Streik

Frächterprotest sorgt in Italien für Chaos

23. Jänner 2012, 12:37

Protestierende gegen hohe Benzinpreise haben in den vergangenen Tagen Sizilien lahmgelegt, jetzt dehnt sich der Streik aus

Rom - Ein Frächterprotest, der in den vergangenen Tagen lediglich Sizilien lahmgelegt hatte, hat sich am Montag auf ganz Italien ausgedehnt und sorgt mittlerweile für chaotische Zustände. Spontan organisierte Frächter blockierten wichtige Knotenpunkte auf dem Autobahnnetz von Norden bis Süden. Für die Fahrer kommt es laut einem österreichischen Obst- und Gemüse-Importeur dabei zu "lebensgefährlichen Situationen". Mit ihrer Aktion protestierten die Frächter gegen hohe Benzinpreise in Italien.

Zu erheblichen Problemen kam es unweit von Mailand auf der Autobahnstrecke zwischen der lombardischen Hauptstadt und Brescia. In den Abruzzen kam es zu Protestaktionen unweit der Adria-Stadt Pescara. In der süditalienischen Region Kampanien bildeten sich kilometerlange Schlangen wegen einer Lkw-Blockade auf der Autobahnstrecke zwischen den Städten Caserta und Salerno.

Der Protest sorgte für Probleme bei der Lieferung von Lebensmittelprodukten und wurde vom größten Frächterverband CNA-Fita kritisiert, der die Aktion nicht genehmigt hatte. Die Frächter verlangten Maßnahmen zur Unterstützung des Transportwesens. Der Protest richtete sich auch gegen die Politik der Regierung. In der vergangenen Woche hatten die Frächter das Transportsystem in Sizilien zum Erliegen gebracht. Dabei war es auch zu Handgreiflichkeiten mit Lkw-Fahrern gekommen, die sich nicht der Sperre angeschlossen hatten, berichteten italienische Medien.

Davon berichtete auch Elmar Theuer, Obst- und Gemüse-Importeur aus Wien: "Die Situation ist für unsere Leute teilweise lebensgefährlich", erzählte er im Gespräch mit der APA. "Es kommt zu Schlägereien zwischen Fahrern, die arbeiten wollen, und Streikenden, den Autos werden die Reifen aufgeschlitzt und Kabel durchschnitten, einem unserer Fahrer wurde sogar ein Arm gebrochen." Teilweise würden Arbeitswillige auch mit Waffengewalt an der Arbeit gehindert, berichtete Theuer.

Auf Sizilien hatten sich auch Bauern und Fischer dem Frächterstreik angeschlossen. Sie wollen jetzt die Protestaktion in den kommenden Tagen fortsetzen. Sie kritisieren, dass ihnen der Großhandel zu wenig für ihre Produkte zahle. Die Bauern präsentierten ihre sogenannte "Heugabel"-Bewegung, die klare Forderungen an Politik und Wirtschaft stellt. Obwohl Sizilien eine Region mit Sonderstatut sei, nehme die Arbeitslosigkeit immer mehr zu. Das sei unter anderem der Kaste der Regionalpolitiker zuzuschreiben. 90 Regionalratsabgeordnete seien in Palermo vertreten. Ihre Gehälter seien schon auf das Niveau der Europaparlamentarier geklettert, so die Bauern. (APA)

Kommentar posten
21 Postings
John Denver
00
24.1.2012, 08:30
Ich denke nicht.

Erstens geht es sicher nicht um die Benzinpreise, kein LKW tankt Benzin, es wird wohl eher Diesel sein.

Zweitens sollte den Fahrern, die meist unselbständig beschäftigt sind, doch eher egal sein, was der Chef zahlt. Über Versicherungsprämien ärgern sie sich ja auch nicht. Ja, es gibt immer mehr selbständige, ich weiß.

Wenn LKW-Fahrer streiken, sollte es sich gegen die lächerliche Regierung richten - oder fachspezifischer: für bessere Lenk- und Ruhezeitrichtlinien (besser für die Fahrer, eh klar).

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 16:50
eben nicht,

die Fahrer in IT sind oft selbstaendig. Wenns hoch kommt, haben 3 einen LKW, womit das mit den Ruhezeiten hinfaellig ist

John Denver
00
24.1.2012, 08:28
Ich denke nicht.

Emiliano Zapata
00
24.1.2012, 00:09
endlich wieder italien wie in meiner jugend

es wird gestreikt, es herrscht das chaos - und bitte demnächst noch spätestens jedes halbe jahr eine neue regierung (mit den gleichen personen, versteht sich)...

Waran
11
23.1.2012, 23:01
Italien im Aufwind?

Herr Monti, das sind die "Promillepünktchen" auf dem Weg in die Rezession!
Herr Monti, ihr Sparprogramm wird nicht den gewünschten Effekt erzielen!
Herr Monti, sie können diese Erfahrungen bei der nächsten Bilderberger-Konferenz thematisieren!

