Der Triumph des Comeback-Opas

22. Jänner 2012, 18:49

Im Kampf um die Kandidatur der Republikaner hat Newt Gingrich in South Carolina über Favorit Mitt Romney gesiegt

Nun ist wieder alles offen in einem Rennen, das bereits entschieden schien.

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"Comeback-Kid", hat er neulich gesagt, könne man ihn ja schlecht nennen angesichts seines schlohweißen Haars. Eher "Comeback-Opa" . Die Geschichte amerikanischer Vorwahlen ist voll von Wiederauferstehungen von Kandidaten, die man bereits totgesagt hatte. Newt Gingrich gelang das Kunststück in South Carolina, wo er 40 Prozent der Stimmen bekam, während sich Mitt Romney als Zweiter mit 28 Prozent begnügen musste.

Es ist der Triumph eines alten Schlachtrosses, eines geübten Debattenredners, der es versteht, verbale Schläge so anzusetzen, dass sie Wirkung erzielen. Gingrich, einst als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der angriffslustige Widerpart des Präsidenten Bill Clinton, hat die republikanische Rechte für sich gewonnen, sie weggelotst vom gottesfürchtigen, braveren Exsenator Rick Santorum. Förmlich besessen von ihrer Abneigung gegenüber Barack Obama, traut ihm die Tea Party am ehesten zu, in harten Rededuellen am Lack des Demokraten zu kratzen. Gingrich, der rhetorische Raufbold.

In abfälligem Ton spricht er vom "besten Lebensmittelmarkenpräsidenten" der Landesgeschichte. Und als ihn ein CNN-Moderator nach seinem Privatleben fragte, drehte er den Spieß kurzerhand um. Diese eingebildeten Journalisten wollten doch nur einem bekennenden Konservativen am Zeug flicken. "Ich habe es satt, dass die elitären Medien Obama schützen, indem sie ständig Republikaner attackieren."

Ehe zu dritt

Angriff als beste Verteidigung - der 68-jährige Politikveteran scheint Erfolg zu haben mit seiner Devise. Dabei plauderte Marianne Gingrich, seine zweite Frau, eben erst aus dem Nähkästchen. Newt habe sie aufgefordert, eine Ehe zu dritt zu akzeptieren, mit ihr und seiner Assistentin Callista Bisek. Als Marianne ablehnte, ließ er sich scheiden.

Schon lange macht der Vorwurf der Scheinheiligkeit die Runde. Während Gingrich seine Beziehung mit Bisek begann, drängte er wortgewaltig darauf, Clinton wegen der Affäre mit Monica Lewinsky und folgender Falschaussagen aus dem Weißen Haus zu jagen.

Doch sobald heute das Wort von der Doppelmoral fällt, bläst der alte Haudegen zur Gegenoffensive, indem er auf den "arroganten Klüngel" in New York und Washington schimpft. Der verstehe das Amerika der kleinen Städte einfach nicht mehr, "die abgehobene Elite will das amerikanische Volk zwingen, nicht mehr amerikanisch zu sein" . Der Protest gegen die Gängelei, so der Kandidat, lasse ihn im Aufwind segeln.

Tatsächlich ist alles wieder offen in einem Rennen, das bereits so gut wie entschieden schien. Romney, der sich nach einem klaren Sieg in New Hampshire bereits auf der Siegerstraße wähnte, wurde buchstäblich deklassiert in South Carolina, der dritten Vorwahletappe. Wohlgemerkt, in einer erzkonservativen Ecke der USA, in der moderate Praktiker wie er nie leichtes Spiel haben.

Rund 60 Prozent der Republikaner des Staats, der im Bürgerkrieg die Hochburg südlicher Sezessionisten war, sind evangelikale Christen. Wie gründlich viele dem Mormonen Romney misstrauen, hat ein Baptistenpfarrer namens Brad Atkins kurz vor dem Votum deutlich gemacht. "Romneys Mormonentum stört mehr als Gingrichs Untreue" . Gläubige könnten Sünden vergeben, aber kaum verstehen, "wie jemand Mormone sein kann und sich trotzdem als Christ bezeichnet".

