FP-Neujahrstreffen

"Die Bundesregierung ist nicht unbedingt ein Ziel"

Interview | 22. Jänner 2012, 17:35
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    foto: ap/joensson

    "Ich will heute nichts mehr mit dieser Art Politik zu tun haben, weil die Politik entrückt ist und kein Gespür mehr für die Leute hat."

Während Strache in die Regierung drängt, mahnt der Salzburger FP-Obmann zur Vorsicht - Schwarz-blaue habe viel zerstört

Standard: Sie betonen gern, kein Politiker zu sein. Als Landesparteiobmann sind Sie schon 20 Jahre im Amt und 20 Jahre Berufspolitiker. Ist das glaubwürdig?

Schnell: Ich war nur eine Periode Berufspolitiker, sprich Landesrat, und wurde dann 1997 verfassungswidrig und mit Gewalt abgewählt. Ich will heute nichts mehr mit dieser Art Politik zu tun haben, weil die Politik entrückt ist und kein Gespür mehr für die Leute hat.

Standard: Als Landtagsklubobmann bekommen Sie doch ein gutes Gehalt.

Schnell: Richtig, ich habe aber nie in meinem Leben etwas unrechtmäßig eingeschoben.

Standard: Sie werden bei den Landtagswahlen 2014 wieder als Spitzenkandidat antreten. Ihr Wahlziel?

Schnell: Gewinnen. Wir hatten 2009 das Handikap, dass die Spaltung FPÖ/BZÖ zu frisch war. Jetzt werden wir die Ernte einfahren.

Standard: Soll die FPÖ in die Landesregierung?

Schnell: Wenn sich etwas ändern soll, geht es nicht anders. Ich persönlich werde aber nicht in die Regierung gehen. Man kann auch in anderer Position der Dirigent sein.

Standard: Gilt der Wunsch, in die Regierung zu kommen, auch für die Bundesregierung?

Schnell: Für mich ist die Bundesregierung nicht unbedingt ein Ziel. Es kann auch sein, dass ich es in der Opposition besser machen kann, weil ich in der Regierung keine Chance habe. Ich sage das auch in Richtung Strache: Was hilft es, wenn ich in der Entscheidungsgewalt bin, aber es ist kein Geld mehr da, und alle Entscheidungen werden irgendwo anders, in Brüssel, gefällt? Ich habe oft das Gefühl, jeder will in die Regierung. Dann sind sie ein paar Jahre in der Regierung und stopfen sich die Taschen voll. Zum Schluss hauen sie ab. Bestes Beispiel ist Karl-Heinz Grasser.

Standard: Bietet sich für Sie ein Koalitionspartner an?

Schnell: In Salzburg sind beide Parteien, SPÖ und ÖVP, offen. Da gibt es keine Ressentiments gegenüber der FPÖ.

Standard: Sind auch im Bund beide Koalitionsoptionen machbar?

Schnell: In meinen Augen sowieso. Wir müssen mit beiden Parteien reden und schauen, mit wem kann ich am meisten umsetzen. Ich befürchte aber, dass das in vielen Fällen gar nicht geht. Wir haben das bei der Koalition ÖVP-FPÖ gesehen. Wir haben nur Strukturen zerstört und nichts aufgebaut. Wir haben das Gegenteil von dem getan, was die FPÖ immer propagiert hat.

Standard: Sie haben beim Neujahrstreffen gesagt, Sie wollen mit Brüssel brechen. Ist der Austritt aus der EU eine Option?

Schnell: Der Austritt ist eine schwierige Sache. Ich würde darauf drängen, dass wir uns nicht einem EU-Finanzdiktat unterwerfen und schauen, dass wir - Österreich, Deutschland, Holland - nicht für alle zahlen müssen. Wenn das nicht funktioniert und Österreich in Gefahr ist, alles zu verspielen und auf Generationen ein Finanzdebakel zu erleiden, dann bin ich auch für den Austritt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)

Karl Schnell (57) ist Landesparteiobmann der FP Salzburg. Bei der Landtagswahl 2009 erreichte die FPÖ 13 Prozent. Schnell arbeitet als Arzt in Saalbach-Hinterglemm.

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alpentiger
00
Ich finde auch, dass Verantwortung übernehmen kein FP-Ziel ist ....

da gibt es ja das Vorbild FDP, die sich von 18 % auf 3 % reduziert hat, dass wirklich nur mehr der eigene Spiegel am Verhandlungstisch Platz hat.

man in a suitcase
00
27.1.2012, 01:25

"Gespür für die Leute"

Bedeutet was für den Herrn Schnell? Etwa bei einer Angelobung des Bundesheers als Redner leidenschaftlich über "die Zivildiener" herzuziehen (Goldegg, 1997). Jaja, das waren halt noch gute Zeiten.

Hump, Dump.

man in a suitcase
00
27.1.2012, 01:30

Korrektur: '96.

man in a suitcase
00
27.1.2012, 01:18

In der Bundesregierung hat diese Vollferdlpartei auch überhaupt nichts verloren - und das wissen sie selbst. Die Vollferdln machen es sich daher auf der Oppositionsbank bequem und rülpsen die übliche Klientelpolitik raus. Ja, mit so am Schas ko ma Göd vadiena.

less talk more rock
00
26.1.2012, 17:45
"Wir haben nur Strukturen zerstört und nichts aufgebaut"

Dass ich diesen erschreckend wahren Satz einmal aus diesem Mund hören würde ist schon ein kleines Weltwunder...

tignosa
21
23.1.2012, 12:35
... lieber gleich R****kanzler, oder was?

