Bilder aus Syrien

Blog | Bert Rebhandl, 23. Jänner 2012, 14:33

Der Dokumentarist Omar Amiralay im Netz - Von Bert Rebhandl

Von den Aufstandsbewegungen im arabischen Raum ist die syrische diejenige, die auf die größten Schwierigkeiten gestoßen ist: Ein Regime, das vor Gewalt nicht zurückschreckt, hat das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzt, was umso prekärer ist, als der jahrzehntelange Ausnahmezustand offiziell vor fast einem Jahr aufgehoben wurde bzw. diese Aufhebung versprochen wurde. Eine der Folgen der Repression in Syrien ist Bilderarmut. Es ist schwierig, im Land zu drehen, und noch schwieriger, verlässliche Informationen zu Bildern zu bekommen.

Auch vor diesem Hintergrund ist das an vielen Orten wachsende Interesse an der syrischen Filmgeschichte zu sehen. Vor allem der im Februar 2011 verstorbene Dokumentarist Omar Amiralay wird derzeit vielfach wiederentdeckt - es lohnt sich in jedem Fall, ein wenig seinen Spuren im Netz zu folgen. Er galt als Kritiker des Assad-Regimes, man bekommt in seinen Arbeiten aber auch noch viel von der Aufbruchsstimmung mit, auf die so viele heute autoritäre Regimes im arabischen Raum zurückgehen: eine Atmosphäre der Modernisierung in den fünfziger und sechziger Jahren, die allerdings von oben verordnet wurde und in der Regel schnell durch Korruption zerstört wurde.

Der 1977 entstandene und sofort verbotene Dokumentarfilm The Chickens ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich. Hier verbinden sich Motive von Landreform mit technokratischen Verbesserungen, die nur einer kleinen Gruppe wirklich dienlich sind.

In Ein Teller Sardinen nahm Amiralay die Stadt Quneytra zum Anlass einer Betrachtung des Konflikts mit Israel, der dem Assad-Regime immer als zentraler Legitimationsfaktor gedient hatte.

Besonders interessant ist schließlich A Flood in Baath CountryHier nahm Amiralay einen Staudamm am Euphrat zum Anlass, sein Verhältnis zur Baath-Partei zu überdenken. Das Dorf el-Machi am Assadsee wird für ihn zum Symbol einer vierzigjährigen Herrschaft, die sich gegen das Volk gekehrt hat. Auf der Seite des IDFA International Documentary Filmfestivals Amsterdam 2011 finden sich insgesamt drei Filme von Amiralay mit englischer Untertitelung, darunter auch der bedeutende Life in a Syrian Village.

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

  • Aktuelle Ausgabe: Cargo #13

    TitelbildCARGO ist eine eine in Berlin erscheinende Vierteljahreszeitschrift und ein Onlinemagazin zu den Themen Film, Medien und Kultur. derStandard.at/Kultur präsentiert in unregelmäßiger Folge Beiträge von CARGO.

    • 30.4.2012, 17:01
      Bert Rebhandl

      Pfeil und Bogen [20]

      TitelbildStarnotiz: Jennifer Lawrence hat es innerhalb von ein paar Filmen geschafft, aus dem Independent-Bereich in den Mainstream vorzudringen

    • 10.4.2012, 12:39
      Bert Rebhandl

      Kunst des Teilens

      TitelbildEin Hinweis auf vier Filme, die helfen können, den westafrikanischen Subsahara-Staat Mali besser zu verstehen

    • 27.3.2012, 14:01
      Bert Rebhandl

      Chanson und Risiken [15]

      TitelbildDie fünfte Staffel von "Mad Men" hat begonnen - Von Bert Rebhandl

    • 21.3.2012, 17:15
      Bert Rebhandl

      Quatschkoje [38]

      TitelbildWas war der wichtigste amerikanische Film der 80er-Jahre? Von Bert Rebhandl

    • 13.3.2012, 11:38
      Simon Rothöhler

      Späte Erleuchtung [14]

      TitelbildJulianne Moore is Sarah Palin: «Game Change» - Von Simon Rothöhler

    • 15.2.2012, 13:34
      Bert Rebhandl

      Die Mumie [14]

      TitelbildMeryl Streep spielt Margaret Thatcher - Von Bert Rebhandl

    • 2.2.2012, 10:55
      Simon Rothöhler

      Südstaatengeschichten

      TitelbildEin Gespräch mit dem US-Dokumentarfilmemacher Ross McElwee - Von Simon Rothöhler

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.