Verstecktes Risiko

Italien lastet schwer auf Euro-Partnern

Andreas Schnauder, 22. Jänner 2012, 18:30

Bella Italia steht mit 191 Milliarden bei den Euroländern in der Kreide

Das Aufatmen ist groß, seit die Europäische Zentralbank (EZB) das Geldsystem der Währungsunion mit dreijähriger Liquidität versorgt. Die Banken reichten die billigen Kredite dankend an die Staaten weiter, wodurch sich die Finanzierung der Schuldenstaaten in den letzten Wochen deutlich entspannt hat. Doch risikolos sind die Operationen nicht. Bei der jüngsten Auktion schnappten sich allein die drei größten Geldhäuser Italiens, UniCredit, Intesa und Monte dei Paschi di Siena, 50 Milliarden Euro.

Die Transfers hinterlassen tiefe Spuren im Innenverhältnis der Währungsunion: Die Ausleihungen an Banken in den schwächeren Ländern steigen ständig, die stärkeren Staaten finanzieren die Kredite über ihre Zentralbanken innerhalb des Eurosystems. Diese internen Salden werden im Zahlungssystem "Target2" erfasst.

Mit den neuen Injektionen steht Italiens Zentralbank, die dezentral die Gelder an die Banken des Landes vergibt, nun mit 191 Milliarden Euro bei der EZB in der Kreide. Im August 2011 waren es noch 57 Milliarden. Auf 151 Milliarden Euro mehr als verdoppelt hat sich der negative Saldo der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem. Dazu kommen weiterhin hohe Verbindlichkeiten der aufgefangenen Staaten Griechenland, Irland und Portugal.

Diese vom Münchner Ifo-Institut für den Standard erhobenen Daten zeigen klar, wer die Defizite finanziert:Wie bisher weist Deutschland mit 463 Milliarden Euro die mit Abstand höchsten Forderungen auf. Neu ist, dass die niederländische Zentralbank mit 145 Milliarden zum Großgläubiger aufstieg. Die zusätzlichen Ausleihungen Italiens wurden - vereinfacht gesagt - von Den Haag finanziert. Österreich hält seinen Saldo seit Jahren mit rund 30 Milliarden Euro Minus konstant.

Noch mehr Munition

Die Interpretation der Zahlen ist nicht unumstritten. Kein Zweifel besteht daran, dass die Ausleihungen der EZBein Risiko darstellen und ein Ausfall einer Notenbank auf das gesamte Eurosystem durchschlagen würde. Eine Auffangaktion würde nach dem Kapitalschlüssel der einzelnen Staaten an der Zentralbank erfolgen, meint die Deutsche Bundesbank. Ifo-Experte Timo Wollmershäuser meint hingegen, dass Deutschland und die Niederlande im Falle einer Insolvenz oder eines Euro-Austritts eines Schuldners auf ihren Forderungen sitzenbleiben würden.

Unabhängig davon dürfte die EZB ihr Waffenarsenal noch nicht ausgeschöpft haben. Sollten neue Schockwellen die Währungsunion erfassen, werden zusätzliche Interventionen der Notenbank erwartet. Dass sich die Frankfurter Währungshüter dann wieder stärker der Staatsfinanzierung widmen dürften, hängt mit dem Fiskalpakt zusammen, den 26 EU-Partner (ohne Großbritannien) gerade endverhandeln und der beim Finanzministertreffen am Dienstag abgesegnet werden soll.

Die stärkere und rechtlich verbindliche Budgetkonsolidierung wird als Auflage von EZB-Präsident Mario Draghi gesehen, die ihm eine Ausweitung der Ankäufe staatlicher Schuldverschreibungen ermöglicht. Dieser "unausgesprochene Konsens" , wie es ein Experte in Brüssel formuliert, könne von der EZBmit dem Ziel der Finanzmarktstabilität argumentiert werden.

Beim Fiskalpakt verpflichten sich die Mitglieder, das Defizit auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen und die Schulden in Richtung 60 Prozent abzubauen. Das Abkommen sieht bei Verstößen Strafen von 0,1 Prozent des BIP vor, was Österreich rund 300 Millionen Euro kosten würde. Ebenfalls vorgesehen sind Schuldenbremsen, wobei diese nun doch nicht verpflichtend in der Verfassung verankert werden müssen. Von einer Verwässerung sprechen Verhandler dennoch nicht, weil manche Länder nur fundamentale Prinzipien in ihre Grundgesetze aufnehmen, andere - wie Großbritannien - über gar keine geschriebene Verfassung verfügen.

