Kundenbetreuer

Kampf um Nachwuchs im Vertrieb

Interview | 23. Jänner 2012, 10:05
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    foto: generali

    Offenbar hat Verkauf noch immer ein Imageproblem, gilt als wenig interessant: Michael Heinzl (Generali) wirbt dagegen.

Trotz Ausbildung und Chance auf überproportionalen Verdienst finden Versicherungen und Banken kaum Kundenbetreuer - Michael Heinzl, Vertriebsleiter der Generali Versicherung AG

STANDARD: Sie sind seit kurzem Leiter des Vertriebs für Österreich bei der Generali Versicherung AG. Auch Ihr Unternehmen hat große Probleme, Nachwuchs für den Verkauf zu rekrutieren. Wie ist die Lage derzeit?

Heinzl: Derzeit gelingt es uns nicht einmal, den Mitarbeiterstand im Verkauf konstant zu halten. Wir haben weniger neue Anstellungen als Pensionierungen. Das ist ein echtes Problem, denn wir brauchen junge Leute, um unsere Kundenbestände gut zu betreuen. Dieses Jahr wollen wir deshalb mindestens 200 neue Mitarbeiter aufnehmen.

STANDARD: Offenbar ist es der Versicherungsbranche immer noch nicht gelungen, ein attraktives Berufsbild vom Vertrieb zu zeichnen, das mit quälender Kundenkeilerei nichts zu tun hat.

Heinzl: Diese Vorstellung hält sich hartnäckig. Mit der Realität hat sie aber nichts zu tun. Kunden zu betreuen ist eine hoch seriöse Aufgabe, die hohes Verantwortungsbewusstsein und eine Topausbildung erfordert. Und wer glaubt, man komme zu uns und müsse quasi auf der grünen Wiese beginnen, Kunden an Land zu ziehen, der irrt völlig. Niemand ist auf sich alleine gestellt, niemand muss hier alleine kämpfen. Jeder wird in bestehende Teamstrukturen eingebunden, jeder wird begleitet und bekommt vorhandene Bestände zur Betreuung überantwortet.

STANDARD: Knackpunkt für die meisten ist doch noch immer die schlechte Bezahlung des Außendienstes. Wie hoch ist das Fixum, mit dem ein Einsteiger rechnen kann?

Heinzl: Das variiert je nach Qualifikation und Ausbildung zwischen 450 und 600 Euro monatlich. Dazu kommt in den ersten Jahren noch eine Aufbauzulage, die unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg ausbezahlt wird. Ein weiterer Bestandteil sind die Provisionsvorauszahlungen, die ebenfalls helfen sollen, das Einkommen in der ersten Phase zu stabilisieren. Nach fünf Jahren ist ein Jahresbrutto von 32.000 durchaus realistisch. Aber die Verdienstmöglichkeiten sind nach oben offen. In welchem Beruf ist das sonst der Fall? Das wird oft vergessen, wenn man von der schlechten Bezahlung im Außendienst spricht. Und eines noch: Für junge Mütter ist dieser Beruf besonders attraktiv, weil sie ihre Zeit sehr flexibel einteilen können. Deshalb wenden wir uns auch ganz gezielt an sie.

STANDARD: Hat die persönliche Betreuung heute noch den Stellenwert? Jeder kann sich heute via Internet schnell und unkompliziert Versicherungsanbote einholen.

Heinzl: Auf die individuelle Beratung wird mehr Wert gelegt denn je, denn die Kunden sind heute sehr kritisch. Niemand kauft die Katze im Sack. Deshalb legen wir auch so großen Wert auf die Qualifikation unserer Leute. Wir können uns nicht erlauben, Abstriche zu machen, deshalb ist - trotz großer Personalnot - unser Auswahlverfahren sehr aufwändig und selektiv.

STANDARD: Sie planen, gezielt Akademiker anzuwerben. Die allerwenigsten unter ihnen sehen ihre Zukunft im Vertrieb. Fehlt es an attraktiven Perspektiven?

Heinzl: Gerade sie haben doch besonders gute Karrierechancen. Dafür gibt es viele Beispiele. Ein ehemaliger Manager von Ikea hat sich vor einigen Jahren entschlossen, zu uns zu kommen. Einfach, weil er mehr verdienen wollte. Das ist ihm auch in kürzester Zeit gelungen. Heute zählt er zu unseren erfolgreichsten Kundenbetreuern.

STANDARD: Der Vertrieb ermöglicht also außergewöhnliche Karrieren?

Heinzl: Jenen, die seriös, hoch motiviert und initiativ sind, jedenfalls. Wer sich durchbeißt, hat mittelfristig gesehen überproportionale Verdienstmöglichkeiten, und zwar in einer stark wachsenden Branche. (Judith Hecht/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.1.2012)

MICHAEL HEINZL ist Jurist und seit 1996 bei der Generali tätig. Im Dezember 2011 übernahm der gebürtige Linzer die Leitung des Exklusivvertriebs in ganz Österreich.

