2.000 Anleger um 40 Millionen Euro geprellt. 15 Personen sind angeklagt
Wiener Neustadt - 15 Angeklagte, denen 2.183 Betrugsfakten
vorgeworfen werden, 2.000 Geschädigte, 913 Zeugen und ein Schaden von
40 Millionen Euro: Ab 11. April steht dem Landesgericht Wiener
Neustadt nach Tierschützern und Libro der nächste Monsterprozess
bevor - diesmal zum Thema Anlagebetrügereien der "Eurofinanz- und
UnternehmensberatungsGmbH". 50 Verhandlungstage sind zunächst
vorgesehen. Wenn alles nach (Justiz-)Plan läuft, sollte es Ende
Oktober ein Urteil geben.
Hauptangeklagter ist der Endsechziger Horst T. Der Wiener
Neustädter soll in Prospekten mehr als ein Jahrzehnt lang für
Beteiligungen an "innovativen" Produkten geworben haben. So sollen
Anlegern unter anderem Beteiligungen an Internet-Plattformen
schmackhaft gemacht worden sein, die angeblich Steuervorteile bringen
sollten. 2.000 vornehmlich betuchte Personen zögerten nicht lange.
Was sie allerdings erst später erfahren sollten: Die beworbenen
Beteiligungen waren laut Anklage lediglich Fantasiegebilde von Horst
T. und seinen mutmaßlichen Mittätern.
T. war bereits 2009 in U-Haft genommen worden, musste aber nach
zwei Jahren wieder freigelassen werden, weil die U-Haft sonst die
gesetzlich vorgeschriebene Maximaldauer überschritten hätte,
erläuterte Gerichtssprecher Hans Barwitzius. Die Anklage war damals
noch nicht fertig. Neben Horst T. müssen sich nun 14 weitere
Verdächtige ebenfalls wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs vor
Gericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen allen
Strafen von bis zu zehn Jahren Haft.
Im Vorfeld war kolportiert worden, dass der Monster-Betrugsprozess
eventuell in die Wiener Neustädter Veranstaltungshalle Arena Nova
ausgesiedelt werden könnte. Man befürchtete, dass die Säle im Gericht
zu klein für einen Massenandrang von Geschädigten seien. Das erinnert
an den Anlagebetrugs-Prozess "Amis", der 2007 statt im Wiener
Straflandesgericht im Kongress-Zentrum "Austria Center Vienna" (ACV)
durchgeführt wurde. Damals schlossen sich die Geschädigten allerdings
zu Gemeinschaften zusammen, die gemeinsam nur jeweils einen Anwalt
ins ACV schickten. So herrschte buchstäblich gähnende Leere in dem
großen Kongress-Zentrums-Saal. So könnte es auch im
"Eurofinanz"-Prozess sein. Deshalb entschied sich das Wiener
Neustädter Gericht für eine für den Steuerzahler billigere Lösung:
Für die ersten drei Verhandlungstage im April sind zwei Gerichtssäle
für die Causa reserviert, wurde erklärt. (APA)