U-Ausschuss

Bayern kauften Hypo im Blindflug

Renate Graber, 23. Jänner 2012, 17:44
  • Artikelbild
    foto: dapd/lukas barth

    Die BayernLB hat die Hypo Alpe Adria auf Basis von Vertragsentwürfen der Verkäufer gekauft.

Die Daten für die Due Diligence waren bis zu fünf Jahre alt, auf Gewährleistungsansprüche wurde trotzdem verzichtet

Die BayernLB hat die Kärntner Hypo laut Aussagen eines ihrer Anwälte sehr unorthodox gekauft. Die Daten für die Due Diligence waren bis zu fünf Jahre alt, auf Gewährleistungsansprüche wurde trotzdem verzichtet.

***

Wien - Der Kauf der Hypo Kärnten durch die BayernLB 2007 lief recht unorthodox. Die Bayern fechten den Vertrag nun an, sie fühlen sich von den Verkäufern (wie Berlin und Co, Mitarbeiterprivatstiftung, Kärntner Landesholding) getäuscht. Dabei dürften sie vor allem die Vertragsverhandlungen recht speziell geführt haben, ergibt sich aus den Schilderungen ihres Wiener Anwalts von der Kanzlei Dorda Brugger Jordis.

Der M&A-Spezialist sagte vor dem U-Ausschuss in Kärnten unter Wahrheitspflicht aus. Der Eindruck, den er hinterließ: Die Bayern verzichteten auf Gewährleistungen im Kaufvertrag - obwohl ihnen ihre Anwälte mitgeteilt haben, dass die rechtlich relevanten Daten aus der Due-Diligence-Prüfung "veraltet" waren.

Die rechtliche Due Diligence wurde ab 10. April 2007 in zwei Etappen vorgenommen; ungefähr sechs Wochen später war der Kaufvertrag unterschrieben.

In den Worten des Anwalts: In der ersten Phase "war der Datenraum unvollständig und veraltet", trotz Nachfragens und Ersuchens um weitere Unterlagen habe "sich dieser Befund im zweiten Datenraumteil nicht wesentlich geändert". Bloß ein paar Details: Der Großteil der Dokumente, anhand derer die Bayern im Frühjahr 2007 die Bank prüfen ließen, stammte von Ende 2005 oder Mitte 2006. Die besonders wichtigen Unterlagen aus den Hypo-Auslandstöchtern, die sich ja später als Fässer ohne Boden erweisen sollten, waren freilich noch viel älter: vier bis fünf Jahre. "Sie waren bloß auf dem Stand 2002/2003", sagte der Zeuge vor dem Ausschuss. Die Bayern habe man informiert: "Wir haben unsere Bedenken natürlich offen gelegt und gesagt: Die Due Diligence passt nicht."

Der Rat der Juristen, man müsse sich "im Kaufvertrag durch entsprechende Gewährleistungen absichern" wurde offenbar nicht befolgt. Denn: Verhandelt wurde nicht auf Basis des eigenen deutschsprachigen Vertragsentwurfs "mit dem gesamten Gewährleistungskatalog, den man bei einer M&A-Transaktion dieser Größenordnung erwarten kann und vorschlägt". Sondern: "Verhandelt wurde auf Weisung" der Bayern auf Basis eines Vertragsentwurfs der Verkäufer (sic) Berlin und Co; die Verträge mit den übrigen Verkäufern (wie MAPS und Landesholding) orientierten sich dann an diesem "Leitvertrag", der kaum Gewährleistungsbestimmungen enthielt. Was bei Berlin damit argumentiert wurde, dass man als Finanzdienstleister keine Gewährleistungen abgeben könne. Was war mit Kompromissen, um die es beim Verhandeln ja geht? Gab es nicht, "auf alle unsere Forderungen ist ein Nein gekommen", so der Zeuge.

Also scheiterten auch die Bemühungen, trotzdem noch "möglichst viele Gewährleistungen für uns hinein zu reklamierten". Zumal: "Wir haben den Auftrag erhalten ... die wenigen Gewährleistungen zu akzeptieren." Der (in einer Präsentation für die BayernLB-Organe festgehaltene) Sukkus: "keine substanziellen Gewährleistungen, keine Absicherung." Kurz und gut, so folgerte der Jurist: "Der Vertrag ist natürlich nicht in Ordnung." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Andreas W
01
24.1.2012, 10:00
Blind fliegt sich's eben am Schönsten!

Und Top-abcasher in die Verantwortung nehmen, war ja eh schon immer verpönt, ebenso wie den Reichen einen Cent wegzunehmen, wofür auch immer.
Die Menschen sind schon immer an ihrer eigenen Blödheit gescheitert, die Masse übrigens auch!
Wer Betrügern (Reiche und viele Politiker, die in ersteren drinstecken) nachrennt und diese anhimmelt, braucht sich nicht wundern, wenn er betrogen wird; aber die meisten merken's ja noch nicht mal.
ALLES DEN REICHEN und die Gosse für den Rest!

The Chaos Path
01
24.1.2012, 09:50

einerseits ist die dreistigkeit und unverschämtheit der kärnter verantwortlichen beinahe unglaublich, andereseits gehören die verantwortlichen bei den bayern spazierengwatscht. das ganze stinkt nur so nach beschiss, und trotzdem haben die bayern gekauft. die gier is a hund... die bayern hätten diese bank einfach pleite gehen lassen sollen und die haftung einkassieren. vielleicht hätten die österreicher daraus gelernt - auf die vernünftige art ist das ja offensichtlich nicht möglich.

