Ab 2020

OMV will Mega-Gasvorrat im Weinviertel fördern

23. Jänner 2012, 13:38

Menge könnte ganz Österreich 30 Jahre lang versorgen

Poysdorf - Der Öl- und Gaskonzern OMV will ab dem Jahr 2020 den riesigen Schiefergas-Vorrat im nördlichen Weinviertel in Niederösterreich ausbeuten, der Österreich zur Gänze 30 Jahr lang versorgen könnte - aber nur falls das Vorhaben technisch und wirtschaftlich machbar sowie ökologisch vertretbar ist. Klarheit schaffen sollen Probebohrungen ab Sommer 2013 bei Herrnbaumgarten und Poysdorf bis in 6.000 Meter Tiefe. Anders als bei bisherigen Shale-Gas-Förderungen im Ausland will man ohne schädliche Chemie auskommen, bekräftigten Vertreter der OMV sowie ein Experte der Montan-Universität Leoben vor Journalisten in Poysdorf (NÖ).

Bis Anfang 2015 soll die technische Machbarkeit feststehen, dann will man bis 2018/19 die Wirtschaftlichkeit prüfen. 2019/20 könne man dann sagen, ob eine Förderung darstellbar sei, wobei "über allem die Ökologie" stehe, sagte Christopher Veit, Geschäftsführer der OMV Austria, die in der Region seit Jahrzehnten vor allem Öl gewinnt. Von den 130 Mio. Euro Investment entfällt die Hälfte auf Bohrkosten, 10 bis 15 Mio. Euro sind für das "Aufbrechen" des Schiefergesteins mit Wasser ("Fracking") nötig, damit das Erdgas auch herausfließen kann, der Rest entfällt auf Wasser- und Gasleitungen sowie Overheads, so OMV-Deep-Gas-Abteilungsleiter Hermann Spörker. Wirtschaftliche "Schmerzgrenze" sei der Gas-Marktpreis in 10 bis 15 Jahren.

Beim Aufbrechen des Gesteins, um es porös zu machen, werde man gänzlich ohne Chemie und auch ohne Biozide auskommen, sagten OMV-Vertreter Spörker und Herbert Hofstätter von der Montan-Uni, an dessen Institut das umweltschonende Verfahren maßgeblich entwickelt wurde - dort liegt auch das Patent, die OMV kann es via Lizenz nutzen. "Wir setzen nur Wasser, Sand und Maisstärke ein", betonte Spörker. Sand und Stärke dienen als Stützmittel zur Stabilisierung der aufgebrochenen gasführenden Schichten, damit sich Poren und Risse nicht wieder schließen.

Das Grundwasser sei nicht in Gefahr, diese Schichten lägen viel höher und würden während der Gasgewinnung ausreichend durch ein mehrschichtiges Containment geschützt, heißt es. Sollte wider Erwarten doch einmal eine Abdichtung aufplatzen, könne die Förderung jederzeit sofort unterbrochen werden. Das zum "Aufbrechen" des Gesteins (Fracking) eingebrachte Wasser werde mit UV-Licht keimfrei gemacht; das soll ein Verstopfen der Bohranlage durch Bakterien verhindern. Rückgeholtes Wasser und gefördertes Gas würden über Pipelines in geschlossenen Kreisläufen transportiert, das Nutzwasser aufbereitet. Man werde das Wasser nicht mit Lkws hin und her fahren.

Probebohrungen ab 2013

Auf Frischwasser ist man nur bei den ersten beiden Probebohrungen angewiesen, ab der dritten Bohrung soll bereits recyclierte Flüssigkeit reichen. Für die beiden Test-Bohrungen, die ab Sommer 2013 bis zu eineinhalb Jahre laufen könnten, werde man insgesamt 20.000 bis 25.000 m2 Wasser benötigen, sagte Spörker, etwa 30 bis 50 Prozent davon bekomme man während der Förderung wieder zurück. Gewonnenes Gas werde via Pipeline in die Auersthal-Anlagen gebracht.

Mit den Schiefergas-Vorräten im nördlichen Weinviertel könne die OMV schätzungsweise 30 Jahre lang den gesamten heimischen Verbrauch von derzeit 10 bis 11 Mrd. m3 bestreiten und Österreich für eine so lange Zeit unabhängig von ausländischem Erdgas machen, sagte OMV-Austria-Geschäftsführer Veit. Allerdings bewerte die OMV die Wahrscheinlichkeit, dass das Gas bei Herrnbaumgarten und Poysdorf auch tatsächlich gefördert werden kann, mit lediglich 20 Prozent.

