Küberl will "Eindruck von Wahlgeschäften" künftig vermeiden - Lob für "Unerschrockenheit" des Redakteursrats
Wien - Der mit der Erarbeitung eines Verhaltenskodex für den ORF-Stiftungsrat beauftragte Caritas-Präsident Franz Küberl will Maßnahmen erreichen, mit denen in Zukunft der "Eindruck von Wahlgeschäften" vermieden werden kann. Wie Küberl via Kathpress sagte, sei die Causa Pelinka nur "einen Millimeter vor dem Abgrund beendet worden". Küberl, als Kirchenvertreter selbst Mitglied des ORF-Stiftungsrates, will erreichen, dass dessen Mitglieder künftig erst nach einer Abkühlphase ins Unternehmen wechseln dürfen.
Für Küberl sollte mindestens ein Jahr Abstand sein zwischen dem Ausscheiden aus dem Stiftungsrat und der Übernahme eines ausschreibungspflichtigen ORF-Postens. Kritisiert wurde zuletzt, dass Mitglieder des Stiftungsrates nach der Wiederwahl von Alexander Wrabetz zum Generaldirektor in Führungspositionen des ORF berufen worden waren. Küberl plädiert nun für klare Weichenstellungen: Die jüngsten Anlassfälle sollten die letzten sein, die signalisieren, dass man "auf so eine Weise" zu Funktionen im ORF komme. Da gelte es sich "von einem System zu verabschieden", der Einfluss der Parteien müsse Grenzen haben.
Küberl warnte allerdings auch vor einer Überschätzung des ORF-Stiftungsrates: Dieses Gremium könne immer nur ein "kontrollierendes und reflektierendes Gegenüber der Geschäftsführung" sein. Diese solle von sich aus auf politische Unabhängigkeit achten, wie dies etwa in den Ären der Generalintendanten Gerd Bacher oder Gerhard Zeiler besser gelungen sei, so die Einschätzung Küberls. Lob zollte er dem Redakteursrat: Dieser habe "eine Unerschrockenheit im Umgang mit Macht und Einflussnahme gezeigt, von der sich die ORF-Oberen eine Scheibe abschneiden könnten". Die Kompetenz und das Berufsethos der Redakteure bezeichnete Küberl als das "Fort Knox des ORF", als dessen "Goldschatz". (APA)