Es war Gingrich, der von der Skepsis profitierte. Es war Gingrich, der den Firmensanierer Romney als kaltherzigen Kapitalisten porträtierte. Es war der Millionär Gingrich, der den Multimillionär Romney in Verlegenheit stürzte, als er ihn aufrief, seine Steuererklärung offenzulegen. Aber noch zögert Romney damit. Das nährt den Verdacht, dass es Dinge gibt, die er gern verbergen möchte. Die unbeholfene Publicity in Bezug auf das eigene Geld - es ist die Achillesferse des Mitt Romney. Und eine Steilvorlage für seine Rivalen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)

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peter schmidt
 
00
23.1.2012, 19:55
Ich habe unten gepostet ich würde noch weitere Umfragen abwarten.Die sind jetzt allerdings eher noch schlimmer für Romney.Bundesweit laut Gallup nur noch 1 Prozent Utnerschied.

Und laut Rasmussen 9 prozent vorsprung für gingrich in Florida. Das waren vor 10 Tagen noch 22 Prozent VOrsprung für Romney.

So etwas hat man eigentlich überhaupt noch nie erlebt.

Dieser Umschwung ist ganz überwiegend einzig und alleine auf die Rolle Romneys bei dieser Ausschlachterfirma Bain und seinen geringne Steuersatz zurückzuführen.

Dem Vernehmen nach setzt auch bereits Obama alles auf die "fairplay" Karte die so zu definieren ist, dass auch die Reichen fair beitragen müssen.

Das ist für USA Verhältnisse beinahe schon Klassenkampf. Seitdem Reagan mit seiner unsäglichen "welfare queen" die Diskussion negativ lenkte zum ersten Mal ein Schlag in die andere Richtung (ausserhalb von linken kleinen Zirkeln). Sehr interessant.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
23.1.2012, 16:50
[insidestory] Der Grund warum so viele von Obama enttäuscht sind:

www.politico.com/politico4... 11869.html

Enrico Knaak
00
23.1.2012, 16:03
Romney Toast?

Die neueste Poll von Insider-A. ist hier verschiedentlich gepostet worden.

Man sollte das mit Vorsicht genießen und erst weitere Umfragen abwarten.

Sollte das auch nur annähernd zutreffen, ist die Romney-Kampagne in einer schweren Krise. Zur Erinnerung: in Florida hat er bei allen Umfragen immer sehr gut ausgesehen. Zuletzt lag er bei über 40 Punkten: So gut wie kaum irgendwo. Sollte er dort tatsächlich verlieren, wo will er dann eigentlich noch gewinnen?

Gingrich sprach vom Knockout- Punch. Das könnte es tatsächlich sein.

Aber wir haben in diesem Rennen schon so viele Wendungen gesehen, hier ist nichts unmöglich.

Romney sollte zuerst die Steuergeschichte offenlegen. Dieses Feuer brennt lichterloh und müsste sofort gelöscht werden.

Enrico Knaak
00
23.1.2012, 18:55
Weitere Umfragen

Rasmussen hat Gingrich ebenfalls 9 Punkte vor Romney.

Ohohoh.

AsaJoe
00
23.1.2012, 15:56
"Doch sobald heute das Wort von der Doppelmoral fällt, bläst der alte Haudegen zur Gegenoffensive..."

In einem Born der Prüderie wie den USA ist schwer zu glauben, dass Gingrich damit durchkommt - noch dazu in der noch etwas prüderen Hälfte der Wählerschaft.

Scheint, als ob die Prüderie des durchschnittlichen Republikaners nur durch seine Bigotterie überboten wird.

"Hypocrisy rulez!"

Der Specht
00
23.1.2012, 15:52

Wieso kandidiert eigentlich der Huckabee nicht? Der würde diese Rep-Kasperln doch alle in der Pfeife rauchen.

Glasperlenspieler
00
23.1.2012, 15:50
Heute schon die 2. Umfrage

die Gingrich in Florida vorne hat (Rasmussen):

http://tinyurl.com/bsm8l8u

Gingrich konnte also einen 25%-Rückstand vor South Carolina in einen etwa 10%-Vorsprung verwandeln.

