

wir wollten vergangene woche unser tochter mit aspeger-syndrom an einem gymnasium anmelden. wurde seitens der direktion abgelehnt, die lehrer seien schon mit dem umsetzen von reformen überlastet...

im mittelalter hat man verbrannt, vor ca 100 jahren vergast und heutzutage bleiben sie halt ausgeschlossen vom rest der gesellschaft. österreich 2012, ein feines land!

Pericolo Giallo
01
24.1.2012, 19:30
jetzt hab ich

seit mittag auf eine replik gewartet. mehr als dass das asperger-syndrom als leichte form des autismus bezeichnet wird, weiß ich darüber nicht (und bin wie wohl sehr viele von "rain man" aus den 80er-jahren beeinflusst), wage hier daher bestimmt nicht die abweisung durch die schule zu beurteilen.

diese jedoch mit der ermordung zahlloser behinderter im 3. reich zu vergleichen, finde ich puren schwachsinn und in höchstem maße verharmlosend (die verbrechen im 3. reich selbstverständlich) und saudämlich.

insigma
00
25.1.2012, 08:55
Informieren kann man sich zB

auf http://de.wikipedia.org/wiki/Aspe... er-Syndrom

Das ist allerdings den meisten Menschen zu anstrengend und machens wie Sie: man bemüht die Autistenschublade, die einseitig vorbelastet ist und damit hat der Mensch einen Stempel, landet in einer Schublade und aus.

Natürlich ist der Vergleich mit dem 3. Reich provokant. Immerhin hat er Sie zum Nachdenken gebracht ;-)

Für Asperger-Autisten, die in ihren Interessensgebieten Genies sind (wie zB Steven Spielberg, Albert Einstein o.ä.), gibt es im österreischischen Bildungssystem eben keine Schublade. Somit landen sie in der "Behindertenlade" und damit keine Zukunft in diesem Land, während Skandinavien, Deutschland und die Schweiz die Stärken dieser besonderen Menschen erkannt haben...

Pericolo Giallo
00
26.1.2012, 07:33
diesen

link habe ich zuvor gegoogelt. unabhängig von dessen inhalt bringt mich eine aussage wie die obige allerdings nicht dazu, "darüber nachzudenken", sondern den sender bestenfalls nicht ernst zu nehmen.

noch ein interessanter link für sie: http://www.heise.de/tp/artike... 997/1.html

als nichtpsychologe darf ich mich eigentlich in die diskussion nicht einmischen - ich werde aber das gefühl nicht los, dass das gesamte phänomen stark aufgebauscht wird. motto: wer suchet, der findet; viel spekulation, wenige harte fakten; viele symptome, in fast beliebiger kombination; eine wahre explosion an diagnosen im letzten jahrzehnt...

ein naturwissenschafter würde das phänomen vermutlich ähnlich einstufen wie michael drosnins bibelcode.

insigma
00
26.1.2012, 16:11
Tja, dann werden wir uns

unsere Tochter nur eingebildet haben. Haetten wir nur sofort Sie gefragt, wir haetten uns so viel sparen koennen.

Danke fuer den weisen Input, den wir natuerlich sofort und nur ernst nehmen.

Eric der coole
03
23.1.2012, 19:48
warum

lässt man die kinder bzw. deren eltern nicht die entscheidung ob inklusion oder sonderschule? das integrationsgesetz hat längts das recht darauf festgeschrieben, trotzdem geben viele eltern die kinder an sonderschulen, wel dort sehr gut gearbeitet wird. das einzige problem ist ja dass alle behindertensysteme derzeit insgesamt ausgehungert werden - da protestiert keiner , auch nicht der lebenshilfe präsident...

CS_0807
00

Es ist sehr schwierig, ein Kind, das bereits mit 6 Jahren außerhalb der Norm steht, zu beschulen - das Angebot ist sehr schlecht.

Es gibt keine integrativen Vorschulklassen, und ob eine I-Klasse an einer Volksschule zustandekommt, hängt in der Theorie von der Anzahl der I-Anmeldungen ab. In der Praxis sind es immer dieselben Schulen, an denen I-Klassen entstehen - nämlich jene, die bereits behindertengerecht umgebaut sind.

Man kann also gerne das I-Kind an einer beliebigen Schule anmelden, bekommt dann halt die Mitteilung "es gab keine anderen Anmeldungen". Wer kann´s überprüfen?!

Natürlich resignieren dann viele Eltern und gehen in Richtung SPZ. Das Kind ist halt dann bereits mit 6 Jahren ausgesondert - bravo, Österreich.

LL MM
39
23.1.2012, 17:45

Und warum soll man beim Besuch einer Sonderschule vom "allgemeinen Bildungssystem" ausgeschlossen werden?

Was glauben die eigentlich, was in einer Sonderschule gemacht wird?

Diese Inklusions-Spinner tragen ihre ideologischen Spielchen auf dem Rücken ALLER Beteiligten aus.

Logischerweise müsste sich dann die Lebenshilfe auch selbst abschaffen, denn die ist das Gegenteil von Integration und Inklusion.

Eric der coole
13
23.1.2012, 19:45
danke!

weil noch nie jemand von diesen tollen "expertinnen" sich die mühe machte, einmal unsere arbeit in den sonderschulen zu beobachten, wird munter losgedroschen. die schwindligste Rolle psilet dieser Lebenshilfe Präsident - die Lebenshilfe hat nicht einmal ein integratives Modell, sondern segrergiert am allerärgste. der müsste sich dochsselbst abschaffen! der wirkliche skandal ist, dass alle behindertensystem sowohl integration als auch sonderschule ressorcenmäßig ausgehungert werden!!! dazu fällt ihnen allen nichts ein, wenn kinder überhaupt keine förderung mehr bekommen

hansi feinbein
25
23.1.2012, 17:12
die frau ist schon ziemlich peinlich...

in ihren werbevideos zur neuen mittelschule nennt sie das vorbild südtirol... dort gibt es seit 30 jahren keine sonderschulen mehr... und nun lässt sie ein jahr experten beraten, um dann zu sagen, dass eh alles gemacht sei.... die ist schon fast so daneben, wie die meisten der landesschulratspräsidenten.

sonicht!
15
23.1.2012, 16:23
die banken regieren uns

was qualifiziert die schmied eigentlich ?

warum bilden sich solche leute ein überall kompetent zu sein?
zu allem fähig aber zu nichts zu gebrauchen.

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