Reykjavík

Speisen zwischen den Wassertanks

23. Jänner 2012, 16:41

Ganz Reykjavík wird mit Heißwasser geheizt. Davon profitiert auch ein eigenwilliges Restaurant

In einem Restaurant zu speisen, das zwischen Heißwassertanks eingebettet ist, mag nicht sonderlich attraktiv erscheinen. Doch "Perlan", die Perle, ist innerhalb weniger Jahre zu einer der exklusivsten Gourmetadressen in Reykjavík geworden, und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Lage.

Auf dem Hügel Öskjuhlið im Zentrum der isländischen Hauptstadt erhebt sich das Perlan-Ensemble aus sechs mächtigen Edelstahltanks, von denen jeder sechs Millionen Liter Wasser von 87 Grad Celsius fasst, das Ganze von einer gewaltigen Glaskuppel überwölbt. Von verschiedenen Bohrstellen in der Stadt wird das Wasser hierhergepumpt und betreibt von hier aus die Heizungsanlagen der 120.000 Einwohner von Reykjavík. Längst ist der Perlan-Komplex zu einem Wahrzeichen der isländischen Hauptstadt geworden, wie es schon lange die mächtige Hallgrímskirche in der Stadtmitte war.

In fünf Etagen sind die Zwischenräume zwischen den Tanks genutzt, die beiden oberen Etagen beherbergen das Restaurant, wobei die oberste Etage als Drehrestaurant gestaltet ist. So bietet sich ein faszinierender Blick auf die Stadt und die hinter ihr liegenden Gletscher und Berge.

Schon im Februar sind auf Island die Tage länger hell als in Mitteleuropa. Dazu beschert der Golfstrom, der als wundersame Zentralheizung der Natur an Islands Küsten vorbeifließt, der Feuerinsel im Nordmeer ein erstaunlich mildes Klima. Und wenn es doch einmal friert in Reykjavík, braucht niemand beim Einkaufsbummel in der Laugavegur oder der Bankastigu, zwei besonders stark besuchten Einkaufsstraßen, zu befürchten, auf Schnee und Eis auszurutschen. Die Gehsteige sind beheizt mit fast kochend heißem Wasser aus den Perlan-Tanks! Die Heizschlangen, die in den Gehsteigen der wichtigsten Straßen verlegt wurden, sind Bestandteil des mehr als 1200 Kilometer langen Leitungsnetzes, durch das das Heißwasser dieses weltweit einzigartigen Heizungssystems fließt. Diese Art von Heizung hat übrigens zur Folge, dass Reykjavík die einzige Hauptstadt der Welt sein dürfte, in der es keine Rauchfänge auf den Dächern, weil keine Feuerungsanlagen in den Häusern gibt. Entsprechend sauber ist die Luft.

Mehr als 50 Prozent der isländischen Bevölkerung leben heute in Reykjavík, das zu den kleinsten Hauptstädten souveräner Staaten in Europa zählt. Doch die "Rauchbucht", wie der Name zu übersetzen ist, hat nichts Großstädtisches an sich. Es gibt weder einen Bahnhof noch eine Straßenbahn, keine Wolkenkratzer bestimmen die Silhouette der Stadt, deren Häuser immer noch vielfach aus Holz gebaut und bunt angestrichen sind.

Auf einem kleinen Hügel mitten in der Stadt steht das unscheinbare Gebäude, in dem Ministerpräsident und Parlament ihren Sitz haben. Unweit davon findet man das Gästehaus der Regierung, in dem 1986 das historische Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow stattfand. Das Rathaus der Stadt steht teilweise auf Pfählen im Tjörnin, einem kleinen See, der als Mittelpunkt Reykjavíks gilt. Ist er im Winter zugefroren, stehen Hunderte von Schwänen, Gänsen und Enten auf seinem Eis und warten darauf, dass die Passanten sie füttern.

Die Mär vom angeblich depressiv durch den Winter dahindämmernden Isländer kann man gleich am ersten Abend in Reykjavík als widerlegt erleben. Auch beim schlechtesten Wetter quillt das Stadtzentrum über von Leben, und das bis spät in der Nacht. Hier macht sich natürlich bemerkbar, dass von donnerstags bis sonntags Bars, Cafés, Diskotheken und Clubs nicht mehr an feste Öffnungszeiten gebunden sind. Erstaunlich viele vor allem junge Leute besuchen abends eins der verschiedenen Theater, die Oper, Konzerte, Kinos oder Kunstausstellungen ehe sie sich ins Nachtleben stürzen.

