Freiheitliche gaben Ausstieg bekannt - Volksbefragung zu Bauprojekt am 12. Februar
Gföhl - Die Diskussion um den geplanten Bau eines buddhistischen Stupas in Gföhl (Bezirk Krems in Niederösterreich) hat zum Ende der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ geführt. Die Freiheitlichen gaben ihren Ausstieg bekannt. Die Gemeinde und das Waldviertel bräuchten einen "Stupa so notwendig wie Rom einen Kebabstand auf dem Petersplatz", wurde Gottfried Waldhäusl, FPÖ-Klubobmann im niederösterreichischen Landtag, in einer Aussendung zitiert.
Volksbefragung zu Stupa
Zu dem Projekt findet am 12. Februar eine Volksbefragung statt. Die Gföhler Bevölkerung soll dabei entscheiden, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll. Daran übten die Freiheitlichen am Montag ebenfalls Kritik. Es könne nicht sein, dass die Volksbefragung nur ab einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent für den Gemeinderat bindend werde. Das Ergebnis müsse entscheidend sein, nicht die Zahl der abgegebenen Stimmen, so Stadtrat Siegfried König (FPÖ).
Weltfriedensdenkmal
In Gföhl soll mit dem Sakralbau laut Homepage der Stadtgemeinde das größte Weltfriedensdenkmal Europas entstehen. Geplant ist ein 30 Meter hoher Stupa mit einem Durchmesser von 25 Metern und ein rund 600 Quadratmeter großes Gebäude mit Gemeinschaftsräumen, Wohnstudios für die Ordensmönche und -nonnen sowie Meditationsräumen. Eine Wiener Stiftung will das Vorhaben realisieren. Der Gföhler Bürgermeister Karl Simlinger (ÖVP) tritt für das Projekt ein.
"Unsachliche Diffamierung"
Das Projekt sorgt jedenfalls seit Wochen für Diskussionsstoff. Einerseits haben namhafte kirchliche Persönlichkeiten eine "sachliche und respektvolle Diskussion" gefordert. Es könne nicht angehen, "eine Ablehnung mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus zu verbinden", hieß es in einer öffentlichen Erklärung Mitte Dezember, unterzeichnet u. a. vom Altenburger Abt Christian Haidinger, "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer und dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Martin Jäggle.
Bedenken von Küng
Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng äußerte hingegen Vorbehalte. "Bei aller interreligiösen Toleranz bin ich doch ein wenig verwundert über dieses Bauprojekt", wurde er vor mehr als einem Monat in der Tageszeitung "Kurier" zitiert. Küng stellte auch die Frage, warum der größte Stupa Europas ausgerechnet mitten im Waldviertel errichtet werden soll. Ihm sei nicht bekannt, dass es hier "eine so große Zahl von Buddhisten gibt".
"Gerade in sehr schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wir sie im Moment durchleben, ist ein wertschätzendes und friedvolles Miteinander ein wichtiger Baustein für eine bessere Zukunft", hielt hingegen Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, fest. Dieser Gedanke stehe hinter der Errichtung des Stupas. (APA)