Obsorge und Besuchsrecht

Familiengerichtshilfe soll Entscheidungen rascher und besser machen

23. Jänner 2012, 13:45

Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen sollen Richter unterstützen - Justizministerin hofft auf Kosteneinsparungen und mehr Qualität

Wien - "Raschere, nachhaltigere und für alle Beteiligten befriedigendere" Entscheidungen in Obsorge- und Besuchsrechtssachen soll die neue Familiengerichtshilfe bringen, die Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) am Montag präsentierte. Den Familienrichtern werden Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen zur Seite gestellt, die sie beraten und auf einvernehmliche Lösungen hinarbeiten. Vorerst läuft die Familiengerichtshilfe als Pilotprojekt an vier Standorten.

Bei den Bezirksgerichten Wien Innere Stadt, Amstetten, Leoben und Innsbruck wurde der Modellversuch mit Jahresbeginn gestartet. In zwei Jahren wird beurteilt, ob er sich bewährt - wobei Karl sicher ist, dass die Evaluierung positiv ausfällt und die Familiengerichtshilfe dann österreichweit angeboten wird.

Raschere Entscheidungen "wichtig"

Derzeit dauern Obsorge- und Besuchsrechtssachen oft sehr lange - nicht nur, weil es um "zwischenmenschliche Beziehungen und tiefgreifende Emotionen" geht, sondern weil oft Sachverständigen-Gutachten nötig sind. Dabei wären gerade hier, so Karl, rasche Entscheidungen wichtig, gehe es doch um so wichtige Fragen wie "wer die Obsorge bekommt oder wo ein Kind leben wird".

Familienrichter entlasten

Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen werden über die Justizbetreuungsagentur vertraglich verpflichtet, bekommen Räume und Infrastruktur in den Gerichten - und stehen den Richtern beratend zur Seite. Sie sollen die Beweisaufnahme unterstützen (z.B. auch mit unangemeldeten Hausbesuchen), in "raschem Clearing" gleich zu Beginn die Möglichkeit der gütlichen Einigung ausloten - und gutachtensähnliche Stellungnahmen abgeben können, die teilweise die Sachverständigen-Gutachten ersetzen. Die überbelasteten Familienrichter werden entlastet und können sich stärker auf die rechtlichen Aspekte konzentrieren, beschrieb Karl das Projekt.

Raschere Lösungen mit - wie sie hoffe - mehr gütlichen Einigungen bringen nicht nur Kosteneinsparungen, sondern dienen auch dem "Wohl der Kinder", betonte Karl. Außerdem könnte das beitragen, das Vertrauen in die Justiz zu stärken.

Neue Obsorgeregelung bis zum Herbst

Der im Juli 2010 im Regelbetrieb eingeführte "Kinderbeistand" - zur Begleitung von Kindern in eskalierenden Sorgerechtsverfahren - bleibt bestehen. "Keineswegs vom Tisch" ist, so Karl, außerdem die Absicht der Regierung, eine neue Obsorgeregelung zu finden. Die Ministerin zeigte sich "zuversichtlich", dass man - wie im Arbeitskalender der Semmering-Regierungsklausur vorgesehen - bis zum Herbst eine "gute Lösung" findet.

Verhandelt wird derzeit im Justizbereich auch über ein österreichweites Gesamtkonzept zur Zusammenlegung kleiner Bezirksgerichte. Dieses wird, bestätigte Karl, Teil des Sparpakets. Da zu diesem aber Vertraulichkeit vereinbart sei, könne sie noch keine Details verraten. (APA)

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12 Postings
leaksmouse
 
00
31.1.2012, 08:57
Familiengerichtshilfe - Diplomsozialarbeiter

Welche Experten ?

Diplomsozialarbeiter von Jugendamt sind keine Experten, da sie keine Mediationsausbildung haben !!

Experten weder im Recht noch in Konfliktlösung.

Experten in Familienrecht sind Rechtspfleger, die kann man Mediatorenausbildung zu einer sinnvollen Familiengerichtshilfe machen !
Oder Mediatoren sind Experten in Konfliktlösung.