Kommission im Abseits

Im Unterschied zu früheren Vorlagen kann das Höchstgericht nur von einem Mitgliedsstaat angerufen werden, nicht aber von der EU-Kommission. Als Kernelement des dem Standard vorliegenden Entwurfs gilt, dass ein Verfahren gegen einen Budgetsünder nur mit qualifizierter Mehrheit abgeschmettert werden kann.

Trotz der zuletzt erzielten Fortschritte wird noch heftig um Details gerungen. Frankreich etwa soll laut Verhandlern Probleme mit der Einbindung des Europäischen Gerichtshofs haben. Mehrere Staaten sind gegen Geldstrafen. Italien wiederum wehrt sich gegen die Einleitung eines Verfahrens wegen des Schulden-Kriteriums. Bewegung gibt es auch bei der Finanztransaktionssteuer. Um die gesamte EUins Boot zu holen, plädiert Deutschlands Wirtschaftsminister Philipp Rösler für eine Börsenumsatzsteuer. Ein Regierungssprecher in Berlin reagiert positiv. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)

Kommentar posten
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walter zizelsberger
00
24.1.2012, 02:13
Gelebte, gleichwertige Solidarität oder Missbrauch?

...dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann die ÖNB mit einer Aufstockung der "Target2" -Ausleihungen, Deutschland und Holland" (vorausseilend?) nachfolgt. Das wäre dann eine Zahlung von ca.10% der deutschen Bundebank, also vorerst 46Mrd Euro - statt bisher 30Mrd Euro.

Schöne Aussichten! Es gilt für diese Zeiten das bewährte Motto: "Alles ist möglich, mich wundert nichts mehr..."

Waran
00
23.1.2012, 17:58
Schulden sind nicht die Ursache!

Volkswirtschaftlich gesehen wird Geld nur geschaffen, wenn die Gesamtkreditaufnahme der Gesellschaft (Staat, Wirtschaft und Haushalte zusammen) größer ist als die Gesamtkredittilgung, wenn also eine positive Nettogesamtkreditaufnahme stattfindet.

Moralapostel
 
01
23.1.2012, 16:45
Sollte man es nicht so sehen?

Hollaendische (und freilich erst recht deutsche) Banken ziehen sich aus italienischen (bzw. suedeuropaeischen) Staatsanleihen zurueck. Mangels geeigneter Investitionsmoeglichkeiten parken sie das Geld bei der EZB. Italienische Privatbanken borgen sich ("frisch gedrucktes") Geld bei der EZB aus und investieren es teilweise in italienische Staatsbonds. Dieser "Investionsstreik des Nordens" wird dadurch verschaerft, dass suedeuropaeische Investoren ihr Geld aus suedeuropaeischen Staatspapieren und Banken abziehen und in nordeuropaeische Banken oder Bonds anlegen.

Moralapostel
 
01
23.1.2012, 17:29

...wenn diese Sichtweise richtig ist, müsste man dann nicht die Überschrift des Artikels als tendentiös bezeichnen?

dr.no3
02
23.1.2012, 11:21
alles geld der EZB is kredit

würde niemand schulden machen bei der EZB
die euro geldmenge wäre 0

higgs - wozu?
21
23.1.2012, 11:25

und würden wir alle schulden zurückzahlen wär sie ebenfalls 0 - das system ist so dermaßen geil, daß man nur mehr drüber lachen kann wärend man sich gleichzeitig in den hintern beißt, weil man es erst jetzt durchschaut hat, und der betrug, die pyramidenspielcharkteristik erst jetzt offensichtlich wird, wo man sich mal näher damit beschäftigt

C2H6O
00
23.1.2012, 11:52

Hast du eine bessere idee wie man Geld in Umlauf bringt? Das ganze ist ja grunstäzlich kein Problem, solange alle Kreditnehmer die Kredite wieder zurückzahlen (können). Leider haben viele Banken einigen Ländern, welche über ihre verhältnisse leb(t)en, immer wieder Kredite gegeben welche sie nun nicht mehr zurück zahlen können.

buena1vista1
01
23.1.2012, 16:42
Mag ja sein ....

aber machen sich die Banken KEINE Gedanken darüber, dass mit nicht unendlich viel Geld verborgen kann, weil es dann nicht zurückgezahlt werden kann.