Poldi Fesch
00
23.1.2012, 23:35
und warum sollte

dem so sein

Waran
00
24.1.2012, 08:48
Erich Streissler sagt`s

und wurde in einem anderen Thread dafür "belobhudelt" - er führte aus, dass Sparen in einer Konjunkturschwäche nicht gut ist und deswegen hat er ein bißchen Mitleid mit Italien.

Resume: Es wird immer irgendwie laufen!

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 10:43
na, wenns

der Streissler sagt. Nur fuerchte ich, da gibt es ein Miszverstaendniss, Monti will ja die unproduktiven Ausgaben zurueckfahren u. davon gibt es in IT noch mehr als in Aut

Waran
00
24.1.2012, 15:09
Missverständnis

Jeder spart immer richtig und dort wo es gut ist - nur es funktioniert nie, da sich immer unerklärlicherweise seltsame Parameter einschleichen, die man nicht hat vorhersehen können.
In Italien gehen namhafte Ökonomen inzwischen von der Tatsache aus, dass das BIP im selben Ausmaß zurückgeht, wie die Schulden.
An den 120%/BIP wird sich nichts ändern.
Bewertet wurde dabei noch nicht, dass ja jetzt alle gut und richtig sparen - hemmt die Exporte für Italien und man nimmt schon an, dass die Verschuldung im Verhältnis zum BIP steigt.
Griechenland hat keines der Ziele erreichen können, Spanien (Artikel hier) und Portugal detto - Italien wird außer einer Rezession auch nichts bewerkstelligen.
Sicher ist, dass Goldman Sachs verdienen wird.

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 16:15
im Gegensatz zu

Gr u. Portugall hat aber IT eine Industrie, die den Weltmarkt bedient. Gerade diese beruehmten Schwellenlaneder, China, Indien u. Brasilien sind die Maerkte in denen die it. Exporte extrem wachsen. Da sind sie ja ziemlich konkurrenzlos. Ist ja kein Zufall, dasz die Chinesen gerade eine it. Luxuswerft uebernommen haben. IT hat nach D die groeszte Industrie, noch vor Fr.

Waran
00
24.1.2012, 18:27
Die Menschen

werden nicht mitziehen. Sehen sie, jetzt haben wir im Kreis geschrieben und sind wieder bei den Frächterprotesten.
In naher Zukunft schon werden sich meine Annahmen bestätigen und die Ökonomen werden wieder (ähnlich den Wetterfröschen) erklären, warum es so gekommen ist.
Ich postete das mit Spanien und Portugal, als ich das erstemal von den rigorosen Sparmaßnahmen in den Zeitungen las (andere Foren) und da wurde mir genauso erklärt, wie sie mir jetzt zu erklären versuchen, dass es diesmal anders ist.

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 18:39
again

weder Sp noch Portugal haben eine groszartige Exportindustrie, dafuer eine Immoblase. IT hat Industrie, dafuer keine Immoblase aber 80% wohnen im Eigentum. Der Fraechterstreik wird wohl aufloesbar sein u. zur hoechst noetigen Marktbereinigung auf diesem Sektor beitragen. Da gibt es so viele "Zwugscherlunternehmen" die weggehoerten, das passt schon. Was heiszt die Menschen werden nicht mitziehen, sie koennen natuerlich auch verhungern, werdens aber nicht

Waran
00
24.1.2012, 22:36

Ich hoffe sie behalten recht - ich meine das ernst!
Nur, ich glaub`s nicht!

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 23:46
langsam lichten

sich die Nebel, der Fraechterprotest ist vor allem eine Mafiaaktion

Mirstetta Toni
00
24.1.2012, 16:36

nur ist china schon am besten weg zum selbstversorger.

Poldi Fesch
00
25.1.2012, 13:02
beharre aber

darauf :)

Poldi Fesch
00
24.1.2012, 18:31
aber, logischerweise,

nicht mit made in Italy. Tw. ist es so, dasz die Chinesen gefaktes "made in Italy" exportieren um echtes zu importieren. Von Sonnenbrillen ueber Salamis bis zu Ferraris

Gerald WAlter
 
00
23.1.2012, 12:50
noch aktuell?

"Es wurde uns mitgeteilt, dass aufgrund der Verhandlung zwischen den Transportunternehmen und der Regierung der ausgerufene Streik für 60 Tage aufgeschoben wurde.
Deswegen sollten Transportunternehmen am 23. Jänner mit keinen Problemen zu rechnen haben. Es gibt nur einen kleinen Verband, Trasportounito, dessen Mitglieder den Streik abhalten wollen. Allerdings besteht für diese Unternehmen keine Möglichkeit, die Autobahnen sowie die Mautstellen zu blockieren."

moribundo
00
23.1.2012, 17:42

scheinbar doch, transportounito legt italien lahm weil "vi hanno aderito spontaneamente moltissimi autotrasportatori".

Scheint, dass die Fahrer selbst, anders als ihre Unternehmen und großen Verbände doch streiken wollen.

es lebe die Spontanität! es lebe der Aufstand!

Poldi Fesch
00
23.1.2012, 23:36
auf der Autostrada dei Fiori

rollt der Verkehr

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.