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
23.1.2012, 15:35
Auch Rasmussen hat Gingrich um 9 Pkt. vor Romney in Fl.

http://www.rasmussenreports.com/public_co... an_primary

Es kann nur besser werden.
10
23.1.2012, 15:28
Ein weiterer Opa gegen Obama

Ich hätte Obama einen schwierigeren Gegner gewünscht.

Vielleicht hätte er dann noch rechtzeitig vor der Wahl wenigstens noch 2,3 seiner zentralen Wahlversprechen der letzten Wahl umgesetzt, pseudohalber.

derunbestechliche
00
23.1.2012, 15:01

Also ich glaube, dass McCain ohne Paulin 2008 durchaus höhere Chancen gegen Obama gehabt hätte.

Ich getraue es mir nicht zu sagen, ob Gingrich oder Romney das Rennen machen wird, obwohl ich ansonsten rel. leichtfertig mit Wetten umgehe. Der Konter von Gingrich auf auf die Fragen zur Ex-Frau, gestellt von CNN-Moderator John King, war jedenfalls hervorragend!

Wenn die Wirtschaft sich nicht wesentlich erholt, glaube ich durchaus, dass Obama Probleme bekommen wird, wiedergewählt zu werden. Nicht einmal in den USA mag man ewige Sprücheklopfer, Blender oder Zauderer.

Obwohl ich nicht unbedingt ein Freund der Republikaner bin, wird, so glaube ich, einer der Beiden der Republikaner wird das Rennen gegen Obama machen - und der nächste Präsident.

Bazinga !
00
23.1.2012, 14:22
Die "Krone" hat auch keine Ahnung:

http://img820.imageshack.us/img820/46... 03992h.jpg

"Bibel-Staat North Carolina"

;-)

Odo
00
23.1.2012, 14:01
Was Mitt Romney nun auch eine Hilfe ist, ist die neue Wahlordnung der Republikaner. So dürfen beispielsweise "winner-takes-all"-Wahlen erst ab April stattfinden. Newt Gingrich spricht ja davon, er wolle in FL gegen Romney zum "K.O.-Schlag" ansetzen.

Wenn es noch die Wahlordnung wie in 2008 gäbe, könnte er das auch. Dann würde wieder Anfang Februar ein "Tsunami-Tuesday" stattfinden, bei dem die Hälfte aller Parteitagsdelegierten oder noch mehr bestimmt werden würden, die meisten im "winner-takes-all"-System. Mit einem FL-Sieg im Rücken wäre dann schon eine Entscheidung zugunsten Gingrichs möglich gewesen.

Nach der neuen Wahlordnung werden aber bis Ende Februar nur etwa 10 % aller Parteitagsdelegierten bestimmt (die meisten im Februar übrigens in MI, dem Geburtsstaat Romneys). In bevölkerungsreichen Bundesstaaten wie CA, NY, PA oder NJ finden "winner-takes-all"-Wahlen erst im April oder später statt.

Romney hätte also selbst bei einer Niederlage in FL noch Zeit, das Blatt zu wenden.

siu
00
23.1.2012, 17:53

also in florida gilt sehr wohl das winner-takes-all prinzip. da florida die primaries vorgezogen hat, sind sie eh schon bestraft, und es scheint so dass diese zusätzliche verletzung keine neuen konsequenzen hat.

http://www.thegreenpapers.com/P12/FL-R#0131

Glasperlenspieler
00
23.1.2012, 14:32
PPP hat dieses Wochenende auch eine Minnesota-Umfrage

durchgeführt und sie haben bereits getwittert, dass Gingrich dort deutlich vor Romney führt:

http://twitter.com/ppppolls/... 2221855744

Und das Obama Romney in Minnesota um Längen schlägt:

http://twitter.com/ppppolls/... 2613583872

...

Sollte Gingrich Florida gewinnen, wird auch Michigan keine "gmahde Wiesen" für Romney sein.

Denn wie Minnesota gilt auch Michigan als "Blue State", die eigentlich deutlich von Romney gewonnen werden sollten.

Romney kann sich also nur auf das kleine Nevada verlassen, da ich glaube, dass sowohl Arizona als auch Colorado hart umkämpft sein werden.