An Bankastigu, Laugavegur oder dem Lækjatorg füllen sich noch spät am Abend die Restaurants, die Cafés genannten Bars, die Pubs. Und oft ist es dann nur schwer möglich, im "Kaffi Reykjavík", dem "Solon Islandus" oder dem "Café Romance" noch einen Platz zu finden. Fast ein Dutzend Restaurants der Stadt muss zur Spitzenklasse gezählt werden. Schwerpunkt der Küche liegt natürlich auf Fisch, Lamm- und Wildgerichten. Walsteaks, Rentiergeschnetzeltes, Schneehuhn oder Papageientaucher sind ausgemachte Köstlichkeiten. Das "Lækjarbrekka" im Zentrum gilt als beliebtes Ziel romantischer Nostalgiefreunde, das Restaurant im Hotel Borg ist ein elegantes Art-déco-Lokal, und sein Pendant im Hotel Holt wirkt mit den Originalgemälden isländischer Künstler an den Wänden wie eine Galerie. (Christoph Wendt/DER STANDARD/Printausgabe/21.01.2012)

Kommentar posten
23 Postings
O5
00
24.1.2012, 21:11

Besseres Essen bekommt man IHMO bei der Fiskfélagið.

tennisplatzis
01
24.1.2012, 15:01
Hákarl !!

Mein Leben lang werde ich diese heimtückische Attacke auf meine Geschmackspapillen nicht vergessen. Soviel Schnaps kann man da gar nicht drauf trinken, um den widerlichen Ammoniakgeschmack wieder wegzubekommen ^.^

gidolf
31
24.1.2012, 11:58

Hach, ich finds ja höchst amüsant, wenn selbsternannte Auskenner unverhofft über ihr Leibthema stolpern und alles und jeden zerkommentieren müssen. Para Dox, bitte für uns!

Para Dox
00
24.1.2012, 15:01

Ich weiß schon, dass manche Menschen lieber stumpfsinnig durch die Welt gehen, aber andere Menschen wollen richtige und nicht falsche Informationen.

BTW: Ich habe in diesem Forum genau 2 mal zum Thema Reykjavik/Island/Perlan gepostet.

gidolf
00
24.1.2012, 15:56

Du korrigierst aber nicht nur den Artikel, sondern auch die Meinungen anderer Poster, wobei du dich nicht entblödest, diese als de**ert zu bezeichnen, nur, weil sie anderer Meinung sind/andere Sachen mögen als du.

Ach, das ist mir jetzt zu blöd. Du hast übrigens dreimal zum Thema gepostet (und noch zweimal dazu) - jetzt wirst du dich über meine Kleinlichkeit aufregen. Aber hauptsache, vorher schnell mit dem Wort 'genau' zur Hand sein.

Para Dox
00
24.1.2012, 22:01

Ich habe bis vorhin 2x zum Thema Island gepostet:
Gestern 21:45 und gestern 22:08

Das von gestern 21:22 ist zum Thema "Sonnenstunde". Das ist allgemein und hat nur peripher mit dem Thema Island zu tun.

Para Dox
00
24.1.2012, 21:51
?? - Das ist schlicht und einfach falsch.

Ich korrigiere hier hauptsächlich Fakten (aus Artikel & Postings). Zur Schönheit Reykjaviks schreibe ich lediglich meine Meinung dazu.

Zum de**ert kann man nur sagen: "Wie man in den Wald hineinruft so schallt es zurück". Das was absolut angemessen. Seine Argumente sind extrem du*m und außerdem hat ja er Probleme mit der Meinung anderer.

Im übrigen muss man nicht de**ert hinschreiben, um jemanden wissen zu lassen, dass man ihn für de**ert hält. Dein (und sein) Posting ist diesbezüglich auch nicht völlig harmlos. Da kannst du dich gleich selbst bei der Nase nehmen.

gidolf
00
25.1.2012, 14:23

:D danke, dass du mich erleuchtest. Ich werde auch in Hinkunft in dunklen Stunden bei dir Rat und Beistand suchen.