Die Gegend um Poysdorf/Herrnbaumgarten im nördlichen Weinviertel ist geologisch gesehen besonders erfolgversprechend was Erdgas betrifft, sagte Spörker. Weiter westlich seien Druck und Temperatur erdgeschichtlich nicht hoch genug gewesen, um aus organischem Material Gas entstehen zu lassen, weiter östlich Richtung Slowakei und Tschechien lägen die gasführenden Schichten in zu großer Tiefe (8.000 bis 9.000 Meter), um an eine Förderung zu denken.

Umweltverträglichkeitsstudie

Die beiden Bohrplätze seien jeweils zirka 3 Hektar, also 30.000 m2, groß - etwas größer als bei normalen Bohrungen, die selten so tief gehen. An die zwei Hektar würden für die Bohranlagen, ein Hektar für die Wassertanks benötigt, erläuterte Spörker. Auch bei nachfolgenden Bohrungen werde man auf einen möglichst geringen Flächenbedarf achten, man plane lediglich einen Sondenplatz (mit bis zu 25 Bohrungen) pro 25 km2, also einen Abstand von 5 km. Die Kritik vor allem an den US-Förderpraktiken sehe man sich genau an, man plane aber "einen eigenen österreichischen Weg", wie dies auch schon OMV-Chef Gerhard Roiss erklärt hatte. Technisch gesehen wolle man das selbe tun, was die Branche seit 40 Jahren mache, "nur lassen wir die Chemikalien weg", betont Spörker. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist keine nötig, man plane aber eine unabhängige Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie, so Veit. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 107
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random25
00
24.1.2012, 14:27

"Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei keine nötig.."

Wieso nicht? Sollte doch positiv ausfallen, bei "ÖKO"-Fracking! Oder?

hismaster
00
24.1.2012, 14:27

Auch wenn keine Chemikalien verwendet werden kommen in diesen Gesteinsschichten genügen toxische und Giftige Metalle und Salze vor (z.b. Blei) welche freigespült werden.

Mary Nosch
31
24.1.2012, 11:08
www.weinviertelstattgasviertel.at

statt OMV (Ohne Minimalste Verantwortung)

formosae
01
24.1.2012, 11:36

Ein schöner Link, danke dafür. Fehlen aber halt auch dort die tatsächlichen Argumente.
Vor allem eine klare Darstellung der "Für und Wider" anstatt populistisch lediglich Stimmung dagegen zu machen.

WissenmachtAHHH
00
24.1.2012, 09:18
eh super

wenn die nur 20 bis 25.000 m² Wasser brauchen und nicht m³ ist das eh nicht so viel Umweltverschmutzung!

Challange122
00
24.1.2012, 09:12

wenn die Maisstärke so umweltfreundlich ist, was hat die OMV, was Exxon und die Amis angeblich nicht haben?

random25
00
24.1.2012, 15:45

viel Mais

CTRL+ALT+DEL
32
24.1.2012, 08:39

Ein paar Stromausfälle hier, eine größere Gaskrise dort. Und schon werden die ärgsten Gegner wieder zu Befürwortern.

Die Leute werden schon noch lernen, dass Ressourcen knapp sind.

Dilbert
00
24.1.2012, 09:45

Früher oder später wird dieses Gas gefördert werden.

Kringskrongs
10
24.1.2012, 13:36

Wenn alle Versprechen der OMV nicht gebrochen werden passts eh

Befreier von Butter und Eier
14
24.1.2012, 08:30

So viel wie die OMV Werbung im Fernsehen schaltet, will sie uns nur darauf vorbereiten dass auf alle Fälle abgebaut wird. Umweltfreundlich oder nicht.
Wenn alles so umwelftreundlich funktioniert warum machen dann andere Staaten nicht das Selbe.

Uniquin
 
21
24.1.2012, 08:53

andere staaten machen nicht das selbe weil die variante der omv technisch riskanter ist was den bohrerfolg betrifft. um bakterienwachstum zu vermeiden sind pestizide eine einfach, billige und wirkungsvolle methode. die omv traut sich nicht was jede hausfrau im haushalt selbstverständlich macht, und nimmt ob ihrer -begründeten -feigheit mehrkosten und risiko in kauf.

