Neue Bildungsplattform

Die Weltmeister im Sandkasten

23. Jänner 2012, 18:23
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    foto: standard/corn

    Bildung beginnt nicht erst in der Schule: Die Basis für gelingende Lernprozesse wird im Kleinkindalter gelegt.

Die Plattform "Zukunft.Bildung" will als überparteiliche Allianz das Bildungssystem in Etappen neu denken und reformieren - Am Beginn steht das "Fundament" im Kleinkindalter: die Elementarpädagogik

Wien - Das Bildungsvolksbegehren ist geschlagen, die nächste Bildungsinitiative bringt sich in Stellung: die Weltmeistermacher.

Die überparteiliche Bildungsplattform "Zukunft.Bildung" hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als Österreich zum "Bildungsweltmeister" zu machen - wenigstens mittel- oder langfristig, erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, am Montag.

Überparteilich spannt einen Bogen von der IV über Greenpeace, Caritas und Diakonie hin zu Elternvereinen an mittleren und höheren sowie Pflichtschulen und im Bildungssystem arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen.

"Wir ergreifen Partei für die Bildung, aber parteiunabhängig", betonte Neumayer, für den Generationengerechtigkeit im Bildungssystem beginnt. Und da schon ganz früh. "Spätestens nach der Geburt", sagte Raphaela Keller vom Dachverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen.

Keine "Sackgassenthemen"

Und es beginnt früher als in der "Mittel- und Oberstufe", auf die sich die politische Debatte derzeit zu sehr konzentriere, was aber vor allem "ideale Sackgassenthemen" seien, findet der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau.

Also lautet das Motto der neuen Initiative: "Start mit dem Fundament." Die künftigen Weltmeister müssen quasi im Sandkasten abgeholt werden. Darum wollen die Initiatoren im kommenden Jahr den ersten Schwerpunkt auf die Elementarbildung legen, kündigte der Obmann der Allianz, AHS-Lehrer Daniel Landau, an, "weil Interventionen in diesem Bereich die weitaus besten Erfolgsaussichten für Kinder haben."

Eine "Bildungskonferenz" im Herbst soll "Bewusstsein schaffen und Druck erzeugen", sagte Raphaela Keller. Eine alte Forderung der Elementarpädagoginnen wird ganz oben auf der Agenda stehen: Wir wollen alle zum Bund!

Einheitliche Bundeskompetenz für alle Kindergärten und Horte, nicht wie jetzt neun verschiedene "Kinder-Länder" mit "20 verschiedenen Gehaltskonzepten" für die dort tätigen Pädagoginnen. Keller: "Daher sind die Bildungsbedingungen für Kinder nicht fair."

Die Caritas plädiert dafür, die Kindergärten in "Early Excellence Centers" umzugestalten, wo Eltern mit ihren Kindern den Weg in Richtung Bildungsweltmeisterschaft antreten sollen. Auch, weil sich in dieser Gruppe die demografische Entwicklung manifestiert. Wenn schon weniger Kinder, dann wenigstens ein Bildungssystem, das "die Qualitäten und Talente aller jungen Menschen erkennt, fördert und fordert", sagte IV-Generalsekretär Neumayer.

Parteipolitik war übrigens doch präsent bei der Präsentation - im Publikum, in Person von Harald Walser, dem Bildungssprecher der Grünen. Der begrüßt zwar das "breite gesellschaftliche Bündnis", fordert er aber auch just das, was die Proponenten auf dem Podium als "strukturelles Thema" ans Ende der angefangenen Bildungsdebatte verlagern wollen: Ein Bekenntnis zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Das gibt es von den Weltmeistermachern jetzt noch nicht.

Wer in die Gesamtschule soll, muss zuerst den Kindergarten hinter sich bringen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2012)

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15 Postings
Nelly9
00
28.1.2012, 12:38

Endlich mal ein vernünftiger Ansatz, der Sinn macht.

brezn suppn
00
24.1.2012, 12:15
und was sagen. . .

..LehrerInnen dazu? Der Landau ist ja eigentlich keiner der das pädagogische Handwerk gelernt hätte.

Raphaela
10
27.1.2012, 09:34
doch

interessiert ist und sich weiterentwickelt und somit für Veränderungen bereit ist... Zum UNterschied von prinzipiellen Nein-Sagenden und Blockierenden.

Spaceman Spiff
21
24.1.2012, 10:19

Wenn sich Kapitalisten, Religioese und Esoteriker zusammentun um Bildung zu machen, kommt mir das Gruseln.

john lebovski
22
23.1.2012, 20:03
"early excellence centers"

immer wenn man glaubt, schlimma geht's nimma, ...

Spucks
00
24.1.2012, 10:08

Hört sich irgendwie nach Eliteschmiede nach britischem oder US-amerikanischem Vorbild an, wo es nicht um Menschen, Interessen, Sozialverhalten und Individualität geht, sondern um Leistung.

Raphaela
00
27.1.2012, 09:30
ganz im Gegenteil!!!

Spucks
00
29.1.2012, 17:05

ICH denke an genau sowas, wenn ich "early excellence center" höre.

V995
01
23.1.2012, 19:37
wenn die IV dabei ist weiß man wos hingehen soll

es werden kinder "gezüchtet" für industrie und wirtschaft da ist individuelles talent nur hinderlich

Raphaela
00
27.1.2012, 09:30
ganz im Gegenteil!

hard candy
01
24.1.2012, 11:51
sehe ich nicht so

Man kann der IV berechtigt vorwerfen, dass sie die Position vertritt, dass Kinder früh in Fremdbetreuung kommen. Damit Mami arbeiten kann. Wer der Meinung ist, dass das nicht sein soll, kann die Haltung kritisieren.
Aber der Vorwurf, da ginge es darum, willige Befehlsempfänger zu züchten, ist m.E. nicht richtig. Die Industrie hat längst erkannt, dass der Standort nur mit eigenständig denkenden und unangepassteren jungen Menschen, als wir es heute haben, zu halten ist (klar haben sie an den Standort im Kopf und nicht nur humanistische Ziele, ist ja ihr Vereinszweck). Aber der Weg ist so daneben nicht.
Nur: "early excellence centers" als Vorschlag der Caritas? Was wird in der Albrechtskreithgasse neuerdings geraucht?

Fritz Meyer
01
24.1.2012, 08:19
Stimme Ihnen zu!

Die wollen ganz gewiss keine eigenständigen Charaktere heranziehen, sondern nur willige Drohnen.

Raphaela
00
27.1.2012, 09:32
Drohnen

sind eher das Stimmvolk, dass Angst vor Verantwortungsübernahme und Individualität hat - sowie sich scheut aktiv gemeinschaftsfördernd auch neue Wege miteinander zu probieren...

thatslife
11
23.1.2012, 19:20
ist das die alfred-gusenbauer-sandkiste?

abertausende neue kinder die kanzler werden wollen :-), ich glaub wir müssen unseren wahlzyklus verkürzen dass sich das ausgeht...

Berufsgruppe ElementarpädagogInnen
13
23.1.2012, 17:00
UND WANN

verstehen das endlich auch die Entscheidungtragenden???? Ist doch logisch, dass es ohne eine starke Basis keinen Aufbau geben kann. Folgekosten vermeiden ist wohl zu unpopulär - weil der Nutzen erst nach Legislaturperioden bewiesen wird...

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