Alles Andere ist eine HUSCH PFUSCH AKTION liebe ÖVP Fr. Mag. Dr. Beatrix Karl !

leaks for family law austria

DasFragezeichen
00
27.1.2012, 09:17
Familiengerichtshilfe

Ich finde es schon krankhaft, dass man alles in diesem Land gerichtlich zu regeln versucht. Wäre es nicht angebracht wenn es nach einer Scheidung eine gut durchdachte Regelung der Obsorge, Besuchsregelung geben würde. Eine Entscheidung hat immer dem Beigeschmack, dass es mir aufgezwungen wurde. Eine gut durchdachte Regelung können nur beide Elterteile finden, und das mit Unterstützung durch Konfliktlösung, Regelung, durch Mediation und wenn nötig Einbeziehung von Psychologen, Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Sozialämter und Jugendwohlfahrt usw. Es gibt genug Instrumente zu Regelung der Obsorge, als brauchen wir kein neues schaffen …

DasFragezeichen
00
27.1.2012, 09:03
Wieso Familiengerichtshilfe!

Ich finde es schon krankhaft, dass man alles in diesem Land gerichtlich zu regeln versucht. Wäre es nicht angebracht wenn es nach einer Scheidung eine gut durchdachte Regelung der Obsorge, Besuchsregelung geben würde. Eine Entscheidung hat immer dem Beigeschmack, dass es mir aufgezwungen wurde. Eine gut durchdachte Regelung können nur beide Elterteile finden, und das mit Unterstützung durch Konfliktlösung, Regelung, durch Mediation und wenn nötig Einbeziehung von Psychologen, Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Sozialämter und Jugendwohlfahrt usw. Es gibt genug Instrumente zu Regelung der Obsorge, als brauchen wir kein neues schaffen …

VoK
00
26.1.2012, 13:09

Es wird das gleiche Verantwortung-Abschieben der Richter wie dzt. (nichts anderes ist in Wahrheit das Bestellen eines GA - in 99% der Fälle entscheiden die Richter nämlich exakt gem. dem GA) - nur dass dann
die gleichen juristisch recht unbeleckten und oft auch ideologisch fehlgeleiteten DSAs (die dzt. schon an den JA herumfuhrwerken) das erledigen .

Und wenn die Sache deswegen aus dem Ruder läuft wird erst wieder ein echter GA beschäftigt - nur sind dann bereits Monate verloren.

samba cat
00
24.1.2012, 18:12
"unangemeldeten Hausbesuchen"

ehm, geht's noch? ich lass doch nicht jeden in mein haus, und wenn ich ihm das mitteil, bin ich vielleicht auch noch unkooperativ und hab gleich einen schlechten stand im verfahren, weil ich auf meinem hausrecht bestehe?
aber ich weiss eh, wer nix zu verbergen hat, und sei es auch nur ein berg dreckiger waesche, der keinen besucher was angeht, braucht heut ja nix zu befuerchten.

byron sully
00
24.1.2012, 13:23

überraschen tut mich, daß man erst jetzt auf diese idee kommt. aber besser spät als nie.

VoK
00
25.1.2012, 07:45

Wenn man übrigens die bereits gültigen Gesetze ernsthaft vollziehen (ausschöpfen) würde, wäre schon ein Riesenschritt zum "familienrechtlichen Paradies" getan. Aber dazu müssten die Familienrichter und die übergeordneten Instanzen cojones haben...

VoK
01
24.1.2012, 12:04

Es gibt keinerlei gesetzliche Basis für unangemeldete Hausbesuche ohne richterlichen Beschluß (das darf nicht einmal die Exekutive!) - die haben nämlich rein gar nichts mit "Gefahr im Verzug" zu tun. Dieser Eingriff in die Grundrechte hält niemals einer entsprechenden Beschwerde beim VfGH stand.

Sinnvoller wäre es wenn die Frau Minister schnellstens die Novellierung des Familienrechts durchbringen würde.

Sukram's Panopticum
 
00
23.1.2012, 18:15

Weiß wer, ob auch Sozialpädagogen gesucht werden?

VoK
00
24.1.2012, 11:44

Das ist ja das Problem: Dzt. haben Richter fähige Gutachter beschäftigt - bei der "Familiengerichtshilfe" sind es nur DSAs...

Polka
00
23.1.2012, 20:48
Im Moment ist nur mehr in Amstetten eine Stelle frei.

Die anderen Stellen wurden bereits im November vergben.
Hier der Link:
www.jba.gv.at
unter "Bewerbungen" finden Sie das Anforderungsprofil.

Sukram's Panopticum
 
00
24.1.2012, 09:37

Danke!

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