Sollte man nicht rechtzeitg (!) den Hahn abdrehen???

dr.no3
00
23.1.2012, 13:22
hubschrauber

Andreas Prucha
00
23.1.2012, 12:58

Die einfachste und logischste Variante wäre: Über den Staat, gleichmässig verteilt - beispielsweise in Form einer Negativsteuer.

higgs - wozu?
21
23.1.2012, 12:02
erstes problem:

wenn geld nur durch kredit in umlauf kommt, und dieser kredit verzinst ist, KANN die schuld niemals getilgt werden - das geht rein mathematisch nicht.

zweites problem: wenn das geld verzinst ist, wächst seine menge automatisch an und ist irgendwann ungedeckt, weil die wirtschaft, welche zur deckung dient, nicht im gleichen maße wachsen kann und auch nicht sollte (resourcenvernichtung)

lösung: die geldmenge gehört fix an die wirtschaftsleistung, die menge an waren und dienstleistungen, die ja mit diesem geld gekauft werden sollen, gekoppelt - damit hast du eine stabile währung, in der ein brot heute 2 euro und in hundert jahren auch 2 euro kostet.
das geld wird als kostenloses (zinsloses) hilfsmittel durch die wirtschaft in umlauf geb

C2H6O
00
23.1.2012, 14:02

Zinsen lassen die Geldmenge nicht anwachsen. Und auch das Tilgen der schuld funktioniert mit Zinsen.

higgs - wozu?
00
24.1.2012, 09:04

natürlich lassen zinsen die geldmenge wachsen - auch die zinsen werden ja in geld bemessen, in ZUSÄTZLICHEM geld zur vorhandenen geldmenge, also steigt die gesamtmenge immer, weil aus der steigerung der menge die zinsen bezahlt werden.

C2H6O
00
24.1.2012, 09:41

Mal eine idee:

Ich leihe ihnen 1000Taler und will diese mit Zinsen zurück, da dies der einzige Kredit in Taler ist gibt es auch nur diese 1000Taler. Und jeden Monat zahlen sie 110 Taler zurück, wovon 10Taler für Zinsen sind.

Nach dem ersten Monat geben sie mir 110 Taler, 10 behalte ich, die anderen 100 werden als Rückzahlung betrachtet.

Stand nach dem ersten Monat:
Forderung 900Taler
Umlauf: 900Taler (890 im Besitz von ihnen und 10 im Besitz von mir)

Hier gibt es weder eine Geldsteigerung durch Zins, noch eine nicht begleichbare Forderung.

cupiduso
00
24.1.2012, 17:04

Ein erklärendes Beispiel:
Ich geh zum Herrn Dominik und putze bei diesem für 2h. Er gibt mir kein Geld dafür, sondern stellt mir einen Schuldschein für 2h putzen aus. Da seine Integrität nicht in frage steht, geh ich in mein dorf und löse diesen schuldschein für etwas anderes ein. Dieser schuldschein geht quer durchs dorf und jeder handelt damit. Eines tages kommt eine dritte person und verlangt von Dominik die 2h putzen einzulösen. Die schuld ist getilgt, das papier wird zerissen und löst sich in nichts auf.
analog auf das geldsystem anzuwenden, nur wie schon oft erwähnt, werden die zinsen vergessen, die noch zusätzlich dazukommen, eine entschuldung im ganzen ist also unmöglich und nicht erwünscht

higgs - wozu?
00
24.1.2012, 16:59

da hast dich aber irgendwie verrechnet, befürchte ich - wenn es nur 1000 taler gibt, und ich dir jedes monat 110 davon zurückgebe, 9 monate lang, hab ich 990.-- zurückgezahlt, und nur noch 10 taler sind im umlauf - nachdem du, wie üblich, zinsen verlangst - sagen wir 5 %, hab ich nach einem jahr eine restschuld von 60 talern = 990 + 60 = 1050.--
ich hab aber nur mehr 10, und es sind auch nur mehr 10 im umlauf.

