Kommentar von Christoph Prantner

Gingrich newtralisiert Romney

Kommentar | Christoph Prantner, 22. Jänner 2012, 17:56

Im Vorwahlkampf der Republikaner kommt doch noch so etwas wie Spannung auf

Mitt Romney hat die bisher schlechteste Woche seiner Wahlkampagne hinter sich gebracht. Sie war garniert mit Vorwürfen, dass er als Multimillionär weniger Steuern zahle als die Durchschnittsamerikaner. In Iowa entzog ihm die dortige republikanische Partei den so enthusiastisch gefeierten Vorwahlsieg. Und nun erlitt er in South Carolina, wo er vor wenigen Tagen in Umfragen noch weit voranlag, eine demütigende Niederlage gegen Newt Gingrich. Das Ergebnis ließ Analysten zu dramatischen Metaphern greifen: "eine politische Nahtoderfahrung" .

Auch wenn man nicht so überschießend formulieren möchte, sicher ist: Gingrich hat Romney sozusagen newtralisiert. Er hat seinen Zug zur Nominierung unterbrochen, seinem in den US-Wahlkämpfen vielbeschworenen Momentum die Luft ausgelassen, den Ex-Gouverneur und Manager wieder auf einen Normalkandidaten-Status geschrumpft. Anders gesagt: Er hat den Vorwahlkampf der Republikaner wieder spannend gemacht.

Gingrich repräsentiert all das, was Romney nicht ist: Er ist zornig, schlagfertig, witzig und nicht nur in der Lage, sondern auch willens, wenn nötig gnadenlos mit Dreck auf andere zu werfen. Er hat Leidenschaft. Er schimpft auf "Elite-Medien" und seift sie gleichzeitig ein. Und erstaunlicherweise schafft Gingrich es, obwohl er im Gegensatz zu Romney sein halbes Leben in Washington verbracht hat, seinen Gegner als den Kandidaten des Establishments aussehen zu lassen und protestgestimmte Parteigenossen für sich einzunehmen.

In South Carolina hat Gingrich in allen relevanten demografischen Gruppen gegen Romney gewonnen. Auch bei den Frauen, Religiösen und Fiskalkonservativen. Dass seine Ex-Frau Marianne wenige Tage vor der Wahl ein Interview gab, in dem sie Gingrich als ehebrechenden Lüstling darstellte, konnte ihm nichts anhaben. Genauso wenig blieb an ihm hängen, dass er insgesamt 1,6 Millionen Dollar vom US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac als Honorar annahm, der in der Subprime-Krise mit Milliarden und Abermilliarden Staatsgeld gerettet werden musste. Viele Beobachter glauben deswegen, der Brachialwahlkämpfer könne sich nur selbst, durch eine unbedachte Äußerung, ein Bein bei den Primaries stellen.

Dennoch: Auch nach South Carolina, der Favorit für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Grand Old Party bleibt Mitt Romney. Gingrich hat trotz einer Cash-Infusion durch den Milliardär Sheldon Adelson deutlich weniger Mittel zur Verfügung als sein schwerreicher Rivale. Dazu betreibt Romney einen viel größeren Apparat, der auf längere Fristen ausgerichtet und bereits in Bundesstaaten aktiv ist, die Gingrichs Leute noch wenig bis gar nicht beackert haben. Daneben will Romneys Kampagne, so ließ sie am Wochenende zumindest durchklingen, den Angriffen auf dessen Steuermoral durch die Offenlegung von Dokumenten möglichst bald die Spitze nehmen.

Florida, die nächste Station der Vorwahlen, ist als Bundesstaat deutlich heterogener als South Carolina. Dort wird es nötig sein, Unabhängige, Pensionisten und Hispanics als Wähler anzusprechen. Für Romney wird es einfacher werden als in einem klassischen Südstaat. Gingrich wird mit einer noch schmutzigeren Kampagne gegenhalten und der Abstimmung eine Art Endspielcharakter geben: High Noon im Sunshine State. Republikanische Langeweile, das war einmal. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)

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12 Postings
Oddo Wolf
00
28.1.2012, 05:12

"eine politische Nahtoderfahrung"

Das hat Potential zum Unwort des Jahres 2012 zu werden.

anna kinsky walker
00
23.1.2012, 18:08
nebenbei

warum ist der kommentar trotz mangelnder posts noch immer an so prominenter stelle?

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
23.1.2012, 16:55
+++ Rand Paul detained by TSA after body scan anomaly +++

www.politico.com/blogs/bur... 11885.html

marcopolo1971
 
01
23.1.2012, 15:06

Für dieses Wortspiel gehört er ins Gefängnis geworfen.

Der Ruhestifter
 
34
22.1.2012, 23:53
Schaut gut aus für obama!

Die exoten haben sich als exodioten erwiesen und eliminiert. Santorum und paul spuken noch ein wenig, werden aber auch bald in der verdienten versenkung verschwunden sein. Dann bleiben zwei alte männer aus dem establishment, die einander schmutzkübel über den kopf leeren.
Wenn die wirtschaft nicht vor den wahlen kollabiert, müsste das für obama zu schaffen sein.

mikromalist
 
01
23.1.2012, 11:07
Sehe ich auch so.

R ist nicht authentisch, er lügt gegen seine eigenen Taten. Das geht mittelfristig nicht gut.

G ein vordergründig zentralbürokratischer Politiker. Viele Reps sind diesen gegenüber sehr misstrauisch.

B.Kiddo
13
22.1.2012, 23:52
Republikanisches High Noon

Die republikanischen Kandidaten knallen sich im Vorwahlkampf verbal gegenseitig ab und liefern den Demokraten und Obama gleich die nötige Munition für den Showdown am 6. November freihaus - gut so!

Walter Bimini
10
23.1.2012, 09:27
wenn obama intelligent wäre, würde er gar nicht mehr antreten.

denn bei der letzten wahl hat er nicht gewußt wie pleite die usa ist, aber jetzt sollte er zumindest in groben zügen bescheid wissen. der job des masseverwalters der usa wird so lustig nicht sein.

mikromalist
 
01
23.1.2012, 12:59
Gewänne er hoch (und wären beide Häuser Dem-inant),

könnte er den Reps für länger den Zahn ziehen.
Denn trotz irrwitziger Schulden liegt das Sanierungspotential in USA viel höher.

Bei ihren Steuer gibt es (im Gegensatzt zur EU) noch viel Luft nach oben (allein MWST). Militärausgaben und andere Gross-Subventionen, ....

Günther Hase
 
00
23.1.2012, 13:26
prinzipiell haben Sie Recht

... die USA hat großes Potential. Allerdings kämen die erwähnten Maßnahmen der "Einführung des Sozialismus" gleich - das ist schlichtweg undenkbar.

Was Jahrzehntelang Medizin war, wird nun zum Gift für die USA.

mikromalist
 
01
23.1.2012, 13:28
USA sein, heisst vor dem

Kollaps 180° umzudrehen.
Deutsch sein heisst, eine Sackgasse bis zum Ende gehen ;)

Günther Hase
 
00
23.1.2012, 13:38
Trifft Beides auf mich nicht zu

... kann ich daher nicht beurteilen. Aber ich denke bei Erstgenanntem würden die meisten Amerikaner abwinken. Das Einzige was noch unamerikanischer ist als Steuererhöhungen, ist Flip-Flopping ;-)

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