Mary Nosch
21
24.1.2012, 09:33
Klarheit hilft!

z.B., dass Uniquin offensichtlich ein Nahverhältnis zur OMV hat. Aus eigenem Antieb oder dazu von der Konzernkommunikation animiert?

Uniquin
 
00
24.1.2012, 16:10

man kann auch wissen haben ohne teil des konzerns zu sein (zweiteres trifft auf mich zu). es gibt ja auch menschen die bei politik mitreden ohne mit von der partie zu sein.

formosae
10
24.1.2012, 10:38

Ich frage mich schon, warum immer gleich jedem der sachlich richtig und wahrscheinlich auch mit fachlichem Hintergrundwissen argumentiert von denen OHNE solche Argumente gleich als bezahlte Poster hingestellt werden.

Andrea Puritsch
00
24.1.2012, 10:49
auch hier ist`s nicht so schwer zu erraten

Aber noch eine Frage, wenn das Fracking so ungefährlich ist, weshalb ist es in Bulgarien seit 1 Woche, in Nordrhein-Westfalen in Deutschland und in Teilen der Schweiz bereits veboten?
Verlauf in Deutschland siehe hier:
http://www.muensterschezeitung.de/gasbohrun... n+in+nrw./

Ein paar Gründe siehe volgender Beitrag des ZDF:
http://www.youtube.com/watch?v=m... ted&mid=57

T G
00
25.1.2012, 13:31
ganz einfach

1) Konzern X plant im Land Y die Aktion Z
2) Bürgerinitiativen schreien laut auf "weil im Internetz steht, daß in ABC..."
3) Politik knickt ein, ohne daß technische Fragen je erörtert wurden

nächstes Land: siehe Punkt 1

Fazit: daß irgendwo wer was verboten hat, sagt garnix

Mary Nosch
00
24.1.2012, 11:14
und auch in GANZ Frankreich!

Oui, verboten!
Das wird wohl seinen Grund haben, oder was denken "fromosae", "Uniquin" und Freunde über das total profitgeile Schiefergas?

formosae
00
24.1.2012, 11:22

Das "profitgeile Schiefergas": Also ich denke dem Gas ist es ziemlich egal, nachdem es ja wohl keinen Cent selbst sehen wird.

Was ich denke habe ich ja wohl schon in einigen Posts dargelegt. Warum allerdings Sie nur DAGEGEN rufen ohne sachliche und technisch fundierte Argumente (und ein link auf "Gasland" bei youtube ist beides nicht) würde mich interessieren.

formosae
00
24.1.2012, 11:11

Aus den bereits angeführten Gründen: Mangelndes Wissen ud Verständnis in der Bevölkerung führt dazu, dass leicht Stimmung dagegen zu machen ist. Politiker wollen wieder gewählt werden und somit gibts dann da entsprechende Regelungen.
Eine Folge von - leider erfolgreicher - Panikmache.

Andrea Puritsch
00
24.1.2012, 12:29
hier geht es um unsere Heimat, unser Leben

letztes Kommentar von meiner Seite:
Vielleicht argumentiert es sich mit ein paar Mikrogramm Benzol im Blut auch etwas anders...

ich nicht
11
24.1.2012, 07:34
das letzte aufgebot

nach der katastrophalen ruttenstorfer strategie und den meisterhaften projekten von nabucco über iran bis libyen.

Mader Werner
23
24.1.2012, 06:51
OMV

ösis mit "Verantwortung"

wie die BP - die britischen Proleten

Andrea Puritsch
22
24.1.2012, 02:51
Ausverkauf des Landes

Warum wird dann weltweit heftigst gegen Fracking protestiert? – ökologisch vertretbar oder nicht
In Frankreich ist das Abbauen von Schiefergas bereits verboten, in Bulgarien seit 1 Woche,
nach heftigstem Protest der Bevölkerung
Die OMV beaufsichtigt sich selber?
Wer sind die Experten der OMV?
Und gibt’s die Technik überhaupt schon ?
Auch in Österreich formiert sich schon Widerstand gegen den Ausverkauf des Landes.
www.weinviertelstattgasviertel.at !

Uniquin
 
21
24.1.2012, 08:28

das wesen eines neuen patents ist das es die technik in der praxis noch nicht gibt - das gilt noicht nur in der öl und gasbranche.
die gründe für das ablehnen der schiefergasförderung im atomlobbyland frankreich läßt sich leicht erraten.
das bei deiner zur schau gestellten fachkenntnis auskünfte über die experten der omv für dich hilfreich sein könnten bezweifle ich.

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