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Posting 1 bis 25 von 40
1 2
CNNWien
12
27.1.2012, 11:38
dabei wäre das ein äußerst wichtiger Beruf

denn versichern bedeutet finanzielle Folgen von "Existenzbedrohenden Risiken" abzufedern. Dazu gehören vorallem Berufsunfähigkeit, Invalidität, Krankheit und Tod. Es geht z.B. darum ob eine Familie bei der Caritas landet falls der Hauptverdiener seinen Beruf nicht mehr ausüben kann oder stirbt. (Licht ins Dunkel lässt grüßen). Danach kommt der Besitz und auch die Pension. Und jene die glauben "das passiert mir eh nicht, das sind immer nur die anderen" denen ist nicht zu helfen.

Deshalb darf man nicht zulassen dass irgendwelche halbgebildeten irgenwem irgendwas verkaufen. Der Berufsstand gehört reformiert und sehr streng reglementiert (akademische Ausbildung (Jus oder BWL) und äußerst strenge Prüfungen Pflicht)

CNNWien
12
27.1.2012, 11:12
Jeder Recruiter im Versicherungsvertrieb lügt

Liebe Leser dieses Artikels,

als Brancheninsider kann ich nur eines sagen:

JEDER Recruiter der Versicherungsbranche lügt. Für die meisten Neueinsteiger gibt es zwar Aufbauzulagen, diese fallen aber außerordentlich schnell, danach heißt es: Versicherungen verkaufen. Bestand wird immer versprochen, so gut wie nie gehalten. Teams: die Alten geben den jungen nichts ab. Die meisten Versicherer interessiert nur das Lebensversicherungsgeschäft. Falls der Berater einen Kundenstock bekommt ist dieser in vielen Fällen wertlos. Wer nicht "Verkauft" um jeden Preis, der fliegt, oder geht von selbst weil er/sie nicht überleben kann. Der tatsächliche Kundenbedarf interessiert zwar den Mitarbeiter der beim Kunden ist, aber nicht das Unternehmen.

RS69
 
01

"Wer nicht "Verkauft" um jeden Preis, der fliegt, oder geht von selbst weil er/sie nicht überleben kann."

Es ist ja auch ein Verkäufer-Job, und als solcher deklariert.

francis79
 
00
25.1.2012, 07:31
Händeringend?

uhiiiii
02
24.1.2012, 13:21
blaaaaaaaaaaablaaaaaaaaa

liebe generali,

da sieht man dass ihr nicht hin hört was euch eure lieben MA's so sagen. bei 400,- brutto fix werdet ihr auch keine gscheiten Leut finden. Welch ein depp geht um das geld arbeiten? Provisionen sind lächerlich. Anfangsgehalt mit einer fallenden Aufbauzulage ebenfalls.

Noch ein kleiner Tip: das billige Fußvolk, welches eure Jählichen BONIS finanziert ist hat es satt euch immer nur zahlen zu bringen. Das gilt nicht nur für euch sondern für die ganze verdammte versicherungsbranche.

Bezahlt entlich mal eure Leute ordentlich dann hättet ihr nicht immer das Problem dass euch die Leute davon rennen ;-)

Michael B
00
24.1.2012, 11:46
Gerade jetzt, da sich herausstellt, dass die jahrzehntelang mit unglaublichem Aufwand verhökerten Lebensversicherungen

eine miesere Performance haben als ein Postsparbuch, findet man keine Leute mehr, die so etwas verkaufen? Eigentlich unverständlich.

Mario Nebenführ
03
24.1.2012, 11:15
eigene Erfahrung ......

da ich selbst für kurze Zeit die Erfahrung machen durfte in genau so einer Position tätig zu sein kann ich nur folgendes dazu sagen: wenn man kein eigenes Netzwerk hat, dass auch B2B Kontakte enthält ist es einfach nicht zu schaffen in einem realistischen Zeitrahmen auf einen Verdienst zu kommen von dem man auch leben kann. Die Taktik der Branche ist, dass Ihre neuen Mitarbeiter zuerst die Familie und dann den Freundeskreis abklappern. Wenn das geschehen ist kommen vielleicht ein paar Bestandskunden dran. Sollte sich nach diesen 3 Durchgängen kein Erfolg einstellen wird man ohnehin gefeuert oder gibt von selbst auf weil der Verdienst eben so gering ist.

Sabine Werner
00
24.1.2012, 09:15

was, überproportional verdienen? soll das ein schlechter witz sein, von dem fixum - und auch noch das eigene auto zu schanden fahren, ohne dienstfahrzeug kann doch kein mensch leben. keiler ist ein klasse job, wenn man schon einen langjährigen kundenkreis hat, und im monat ein fixum von 3000btto - sonst nein danke.

Fronius von Feynbein
01
23.1.2012, 18:27
Neues Personal für die "Drückerkolonne" wird gebraucht!!!

