Verkehrte-Welt-Spiel der FPÖ

Wenn die FPÖ den Anfängen wehrt

Gastkommentar | 23. Jänner 2012, 09:21
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    Alexander Pollak: "Was gut für die Republik ist, schmerzt vielfach die FPÖ, und was gut für die FPÖ ist, schmerzt in erheblichem Ausmaß unsere Demokratie."

Die FPÖ pervertiert "Wehret den Anfängen" als Aufruf zum Kampf gegen diejenigen, die sich für die ungeteilte Menschenwürde einsetzen - Von Alexander Pollak

Die FPÖ ist aufgebracht. Das ist nur zu verständlich. Nur wenige Tage nachdem bekannt geworden war, dass "ihr" Korporierten-Ball das nationale UNESCO-Kulturerbe-Siegel trägt, wurde dieses Siegel auch schon wieder zurückgenommen. Nach einer kurzen Schrecksekunde hatte die Österreichische UNESCO-Kommission erkannt, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Ein rechtsextrem durchsetzter Ball kann kein gewolltes Kulturerbe sein.

FPÖ mahnt zur "Zivilcourage"

Doch für die FPÖ kommt es noch schlimmer. Nicht nur das Gütesiegel ist weg, der Korporierten-Ball selbst wird spätestens 2013 aus der Hofburg verbannt werden. Nach jahrelangem Wegschauen und Ignorieren der Proteste haben die privaten Hofburg-Betreiber eingesehen, dass es ihrem Ansehen nicht förderlich ist, wenn sie die Pforten der Hofburg für Vereine öffnen, die weder eine ausgeprägte Distanz zum Nationalsozialismus noch zu rassistischem Gedankengut aufweisen. Der Schritt der Hofburg-Betreiber, den Vertrag mit dem Korporationsring nicht zu verlängern, ist gut für die Republik. Doch was gut für die Republik ist, das schmerzt oft die FPÖ.

Die FPÖ ist sauer. Was machen nun Strache, Graf, Kickl und Co. in ihrer Wut? Sie fangen ein seltsames Spiel an. Das Spiel nennt sich "verkehrte Welt". Sie klauben alles zusammen, was ihnen jemals an antifaschistischer, antirassistischer und pro-demokratischer Rhetorik untergekommen ist, und schleudern diese Rhetorik den Antifaschisten und Antirassisten Österreichs entgegen.

Gutmenschenapartheid?

Wer Rechtsextremismus angreift, ist in der neuen Sprachwelt der FPÖ selbst ein "Extremist" (Strache). Wer gegen Rassismus und Antisemitismus eintritt, vertrete einen "antidemokratischen Gesinnungs- und Meinungsterror" (Strache) und "Gutmenschenapartheid" (ebenfalls Strache). Wer sich für Vielfalt und für eine offene Gesellschaft ausspricht, wird in der Logik der FPÖ zur "antipluralistischen Kraft" (Graf) und zum "linken Mob" (Stefan). Stellungnahmen gegen rechte Hetze seien "Hasspropaganda" (Strache) und die Inanspruchnahme des Versammlungsrechts, um gegen Rechtsextremismus zu protestieren, sei "Terror der Straße" (Strache) und bringe einen in Verbindung mit "gewaltbereiten Schlägertrupps" (Kickl). Zivilgesellschaftliche Organisationen werden in der Sprache der FPÖ zur "selbsternannten Zivilgesellschaft" (Kickl), die keine Kontrolle über ihre "Verbalausbrüche" (Kickl) habe. Menschenrechtsorganisationen wie SOS Mitmensch werden zu Vereinen, die eine "besonders gefährliche Rolle spielen" (Graf). Die FPÖ mahnt daher zur "Zivilcourage" (Graf) gegen jene Organisationen, die gegen Rassismus und Rechtsextremismus ankämpfen. "Ehrenwert" (Kickl) sei ausschließlich, wer den von der FPÖ protegierten Korporierten-Ball besucht.

Den Höhepunkt des Verkehrte-Welt-Spiels der FPÖ bildet eine Aussendung von Strache, in der dieser dazu aufruft, den Anfängen zu wehren. "Wehret den Anfängen", das ist der Leitspruch der Antifaschisten im Kampf gegen das Wiederaufflammen nationalsozialistischer Ideologie und Politik. Die FPÖ pervertiert diesen Spruch nun zum Aufruf zum Kampf gegen diejenigen, die sich für die ungeteilte Menschenwürde einsetzen.