Para Dox
00
25.1.2012, 22:13

Bedarf scheint ja zu bestehen

gidolf
00
26.1.2012, 11:58

Wenn dus sagst...

Para Dox
01
23.1.2012, 21:45
Da stimmt einiges nicht

- Die meisten bunten Häuser sind nicht aus Holz, sondern außen mit Wellblech verkleidet und bunt angestrichen. Holz ist in Island Mangelware und hält auch dem isländischen Wetter nicht so gut stand.
- Das Parlament liegt nicht auf einem Hügel, sondern ebenfalls unmittelbar beim Stadtsee
- In Reykjavik leben nicht 50% der Einwohner Islands. Reykjavik 120.000 Ew; Island 320.000 Ew. (Quelle: Wikipedia). 50% Leben im Großraum von Reykjavik. Wenn man so rechnet hätte Wien allerdings auch ca. 2,4 Mio. Einwohner.

Para Dox
00
23.1.2012, 21:33
Da stimmt einiges nicht

Para Dox
00
23.1.2012, 21:45

Kleiner Finger zu schnell.

pirat was sonst
40
23.1.2012, 20:11
Eine wunderschöne Stadt

muss unbedingt wieder hin. Vom Gourmet-Restaurant braucht man sich nicht abschrecken lassen, ein günstiges Cafe mit einer absurden Auswahl an Eiscremes ist auch oben. Und garantiert frei von grantelnden, nörgelnden Grünen - Walsteaks, beheizte Gehsteige, aufgeschlossene Menschen mit Vorliebe für amerikanische Geländewagen und Autobusse statt Straßenbahnen sollten abschreckend genug wirken.

Para Dox
05
23.1.2012, 22:08

1. Ich liebe Island und auch Reykjavik hat seine Reize, aber als wunderschön kann man die Stadt wohl nicht bezeichnen (da gibt's in Schweden und Norwegen schönere skandinavisch Städte)

2. Sind das keine amerikanischen Geländewagen sondern fast ausschließlich japanische.

3. Die links-grünen haben in Island übrigens 14,3% der Stimmen bekommen. In Reykjavik kann man auf Leute mit Anti-Walfang T-Shirts treffen (außerdem könntest du zufälligerweise im Cafe auf mich gestoßen sein)

4. In Island sind Geländewagen sinnvoll und beheizte Gehsteige aus ökologischer Sicht unproblematisch.

5. Ich hoffe, dass es bei den Piraten nicht viele Leute gibt, die so dermaßen de**ert sind wie du.

Club-der-dichten-Toten
01
23.1.2012, 17:25
Schon im Februar sind auf Island die Tage länger hell als in Mitteleuropa.

Aber nur von der lokalen Uhrzeit her (also frühabends ist's ein bisschen länger hell), nicht von der Gesamtdauer, oder? Die Sonne geht ja erst sehr spät auf...

Oepfl
10
23.1.2012, 18:18
sonnenzeit

obs im februar so stimmt kann ich jetzt nicht sagen aber island hat definitiv mehr sonnenstunden als fast alle europäischen und amerikanischen städte...

Para Dox
00
23.1.2012, 21:22

Eine Sonnenstunde ist eine Stunde zu der die Sonne tatsächlich geschienen hat. Da es in Reykjavik oft regnet, ist die Anzahl der Sonnenstunden eher gering.

Die von dir weiter unten verlinkte Site beschreibt etwas anderes.

081547112
00
23.1.2012, 19:51
wie kommen sie darauf

nur als beispiel
sonnenstunden Reykjavík ...1200/jahr
sonnenstunden ö landeshauptstädte ca 2000/jahr

Fuerteventura ca. 3000!!!

Parkschwein
00
23.1.2012, 20:06

darum liebe ich fuerteventura.

Oepfl
10
23.1.2012, 19:53

habe ein halbes Jahr in Island studiert und unter anderem auch Kurse über die Geografie des Landes. Hatte es somit wohl falsch in Erinnerung oder der Prof. war nicht ganz objektiv ;)

Club-der-dichten-Toten
00
23.1.2012, 19:24

Es geht mir auch nicht um die "Sonnenstunden", die ja nur "gezählt" werden, wenn keine Wolken da sind, oder?

Mir geht's um die Stunden zwischen Sonnenauf- und untergang und da dürfte es im Norden im Februar nicht mehr sein, als hier in Österreich, oder?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.