die steigerung der geldmenge sind dann die 50.-- zinsen, welche auch gleichzeitig die nicht begleichbare forderung darstellen, weil es die 50 gar nicht gibt, und ich sie mir abermals ausborgen müßte um mich zu entschulden - jetzt schuld ich aber wieder 50 + zinsen - die rechnung geht nicht auf

C2H6O
00
24.1.2012, 18:33

Nach 9 monaten hast du 990 Zurückbezahlt (davon 900 Kreditrückzahlung und 90 Zinsen)
Somit sind noch 100 Taler Forderung offen. Dein Argument ist nun dass nur noch mehr 10 Taler im Umlauf sind und diese Forderung niemals beglichen werden kann. Was du aber übersiehst sind die 90 Taler der Bank, welche sie durch Zinsen bekommen hat. Wenn man die mit einbezieht sind wir wieder bei:
schuld (100 Taler Forderung) = geld (10 Taler von dir + 90 Taler der Bank)
Keine Geldsteigerung und auch keine unbegleichbare Forderung. Das einzige was zu beachten wäre das ein Tilgen aller Schulden auch alles Geld "vernichten" würde und somit nur funktioniert wenn ALLE ihr GESAMTES Geld hergeben. Wenn nur einer einen Taler versteckt wäre das nicht mehr möglich.

Toxo Logic
 
21
23.1.2012, 12:54

Ihr System funktioniert nur unter einer beinharten Diktatur mit versklavten Arbeitnehmern...............

higgs - wozu?
00
24.1.2012, 08:54

das was du erwähnst haben wir bereits - das gegenteil wär der fall.

Nichtschweiger
 
21
24.1.2012, 09:20
Hast du schon einmal vom Kruger Dunning-Effekt gehört?

http://de.wikipedia.org/wiki/Dunn... ger-Effekt

cupiduso
01
23.1.2012, 12:07

oder weniger wissenschaftlich ausgedrückt, umlaufgesichertes geldvermögen, das druckrecht des geldes wird wieder in die hände des volkes gegeben, und wenn du sparen / dem system geld entziehen willst, muss man dafür eine gebühr zahlen,
wenn du jemand mit deinem geld einen kredit gibst, würde dieser die gebühr für dich übernehmen, beide seiten stehen sich auf augenhöhe gegenüber!

auch aus meiner persönlichen naturwissenschaftliche perspektive wäre das ein wahnsinn, da dadurch ein unvorstellbar großer raum für innovationen geboten würde

Nichtschweiger
 
20
23.1.2012, 15:17
Also ehrlich - wann wacht ihr endlich auf?

Der Unsinn den ihr hier denkt tut ja körperlich weh.

Lasst es euch gesagt sein - so wie ihr euch das vorstellt wird es nie und nimmer sein! Halte jede Wette!

http://diepresse.com/home/wirt... e/index.do

C2H6O
00
23.1.2012, 14:01

Nur erklärt das noch immer nicht wie man Geld ohne Kredite in umlauf bringt.

higgs - wozu?
01
24.1.2012, 09:02

das geld wird natürlich weiterhin durch investitionen in umlauf gebracht - das geld wird aber mithilfe simpler mechanismen in umlauf gehalten - der entzug aus dem system, das parken von geld wird nicht mehr mit zinsen belohnt sondern mit einer gebühr versehen, die die kapitalhalter durch investition vermeiden können. natürlich gibt es weiterhin kredite, diese sind aber ebenfalls unverzinst, die kosten der kreditabwicklung werden mit einer einmalgebühr bezahlt, der kreditgeber hat den vorteil, daß er die lagergebühr vermeidet, der kreditnehmer den vorteil, daß er nicht doppelt soviel zurückzahlen muß wie er sich ausgeborgt hat.
die geldmenge ist fix an die wirtschaftsleistung gekoppelt und der wert des geldes stabil

Nichtschweiger
 
10
24.1.2012, 09:15
Du bist zwar offensichtlich gerade aufgestanden....

...aber aufgewacht bist du immer noch nicht!

Du kannst den selben Quatsch auch noch 1000000 mal posten - letztendlich wirst du dich mit dem derzeitigen System abfinden müssen!

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