Was die FPÖ bei ihrem Verkehrte-Welt-Spiel nicht merkt, ist, dass sie dabei in die Mühlen ihres eigenen Spiels gerät. Ihr Spiel versetzt sie ausdrücklich in die Position der Rechtsextremisten, Rassisten und Antisemiten, die von der "selbsternannten Zivilgesellschaft" kritisiert werden. Nur aus dieser Position macht es Sinn, alles, was jemals aus dem Mund von Antirassisten und Antifaschisten gekommen ist, gegen genau diese zu verwenden. Mit dieser eindeutigen Positionierung schlägt der Versuch der FPÖ fehl, sich als Verteidigerin der Demokratie zu positionieren.

Im Gegenteil, die FPÖ offenbart in ihrer Reaktion auf das bevorstehende Ende des Korporierten-Balls in der Hofburg sehr deutlich ihr problematisches Demokratieverständnis. Demokratie ist, wenn die FPÖ tun und lassen kann, was sie will. Alle, die politisch gegen die FPÖ aktiv sind, sind prinzipiell Antidemokraten. Die FPÖ versteht unter Demokratie, dass nur diejenigen an "ihrer" Demokratie teilhaben dürfen, die dem Volkstumsdenken der FPÖ entsprechen. Die FPÖ versteht weiters unter Demokratie, dass sie nicht an die Wahrheitspflicht gebunden ist und alle herabwürdigen und wüst beschimpfen kann, die ihr nicht genehm sind. Unter einer "echten" Demokratie versteht die FPÖ, dass sie ein Konzept von Demokratie vertreten kann, das mit Demokratie nichts zu tun hat.

Was gut für die Republik ist, schmerzt vielfach die FPÖ, und was gut für die FPÖ ist, schmerzt in erheblichem Ausmaß unsere Demokratie. Es wäre zu kurz gegriffen, diese FPÖ als nicht regierungsfähig zu bezeichnen. In Wahrheit ist die burschenschaftlich durchsetzte FPÖ des Jahres 2012 nicht demokratiefähig. Wer das nicht erkennt und Personen aus dieser Partei in Machtpositionen hievt, wie dies ÖVP und SPÖ etwa beim dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf gemacht haben, handelt in höchstem Maße fahrlässig. Und wer diese Partei in die Regierung holt, setzt die demokratische und rechtsstaatliche Zukunft Österreichs aufs Spiel.

PS: In obigem Text wird niemand beschimpft. Es wird auch niemandem das Recht auf Meinungsfreiheit abgesprochen. Es wird nicht einmal Rechtsextremen das Recht abgesprochen, irgendwo irgendetwas zu feiern. Sobald dieses Feiern jedoch einen politischen Charakter annimmt, und sei es auch nur durch die gewählte Örtlichkeit, so ist es legitim, ja sogar notwendig, das zu einem demokratiepolitischen Thema zu machen. Dennoch wird die FPÖ in ihrem Unverständnis von Demokratie diesen Kommentar als Anschlag auf die Demokratie begreifen. Aus einem einzigen Grund: weil er sich gegen die FPÖ richtet. (Alexander Pollak, derStandard.at, 23.1.2012)

Autor

Alexander Pollak ist Sprecher von SOS Mitmensch, www.sosmitmensch.at

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Posting 1 bis 25 von 209
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rari
00
Markenschwindel ?

FP - Freiheitliche Partei - 1848: Kampf gegen die Zensur, jetzt: die Freiheit immer wieder am National(sozial)ismus anzustreifen
H.C. - früher Artmann - jetzt H.C. Strache
Verfolgung - früher - Aussonderung von Bevölkerungsteilen zur Vernichtung, jetzt: weinende Balldamen die angestänkert wurden.
Leiberl mit Che - früher Che Guevarra - jetzt H.C.
"christliche Werte" - früher: Herbergssuche - jetzt: raus mit den Herbergssuchenden !
usw. usw....ist das die derzeitige "freiheitliche" Ideologie den Menschen ein X für ein U vorzumachen ?