..
Mal den Carsten Maschmeyer fragen, wie der das für seine AWD geschafft hat :-)

Mann40
01
23.1.2012, 17:54

Ikea-Manager wechselt in Versicherungsvertrieb?

bitte das der werten Urstrumpftante erzählen...

beos
00
24.1.2012, 01:14

Ein Möbelhaus zu leiten, zumindest Lutz usw. ist ein extrem anstrengender Hacken. Versicherungen zu vermitteln für eine Firma, die keinen schlechten Ruf hat ist mit entsprechendem Netzwerk sicher nicht uninteressant. Nur für den typischen Berufseinsteiger ohne große Kontakte mMn nicht empfehlenswert, außer vielleicht wirkliche Verkaufstalente. Wer jedoch gut ist, kann auch ein B2B Sales Trainee Programm bei renommierten Unternehmen aus anderen Branchen im Ausland machen.

Mann40
00
24.1.2012, 12:48

könnte, möglicherweise usw....

ein gestandener IkeaManager wechselt da mit Sicherheit nicht...

hoellchen
03
23.1.2012, 16:18
naja

der Vertriebsleiter ist warscheinlich von seinem Gehalt ausgegangen. Also 32000/Monat im Jahresdurchschnitt und ein guter Vertriebsmitarbeiter darf es dann halt auf 32000 brutto im Jahr bríngen.

Also Ernsthaft, dieses Interview ist spitze.
Besonders der Teil: aufwändiges und selektives Auswahlverfahren ==> die günstigsten und am leichtesten auszubeuten finden.
Und natürlich die Ikea Story, Köstlich.

Frau Hechter muß ja beim Interview vor lachen vom Sessel gefallen sein.´

die3lustigen4
10
23.1.2012, 15:51
da gehen die meisten doch

lieber zu Hofer oder Lidl! Dort haben die Lehrlinge ja noch mehr verdienst.

Fronius von Feynbein
00
23.1.2012, 15:35
würden Sie diesem herren..

..einen Gebrauchtwagen abkaufen ???

Grantscherben
00
23.1.2012, 15:35

Diese Vertriebler können ihnen fabelhaft die Vorzüge ihrer Produkte ums Maul schmieren, aber wenns um die Kosten und Risiken geht sind sie derartige Drückeberger:
"Das kann man nicht genau sagen, ...", "Das kommt darauf an, ...", "Das weiß ich nicht, da muß ich erst..." "Da bleibt nicht mehr viel Provision über ...", "Fragen sie das Aktariat! ..."

Nörgler
02
23.1.2012, 15:25
Wie wäre es wenn der Herr Vertriebsleiter...

... sich dafür einsetzten würde, den neuen Mitarbeitern so viel zu bezahlen, dass sie davon auch leben können? Bei 450 bis 600k€ im Monat kann man doch nur bei den Eltern wohnen und dann geht sich vielleicht das Essen aus. Urlaub oder Auto sicher nicht mehr. DAMIT will er jemanden anlocken? Da ist doch jeder Notstandsbezieher besser dran!

Gobi Todic
10
23.1.2012, 15:03
Wie wäre es

mit einem Einstiegsgehalt von 32.000 brutto, plus monatlich 450 euro?

Ich würde im Außendienst gern Kunden im Schadensfall betreuen - aber neue Verträge abschließen und meine Leistung für das Unternehmen daran bewerten? Sicher nicht!

RS69
 
00

Das ist dann kein Vertriebler-Job.

Gobi Todic
10

ist korrekt.

Sabine Werner
00
24.1.2012, 09:16

ich auch, also her mit diesem job.

Post(er)
12
23.1.2012, 14:36

"Nach fünf Jahren ist ein Jahresbrutto von 32.000 durchaus realistisch."

Als Notstandshilfebezieher mir geringfügigen Nebeneinkommen verdient man aber auch so viel/wenig.

Sabine Werner
00
24.1.2012, 09:17

32000btto ist ein mieses gehalt, nach langjähriger adtätigkeit, wenn man es dann auf 14 gehälter runterbricht - lachhaft.

E Pie
 
02
30.1.2012, 21:48
das sind ca. 1500 euro netto...

mein sohn hat 1984 soviel als schlosser in einer papierfabrik verdient.... seine werkswohnung kostete 50 euro inkl. bk und meine frau verdiente damals beim konsum 800 euro/monat in einem sozialen familienfreundlichen umfeld...und wir machten im gewerkschaftsappartment in lignano mehr oder minder gratis urlaub...

00111111
04
23.1.2012, 13:20

so macht man sich als Interviewpartner also zur lachnummer...

mit 32k Jahresbrutto wird sich kein 'hoch seriöser, verantwortungsbewusster und topausgebildeter' Aussendienstler finden.

Die Erfolgsstory vom Ikea-visual-merchandise-manager ist ja auch bezeichnend

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