Und was noch viel, viel wichtiger ist: Romney muss in Florida einen Patzen Geld ausgeben - was er eigentlich nicht tun wollte ...

eduard quappil
01
23.1.2012, 12:24
Eine Bibel-Freak als US Präsident?

Das ist Arlarmstufe rot für den Weltfrieden.

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
00
23.1.2012, 12:09

Warum sehen die Ehefrauen eigentlich immer so künstlich aus?

Rudolfo Karellowitsch
00
23.1.2012, 13:40
Interessessanter wäre,

warum kommt dir die Dame "künstlich" vor? Ich persönlich finde sie hübsch für ihr Alter. Hast Du eher Schwierigkeiten dich hübsch herzurichten?

Der Mond ist ein Anzubellender
010
23.1.2012, 10:23
Da tritt ein Mormone...

...an, und er ist nicht der Bigamist. Seltsame Welt.

peter schmidt
 
02
23.1.2012, 11:56
Es wird noch seltsamer. Es tritt Gingrich an und nicht er ist der mit den Steuerproblemen:)

Odo
00
23.1.2012, 12:13

Am seltsamsten ist aber, dass Newt Gingrich gegen die "Eliten in Washington" (zu denen er als ehemaliger House-Speaker selbst gehört) zu Felde ziehen will.

peter schmidt
 
00
23.1.2012, 12:21
Das stimmt er ist eigentlich tres Washington. Da ist sogar Romney noch eher einer aus der Provinz.

sociovation
00
23.1.2012, 10:07
Callista Gingrich

Der Kevinismus erreicht die Chefetagen...

Glasperlenspieler
00
23.1.2012, 10:04
Gingrich geht mit "momentum" nach Florida

Laut brandneuer Insider-Advantage-Umfrage (gestern Abend in Florida durchgeführt) liegt Gingrich 9% vor Romney:

34,4% Gingrich
25,6% Romney
13,1% Paul
10,7% Santorum
2,4% Andere
13,8% Unentschlossen

http://www.realclearpolitics.com/docs/2012... L_0122.pdf

Und auch die PPP-Umfrage, die gestern Abend gestartet wurde, zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend für Gingrich:

"First night of our Florida polling: Romney and Gingrich are neck and neck."

"2 more people picked Mitt than Newt out of about 600 people we polled tonight...that's how close we're talking."

http://twitter.com/ppppolls

Nach der ersten Nacht bei dieser Umfrage liegt Romney um nur 2 Befragte von 600 vor Gingrich, nach 20% Vorsprung vor South Carolina ...

Odo
00
23.1.2012, 12:09
"Gingrich geht mit momentum nach Florida"

Mag sein, aber das dies nicht viel zu bedeuten hat, hat man ja nun erst letzte Woche beim plötzlichen Einbruch von Mitt Romney gesehen.

Im übrigen gabs letzte Woche eine "PPP"-Umfrage, wonach etwa 40 % der republikanischen Wähler in FL den Kandidaten unterstützen würden, den Senator Marco Rubio zur Wahl empfiehlt. Zuletzt hatte Rubio ja erklärt, er würde keinen Kandidaten unterstützen, aber wenn es jetzt eng für Romney in FL wird, gibts vom Parteiestablishment möglicherweise doch Druck auf Rubio seine Meinung zu ändern und ein "Endorsement" zugunsten von Mitt Romney auszusprechen. Senator Rubio ist im übrigen neben Gouverneur Christie ja auch einer der heißesten Anwärter auf die Position des "running mate" von Mitt Romney.

peter schmidt
 
00
23.1.2012, 11:59
Ich würde noch eine 2. Umfrage abwarten. Dieser Insider Advantage ist fast 30 Prozentpunkte günstiger als die anderen vorher.

Das erscheint alles doch sehr krass. Ich schätze mal in ein paar Stunden ist schon die nächste Umfrage da.

Auf Intrade.com stehts 50 : 50:)

Obama ist im übrigen die letzten 3 Tage auf intrade.com von 52 auf 58 Prozent Wahrscheinlichkeit der Wiederwahl gestiegen. Das zeigt schon wie ernst die Sache für Romney ist.

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