Peter Sichrovsky
113
25.1.2012, 16:55
Volksschulaufsatz

Soll das ein Kommentar sein oder eine Hausübung für den Deutschunterricht in der Volksschule? Eine demokratisch gewählte Partei als Gefahr der Demokratie zu verurteilen - und damit auch ihre Wähler zu denunzieren - ist die üblich präpotente Methode sich intellektuell über die Falsch-Partei-Wähler zu erheben - Demokratie heisst: Wähler überzeugen und ihre Stimmen bei Wahlen zu bekommen. Wenn sie "falsch" wählen ist nicht die Partei schuld, für die sie sich entscheiden.

thinkingplaces
04
27.1.2012, 11:33

Sehen Sie, Sie fahren mit den psychoobskuren Verdrehungen der FPÖ fort. Warum? Weil Sie selbst der FPÖ entstammen.

karnickel
00
29.1.2012, 12:32

Immerhin macht er klar: Für die FPÖ ist Demokratie nichts weiter als Stimmenfang und Wählerködern zwecks Machtergreifung. Das Volk ist dazu da, manipuliert zu werden - damit wir Politiker uns die Taschen füllen und in Saus und Braus leben können.

Andere mögen sich das auch denken. Aber nur ein Effe sagt es laut.

DrSigmundFreud
 
04
24.1.2012, 14:36

solange die "etablierten" parteien heikle themen wie isalm, arbeitslosigkeit, working poor, etc... den blaunen überlassen brauchen wir und den zuwachs am rechten rand nicht zu wundern
leider gibt es in österreich keine linke mehr, der-krone-in-den-a-kriechen ist sicher keine alternative einer kostruktiven solzialpolitik

Mimir
03
24.1.2012, 12:34
"Wehret den Anfängen!"

der Ausspruch wurde so häufig zu unpassenden Gelegenheiten hervorgeholt und damit überstrapaziert.
Zuletzt diente er jenen, welche sich als Linke bezeichnen, nur noch als Eingeständnis eigener Unfähigkeit. Nachdem sich der Strache dieses Aufrufs bedient hat, könnte die reflexartige und beliebige Verwendung etwas gründlicher hinterfragt werden.

iBrain
 
13
24.1.2012, 09:58

Spitzen Artikel Herr Pollak! Dankeschön

shit happens :)
124
24.1.2012, 08:01
Einmal muss damit ja schluss sein!

Dass der Nationalsozialismus ein Teil der Geschichte ist, kann man schwer verneinen. Doch nach Jahrzehnten, wo die wenigsten diese schlimme Zeit auch miterlebt haben, noch immer vehement eine Verbindung dieser Ideologie zu Partein der Gegenwart zu suchen und daraus eine "Story" zu machen. Finde ich masslos übertrieben!
Wo wird in den Medien auch einmal über Extreme Linke, Links-Linke berichte? Kann ja auch nicht wirklich für gut gehalten werden, oder doch? Weil keine Verbindung zu Nazis besteht? Denn manchmal kommt es einen so vor.
Extremismus in was für einer Form auch immer, ist nicht gut. Daher sollte in Zeiten von Bankencrashs, Wirtschaftskrise, ständiger Anstieg der Inflation ein miteinander bestimment sein!

Hans der Wedler
01
28.1.2012, 15:33
Wie oft

Haben Grüne oder SPÖ genau Kommunismus und Linksextremismus relativiert, oder sich geweigert ihn zu verurteilen ? Und wie oft wars bei den blauen mit Faschismus und Rechtsextremismus der Fall ?

Das ist der Grund warum das immer noch ausgegraben wird. Und weil es offensichtlich Leute kümmert was passiert.

Flotte Forelle
04
24.1.2012, 13:50
Eine Frage:

Über welche Extreme Linke, oder Links Linke sollten die Medien ihrer Meinung nach berichten??
Also das linke Parteienspektrum ist in Österreich nicht wirklich vorhanden, daher gibst es auch nichts zu berichten. Falls doch, belehren sie mich bitte eines beseren.

Deweitern glaube ich, dass die Medien schon über die Linke berichten würde falls etwas zu berichten gäbe... Zu Zeiten der linksextremen RAF berichteten die Medien (gott sei Dank) auch kritisch darüber..

skip it
20
24.1.2012, 09:45
ihr nick waren wohl die ersten worte ihrer mutter als sie sie erblickte...

Die Ente Lippens
11
24.1.2012, 13:24
niveau?