Fritz Meyer
00
24.1.2012, 07:49
Man müsste ein Lustspiel daraus machen.

Aber vorher den Beteiligten ihr Privatvermögen beschlagnahmen, den involvierten Politikern die Immunität entziehen und aus dem Amt jagen und die ganze Bande teeren und federn.

DANN könnte man darüber herzhaft lachen.

NicoPelikan
31
24.1.2012, 06:33
Da haette sich der Pepi Proell beim Rueckkauf durch die Republik nicht so auf Kosten der Oesterreichischen Steuerzahler ueber den Tisch ziehen lassen muessen !

monoton
02
24.1.2012, 08:59

ich weiß nicht warum es die leute immer noch nicht verstehen.
die kärntner falotten haben eine haftung von 6mrd euro übernommen, sodaß wenn die bayern die bank pleite gehen lassen hätten noch wesentlich mehr kosten auf österreich zugekommen wären, da die braunen falotten niemals den mist getragen hätten den sie verbrochen haben.
somit hatte peppi keine wahl (wobei diese raikamarionette auch ohne haftungen nichts anderes gemacht hätte)

NicoPelikan
00
24.1.2012, 06:30
Da haette sich der

Helix.
12
23.1.2012, 23:22
Kein Mitleid

da haben Kärntner Bauerblutzer Bayrische Bauerblutzer betrogen....

Und die Bayrischen Blutzer haben geglaubt die die Kärntner Blutzer zu übertölpeln....

mit wem soll man da Mitleid haben!

monoton
01
24.1.2012, 09:01

ich habe mit mir, dem österreichischen steuerzahler mittleid, denn nun kann er die verbrechen und die massive misswirtschaft dieser braunen kärntner fpö-falotten bezahlen

gem1
10
24.1.2012, 07:42

Helix und wie sich die Welt jenseits der Ex-Wien Grenzen darstellt!

Ich sag nur BAWAG: Wir spielen in der Welt der Hochfinanz. Da hat ein Wiener Großschädlata die anderen Wiener Großschädel übertölpelt!

rr772
00
24.1.2012, 06:11
Mitleid

braucht nur der Steuerzahler beiderseits des Alpenhauptkammes..

erkelteter tiger
03
24.1.2012, 03:49
die plutzer aus bayer wussten,

dass die plutzer aus kärnten mit der landeshaftung im notfall eh nicht entwischen können

und die kriminellen fpk/bzö/övp-plutzer aus kärnten wussten, dass der bund im notfall einspringen muss

verdient hat trotzdem die verkommene "leistungsträger"-bande rund um schwarz-blau-orange

Cyber Motzer
00
23.1.2012, 23:00
ja wegen

der Landeshaftung...

walter prohaska
27
23.1.2012, 21:49

vielleicht ein kleiner trost fuer manche, der haider hat nicht nur die oesterreichischen waehler ueber den tisch gezogen. wie gesagt nur ein kleiner trost. wenn ich denke was da mit dem strache als bundeskanzler auf uns zu kommt, der haider hat nur kaernten in den bankrott gefuehrt der strache...........drei bier bitte der herr.

MeinePrognose/Anmerkung
00
23.1.2012, 21:45
Warum macht man sowas

Das kann doch nur der Vorstand der BLB erklären, welche Motive dahinter standen. Etwa persönliche?

Frühlingsrolle
13
23.1.2012, 22:33

normalerweise fließt da schmiergeld, damit jemand sowas macht...

birka
01
24.1.2012, 01:07

you don't say? ;)

Kahuna
00
23.1.2012, 22:42
Klaro - das sieht ein Blinder....

leser 4712
00
23.1.2012, 20:15
das sind tolle geschäftsleute

zuerst einen (schlechten) deal abschließen und dann jammern und - wenn die össis banken in ihre schützenden hände nehmen - das schlechte geschäft rückgängig machen wollen.

waren wohl doch nicht alles freunde, die da kontakte hergestellt haben;-)

waniwiadawödua
24
23.1.2012, 19:38
wie kann das sein?

hat doch herr birnbacher zum hypo-verkauf ein 12 millionen gutachten ertstellt. das muss doch gut sein, bei dem preis...

Andreas Sonnberger2
11
23.1.2012, 20:00

Der Herr Birnbacher war aber im Auftrag der Kärntner Landesholding tätig, nicht im Auftrag der Bayern.

Waran
03
23.1.2012, 21:12
Gutachten

Die ganz bösen Zungen behaupten, er wäre im Auftrag der Herren Martinz/Haider tätig gewesen.

Andreas Sonnberger2
00
23.1.2012, 21:50

Dann sagen wir halt im Auftrag der Verkäufer der Bank, nicht der Käufer... ;-)

rr772
01
24.1.2012, 06:14
Der Herr Birnbacher

hat mit dem Verkauf real überhaupt nichts zu tun gehabt, nur wurde die Gelegenheit genutzt, öffentliche Gelder abzusaugen, ändern tun sich nur die Bezeichnungen der Scheinleistungen..

waniwiadawödua
00
23.1.2012, 19:38
wie kann das sein??

AEIOU1000
00
23.1.2012, 21:02
mit Geld von Anderen spielt sich leicht.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.