Bäwägung klingt akademischer als Bewegung
02
23.1.2012, 12:12
"Dann sind sie ein paar Jahre in der Regierung und stopfen sich die Taschen voll. Zum Schluss hauen sie ab. Bestes Beispiel ist Karl-Heinz Grasser."

Ja - so war es schon einmal und so wird's wohl wieder laufen.
Nur lernen die Wähler leider nichts dazu.

noexist
 
14
23.1.2012, 11:55

Was nützt es uns, wenn wir in der Regierung sind und dort Realpolitik machen müssten. Da hetzen wir doch lieber aus dem Hintergrund!

Resilienzfaktor
00
26.1.2012, 15:46

ich würde ja gern sagen: das ist mir eh lieber, das verkraften wir schon...eine stabile demokratie muss sowas aushalten.

aber der punkt ist doch, das verkraften wir nur dann, wenn vp und sp sich nicht in diesem maße von den zwischenrufen durch die gegend jauken lassen. die fp hatte jetzt 30 jahre zeit, ihre gesellschaftsvision zu verspritzen und musste sich kaum die finger mit realpolitischer verantwortung verbrennen: der polit. mainstream wurde nach rechts getrieben, gleichzeitig konnte man - meistens konnte man bequem von der oppositionsbank aus - seinen senf unter markigem etikett in die zeitungen und röhren respektive flatscreens schmieren.
ob die fp oder irgendwelche anderen parteien blaue politik machen, ist schon wurscht...

UserEpsilon
00
23.1.2012, 10:56
Ich versteh nicht wie man gegen

mehrsprachigen Unterricht in 2 oder am besten sogar noch dausend anderer Sprachen schon ab dem Kindergarten ist...in dem staduim lernt man genau sowas am besten!

UserEpsilon
00
23.1.2012, 10:57
sein können tut man eh

es ändert halt nur nix.

albertalbert
32
23.1.2012, 10:55
Wenn ich es richtig verstehe

meint er, dass auch Stache & die FPOE nur in die Regierung will um sich die Taschen moeglichst schnell vollzustopfen. Er hat vollkommen recht dass schwarz blau nur zerstoert hat und nahezu in allen Bereichen korrupt war. Strache will das System offenbar fortsetzen - gegen Gruppen hetzen um davon abzulenken das sich die FPOE aus Steuergeldern bereichert.

skip it
00
23.1.2012, 10:43
der fuchs und die hohen "sauren trauben". zit: "Die Bundesregierung ist nicht unbedingt ein Ziel"...

The Tiburtius
00
23.1.2012, 09:55
Die sind noch nicht einmal gewählt...

...und schon fangen sie an sich gegenseitig zu zerfleischen....

Leo Laokoon
01
23.1.2012, 09:55
Berufspolitiker!

Wo kann man das lernen? Gibts da auch eine Lehrabschlußprüfung oder Meisterprüfung?
Oder gibts dafür auch einen Lehrstuhl an der Uni?

Gibts alles nicht? Nein?

Warum dann "Berufs"politiker?

Und warum dürfen Politiker mit Leuten die ihren Beruf ordentlich gelernt haben anschaffen?

Wo sie doch eigentlich, betrachtet man ihre "Ausbildung", nur Hilfsarbeiter sind?

less talk more rock
00
26.1.2012, 17:48

Naja, ein Studium gäbs da schon. Aber stimmt schon, da werden keine Politiker produziert. Das mit dem Ausbildungsweg gilt aber dann auch für Journalisten. Hüst.

shaki1
11
22.1.2012, 23:39

Ein Beruf(!) neben einer politischen Tätigkeit, scheint nicht schlecht zu bekommen.

Section Control
53
23.1.2012, 08:40
Weswegen Grüne und andere keinen Beruf vorweisen können

readymate
00
23.1.2012, 09:32
Weswegen

können "Grüne und andere keinen Beruf vorweisen"...?

.

Izmir Übel
010
22.1.2012, 23:21
Ich habe oft das Gefühl, jeder will in die Regierung. Dann sind sie ein paar Jahre in der Regierung und stopfen sich die Taschen voll. Zum Schluss hauen sie ab. Bestes Beispiel ist Karl-Heinz Grasser.

Respekt an Herrn Schnell - obwohl ein FPÖler - für diese Aussage...

Reich sein muss sich lohnen!
01
23.1.2012, 09:21

Tja, als FPÖler muss man es schließlich wissen...

Waran
18
22.1.2012, 21:17

Ein durchaus solides Interview, mit einem Mann der relativ ungeschönt auf eine für die FPÖ nicht gerade ruhmreiche Vergangenheit zurückblickt!

Cuchullain
01
23.1.2012, 08:14
Herr Schnell dürfte ...

... durch den Vollbrand seines Hotels ein bisschen geläutert worden sein?

tignosa
00
23.1.2012, 12:37
"warm abgetragen"?

Hans Vogel
00
22.1.2012, 21:09
Nicht Bundeskanzler

will Strache werden, sondern EU Präsident!

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