Manchester05
30
24.1.2012, 09:02
Hier in diesem Forum

gibt es nur gibt es nur die bösen Rechten und den Schüssel als Feindbild !

mlzt
01
24.1.2012, 08:20

Ihr Nick sagt schon alles. Passiert Ihnen das öfters?

skip it
02
24.1.2012, 07:57
"opa, wer hat eigentlich den 2. weltkrieg gewonnen?"...

..."keine ahnung, aber WIR waren ZWEITE!"

Waish 242
01
24.1.2012, 07:29
bravo!

sehr guter text, weiter so.

wakeup
10
24.1.2012, 08:19
bravo!

sehr gutes posting, weiter so...

systemfehler1
12
24.1.2012, 07:25
Wieder ein Artikel,

den man sprachlich vereinfachen und in der Krone publizieren sollte.
Selten gut auf den Punkt gebracht.
Nur: hier ist er Wasser auf die Mühlen der Leser - die Rechtstrolle ausgenommen - und 95% der Menschen werden solche Ansichten nie lesen dürfen. Die lesen nämlich: Krone, heute, den boulevardisierten Kurier, .......

skip it
51
24.1.2012, 07:50
seit wann saenge der kurier straches lied?...

...oder sind s' gar boes, weil die den faymann so oft in der reiß'n haben?

Vigoleis
33
24.1.2012, 00:57
Grundsätzlich ein sehr guter Artikel. Nur: "Mit dieser eindeutigen Positionierung schlägt der Versuch der FPÖ fehl, sich als Verteidigerin der Demokratie zu positionieren."

Der Versuch misslingt leider nicht bei jenen Wählern, die Demokratie als uneingeschränkte Macht des gesunden Volksempfindens übersetzen und nicht verstehen können, warum niemand das Volk fragen will, ob z. B. die Todesstrafe wieder eingeführt werden soll, das F-liche Lieblingsthema nach drei Bieren. Egal welche Einwände entgegnet werden, z. B. dies widerspreche der EMRK, zivilisatorischen Standards, ec., jedes Gegenargument wird nicht nur, aber auch als Bestätigung einer demokratischen "Ohnmacht des Volkes" interpretiert.

Die Inszenierung der "verfolgenden Unschuld" (K. Kraus; @SterzinOz) als Heilsboten einer "wahren Demokratie" funktioniert beim Zielpublikum.

skip it
40
24.1.2012, 07:53
tangens re. "todesstrafe": sie ueberfordern die leut...

...wo der stammtisch ins gruebeln kommt ist das argument "justizirrtum".

"angenommen, du wirst verhaftet, aufgrund von indizien verurteilt und hingerichtet. nach jahren kommt man drauf, dass der tatsaechliche schuldige falsche faehrten gelegt hat. zu spaet fuer dich."

systemfehler1
21
24.1.2012, 07:28
Nicht nur grundsätzlich gut,

sondern in der Substanz gut.

Ohne Wenn und Aber.

Das diese fiese Strategie bei Modernisierungsverlieren, Soziopathen und ungebildeten, frustrierten Wählern zieht, ist eh evident.
Das ist aber kein Grund, diese Wahrheiten nicht aufzuzeigen.
Also bitte keine seichten Relativierungsversuche starten.

Vigoleis
00
24.1.2012, 16:02

Das war kein Relativierungsversuch, Alexander Pollak hat ja vollkommen Recht, es war nur eine Ergänzung. Mit dem Schmäh der FPÖ als Hüterin der Demokratie stellt sie ihre Gegner nicht nur vor eigenem Publikum als verkappte Stalinisten, gewaltbereite Chaoten usw. dar. Mit der Kritik an sich braucht sich der Herr Strache nicht beschäftigen, nach dem Motto: was scherts die deutsche Eiche, wenn der linke Mob sich an ihr reibt.

Doc Steel
21
24.1.2012, 07:25
brilliante analyse.

witherabbitt
 
32
24.1.2012, 00:39

Genau so ist es! Die trutscherlafte Verlogenheit der rechten Ideologen des Nachtwächterstaates und der Naturdeppennazis der Strache-FPÖ ist die Nämliche! Und in beiden Fällen hält das uninformierte und hysterisierte Publikum diese Verlogenheit für ein Zeichen intellektueller Überlegenheit.

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