Lost in Translation

Silikon und Sprengstoff: Patzer in deutscher Jobs-Biografie

23. Jänner 2012, 10:04

Deutsche Übersetzer leisteten sich unter Zeitdruck einige peinliche Schnitzer

In der deutschen Version von Walter Isaacsons Biografie über den verstorbenen Apple-Mitgründer Steve Jobs sind einige peinliche Übersetzungsfehler passiert. Der deutsche Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Sachsen hat auf die besonders gravierenden Patzer nun in einer Aussendung hingewiesen.

"Silikon in Gold verwandeln"

So ist in der deutschen Übersetzung Folgendes zu lesen: "Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt." Hatte Steve Jobs etwa eine geheime Vergangenheit als Schönheitsdoktor? Wohl kaum, denn dafür fehlt ein kleines, aber entscheidendes Detail: das "e".

"Silicone Valley"

Im englischen Original ist die Rede von "silicon". Gemeint ist damit das chemische Element Silizium, der Grundbestandteil der Halbleiterindustrie und daher Namensgeber für das berühmte "Silicon Valley", Heimat zahlreicher Technologie-Unternehmen. Silikon, wie es zum Abdichten von Fenstern und Aufspritzen diverser Körperteile in der plastischen Chirurgie verwendet wird, hat damit nichts zu tun. Im Englischen müsste es dafür "silicone" heißen, damit aus dem Silizium-Tal ein Ort wird, der üppiger Weiblichkeit huldigt. Und der liegt eher im San Fernando Valley, das ob der dort ansässigen Pornofilmindustrie tatsächlich den Spitznamen "Silicone Valley" trägt.

"Falsche Freunde"

BDÜ-Sprecher und Übersetzer Alexander Heyne erklärt: "Das englische silicon (Silizium) und der deutsche Begriff Silikon sind sogenannte 'falsche Freunde', auf die man schon im Übersetzerstudium hingewiesen wird. Kein halbwegs versierter technischer Übersetzer würde darüber stolpern. Ich vermute, dass bei der Übertragung ins Deutsche großer Zeitdruck herrschte." Ein Indiz dafür sei auch die ungewöhnlich hohe Zahl von Übersetzern: Ganze sechs Personen arbeiteten daran.

Sprengmeister Jobs?

Heyne zerpflückt das Werk weiter. So erinnert sich Steve Jobs laut den deutschen Übersetzern: "Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht." Wer nun besorgt an Jobs' Aussage zum thermonuklearen Krieg zurückdenkt, wird nach Lektüre des englischen Originals beruhigt. "One time we set off an explosive under the chair of our teacher, Mrs. Thurman. We gave her a nervous twitch." Nun kann "explosive" zwar mit "Sprengstoff" übersetzt werden. Doch aus dem Kontext heraus dürfte es sich doch eher um einen harmlosen Knallkörper gehandelt haben, der die Lehrerin zusammenzucken ließ, sie aber wohl kaum fertiggemacht hat.

Kritik

Das Urteil über die deutsche Übersetzung fällt vernichtend aus. "Bei der Lektüre der deutschen Fassung muss sich der Leser durch lange Bandwurmsätze quälen. Der Stil wirkt abgehackt. Zu oft wurde einfach nur wörtlich übersetzt. Satz steht neben Satz. Ein stilistisch schöner Fluss aufgeschriebener Gedanken bleibt Fehlanzeige", so Heyne. In der zweiten Auflage wurde der "Silikon"-Patzer zumindest behoben. Im Erstdruck mit einer Auflage von 250.000 Stück wird weiterhin "Silikon in Gold" verwandelt. (br)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
WoodSTokk
01
28.1.2012, 06:26
Kein halbwegs versierter technischer Übersetzer würde darüber stolpern.

Dann gibt es in DE keine versierten Übersetzer.
Den selben Fehler machten sie auch schon bei der Übersetzung des James Bond Films 'Im Angesicht des Todes' ('A View To A Kill') 1985.

Peter Kirchhuber
05
24.1.2012, 06:23
Solange man nicht

..."Steve Jobs" als "Stefan Berufe" übersetzt, sehe ich noch Hoffnung :-)

gipfelstuermer1
04
24.1.2012, 00:31

trotz allem ein lesenswertes, teilweise - auch ungewollt - absurd witziges, aber auch nachdenkliches buch über eine sehr fleissige, komplexe, vielschichtige persönlichkeit, der es zum schluss tragischerweise nicht vergönnt war, die eigenen kinder weiter aufwachsen zu sehen.

...and miles to go before I scream
00
23.1.2012, 23:18

Ein paar (übliche) Übersetzungsfehler in der Bibel wären weder Aussendung noch Artikel wert...

