Im Kampf um die Kandidatur der Republikaner hat Newt Gingrich in South Carolina über Favorit Mitt Romney gesiegt
Nun ist wieder alles offen in einem Rennen, das bereits entschieden schien.
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"Comeback-Kid", hat er neulich gesagt, könne man ihn ja schlecht nennen angesichts seines schlohweißen Haars. Eher "Comeback-Opa" . Die Geschichte amerikanischer Vorwahlen ist voll von Wiederauferstehungen von Kandidaten, die man bereits totgesagt hatte. Newt Gingrich gelang das Kunststück in South Carolina, wo er 40 Prozent der Stimmen bekam, während sich Mitt Romney als Zweiter mit 28 Prozent begnügen musste.
Es ist der Triumph eines alten Schlachtrosses, eines geübten Debattenredners, der es versteht, verbale Schläge so anzusetzen, dass sie Wirkung erzielen. Gingrich, einst als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der angriffslustige Widerpart des Präsidenten Bill Clinton, hat die republikanische Rechte für sich gewonnen, sie weggelotst vom gottesfürchtigen, braveren Exsenator Rick Santorum. Förmlich besessen von ihrer Abneigung gegenüber Barack Obama, traut ihm die Tea Party am ehesten zu, in harten Rededuellen am Lack des Demokraten zu kratzen. Gingrich, der rhetorische Raufbold.
In abfälligem Ton spricht er vom "besten Lebensmittelmarkenpräsidenten" der Landesgeschichte. Und als ihn ein CNN-Moderator nach seinem Privatleben fragte, drehte er den Spieß kurzerhand um. Diese eingebildeten Journalisten wollten doch nur einem bekennenden Konservativen am Zeug flicken. "Ich habe es satt, dass die elitären Medien Obama schützen, indem sie ständig Republikaner attackieren."
Ehe zu dritt
Angriff als beste Verteidigung - der 68-jährige Politikveteran scheint Erfolg zu haben mit seiner Devise. Dabei plauderte Marianne Gingrich, seine zweite Frau, eben erst aus dem Nähkästchen. Newt habe sie aufgefordert, eine Ehe zu dritt zu akzeptieren, mit ihr und seiner Assistentin Callista Bisek. Als Marianne ablehnte, ließ er sich scheiden.
Schon lange macht der Vorwurf der Scheinheiligkeit die Runde. Während Gingrich seine Beziehung mit Bisek begann, drängte er wortgewaltig darauf, Clinton wegen der Affäre mit Monica Lewinsky und folgender Falschaussagen aus dem Weißen Haus zu jagen.
Doch sobald heute das Wort von der Doppelmoral fällt, bläst der alte Haudegen zur Gegenoffensive, indem er auf den "arroganten Klüngel" in New York und Washington schimpft. Der verstehe das Amerika der kleinen Städte einfach nicht mehr, "die abgehobene Elite will das amerikanische Volk zwingen, nicht mehr amerikanisch zu sein" . Der Protest gegen die Gängelei, so der Kandidat, lasse ihn im Aufwind segeln.
Tatsächlich ist alles wieder offen in einem Rennen, das bereits so gut wie entschieden schien. Romney, der sich nach einem klaren Sieg in New Hampshire bereits auf der Siegerstraße wähnte, wurde buchstäblich deklassiert in South Carolina, der dritten Vorwahletappe. Wohlgemerkt, in einer erzkonservativen Ecke der USA, in der moderate Praktiker wie er nie leichtes Spiel haben.
Rund 60 Prozent der Republikaner des Staats, der im Bürgerkrieg die Hochburg südlicher Sezessionisten war, sind evangelikale Christen. Wie gründlich viele dem Mormonen Romney misstrauen, hat ein Baptistenpfarrer namens Brad Atkins kurz vor dem Votum deutlich gemacht. "Romneys Mormonentum stört mehr als Gingrichs Untreue" . Gläubige könnten Sünden vergeben, aber kaum verstehen, "wie jemand Mormone sein kann und sich trotzdem als Christ bezeichnet".
Es war Gingrich, der von der Skepsis profitierte. Es war Gingrich, der den Firmensanierer Romney als kaltherzigen Kapitalisten porträtierte. Es war der Millionär Gingrich, der den Multimillionär Romney in Verlegenheit stürzte, als er ihn aufrief, seine Steuererklärung offenzulegen. Aber noch zögert Romney damit. Das nährt den Verdacht, dass es Dinge gibt, die er gern verbergen möchte. Die unbeholfene Publicity in Bezug auf das eigene Geld - es ist die Achillesferse des Mitt Romney. Und eine Steilvorlage für seine Rivalen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)