Und so schmalzig-ehrerbietig geschrieben ist sie auch nicht.

Gerg K.
00
23.1.2012, 21:33
Das Pamphlet ist jetzt schon lange auf dem Markt, interessant

dass es erst jetzt auffällt. Offenbar wurde das Buch nur als dekoratives Zweitbuch angeschafft...:-)

Munin
00
23.1.2012, 22:21
Alter Hut

Die Übersetzungsfehler sind schon lange bekannt und z.B. bei den Rezensionen bei amazon ein Thema - für Schnelligkeit ist eben manchmal ein (kleiner) Preis zu entrichten.
Für das Lesen der englischen Originalausgabe benötigt man aber kein Anglizistikstudium und ist für diese Biographie nur zu empfehlen.

siliconvalley
41
23.1.2012, 21:15
man sollte gut genug Englisch lernen,

um die Originalversionen von Büchern zu lesen.

Gerry Mander
17
23.1.2012, 21:44
sind alle bücher in der originalversion auf englisch?

man staunt!

siliconvalley
10
24.1.2012, 05:03

wo lesen Sie das heraus? Double facepalm!

Es geht im Artikel um ein Buch, das im Original in englischer Sprache erschienen ist.

woifee 0.0
10
24.1.2012, 11:24

"man sollte gut genug Englisch lernen,
um die Originalversionen von Büchern zu lesen."

Er hat recht, Sie schreiben "Originalversionen von Büchern" => Plural und ohne explizit auf dieses eine Buch bezogen.

siliconvalley
00
24.1.2012, 20:09

es gibt auch andere englische Bücher, die in der Originalversion besser sind als die Übersetzung. Schon einmal Shakespeare's Sonette im Original gelesen und mit der Übersetzung verglichen? Oder Hemingway, Mark Twain etc.?

Jamesy
10
24.1.2012, 00:36
Facepalm..

Ohh.. Ich weiß auch nicht was er damit gemeint hat..

No pasaran!
00
24.1.2012, 00:01
sind alle bücher in der originalversion auf englisch?

men stun!

djang
01
23.1.2012, 20:47
Ich bin schockiert!

Einerseits, was für schlechte Dolmetscher (und Leute die das gegenlesen) da am Werk sind, das ist ja der billigste (und langbärtigste) Übersetzungsfehler der Medien-, Film- und überhaupt Menschheitsgeschichte. Wie kann man davon noch nix mitbekommen haben?

Andererseits, dass der Autor der Erklärung ganze drei Absätze widmet (hat der auch die letzten 50 Jahre in einer Höhle gelebt?).

Dr. Seltsam
 
10
23.1.2012, 19:57

Jetzt wird schon ein Kommentar zensiert, wenn man sich über das-dass Fehler aufregt?

der tron
 
21
23.1.2012, 17:49

Ach...da kommt dann irgendwann ein Patch und gut is...wie?...was?...gedruckte Bücher kann man nicht patchen??? Nun wird's aber höchste Zeit für's Ei-Ei-Bookerl...

Bodypainter
82
23.1.2012, 17:32
oh schreck, die welt bricht zusammen!

leute, das ist PR! wie hätten wir sonst erfahren, dass es überhaupt einen bundesverband der dolmetscher und übersetzter gibt? gratulation zur pr! in einem buch steht statt silicone das unglaublich falsche wort "silikon". gut, dass da endlich mal aufgeklärt wurde, denn das ganze buch ist ansonsten vollkommen unverständlich, wenn man das nicht klarstellt.

wuca
00
23.1.2012, 20:15

naja zwischen silicon (silizium) und silicone (silikon) ist doch ein kleiner unterschied.
der satz ist damit tatsächlich unverständlich und ergibt so stilistische blüten wie:

"Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt."

ps: silicon (silizium) wird in das unglaublich falsche wort silikon übersetzt (habens lt. post nicht ganz verstanden :P)

Doktor Jörg Haider
01
23.1.2012, 16:53
Uma Thurman?

holzdieb
53
23.1.2012, 16:40

unnötig. so wie die meisten apple produkte.

·Übermorgen·
00
23.1.2012, 22:27
Ich behaupte …

… ihr Posting übertrifft diese Unnötigkeit bei weitem.

holzdieb
10
24.1.2012, 12:41

ipodnano mit armband sag ich nur...

TheStig
11
23.1.2012, 18:33

unnötig. so wie die meisten Kommentare.

Dark Flamer
10
23.1.2012, 21:34

Davon können Sie ein Lied singen.

Makro 24/7
02
23.1.2012, 16:19

Meanwhile, in the real world ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.