Von Polizist erschossen

Benno Ohnesorg womöglich gezielt ermordet

22. Jänner 2012, 17:26

Polizisten sollen Spuren verwischt haben

Hamburg - Die Westberliner Polizei hat laut Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" womöglich die Hintergründe des tödlichen Schusses auf den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 vertuscht - um den Todesschützen Karl-Heinz Kurras zu schützen. Der Kriminalbeamte Kurras habe den Schuss offensichtlich unbedrängt aus nächster Nähe und umgeben von mehreren Polizisten abgegeben, berichtete das Magazin in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf neue Ermittlungen der deutschen Bundesanwaltschaft und eigene Recherchen.

Kurras hatte sich hingegen auf Notwehr berufen und beteuert, er sei von Demonstranten mit Messern bedroht worden. Eine neue Auswertung alter Filme und Fotos mittels hochauflösender Abtastung zeige jedoch, dass dies nicht den Tatsachen entspreche, berichtete der "Spiegel". So sei auf einer bislang unbekannten Filmsequenz zu sehen, wie ein Mann mit ruhigen Schritten in Richtung Ohnesorg geht, während sich in seiner Hand ein pistolenförmiger Gegenstand abzeichnet. Die Ermittler stellten dazu dem Bericht zufolge fest: "Die Konturen legen dabei nahe, dass es sich um Kurras handelt."

Schuss aus kurzer Distanz

Zudem hatte laut "Spiegel" der damalige Einsatzleiter als Kurras' Vorgesetzter erklärt, er habe den Schützen erst erheblich später gesehen. Nun zeigen dem Bericht zufolge Fotos den leitenden Beamten der Berliner Polizei wenige Meter von der Stelle entfernt, an der Kurras aus kurzer Distanz den Schuss abfeuerte. Ein weiteres Bild zeigt demnach den Einsatzleiter, den verwundet am Boden liegenden Ohnesorg und in unmittelbarer Nähe auch den Todesschützen Kurras.

Auf einem weiteren bisher unbekannten Bild ist dem Magazin zufolge die Situation der Schussabgabe zu sehen. Dabei stütze sich Kurras mit der linken Hand auf einen Kollegen der Polizei, während er mit der rechten Hand schieße. Der Name dieses Kollegen von Kurras sei offenbar gezielt aus den Akten herausgehalten worden, er wurde laut "Spiegel" nie vernommen. Ebenfalls nicht vernommen wurden demnach drei Schutzpolizisten, die wahrscheinlich noch nach dem tödlichen Treffer auf den bereits am Boden liegenden Ohnesorg eingeprügelt hatten. Ihre Namen seien bis heute nicht ermittelt, berichtete das Magazin.

Ohnesorgs Tod gilt als einer der Auslöser für die Radikalisierung der Studentenbewegung und bereitete auch linksterroristischen Gruppen wie der RAF den Boden. Kurras erschoss den Studenten am Rande einer Demonstration gegen den persischen Schah in Berlin. Der Polizist wurde 1971 rechtskräftig freigesprochen. 2009 wurde bekannt, dass Kurras SED-Mitglied und Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes war. (APA)

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Nick Tameer
40
25.1.2012, 03:38

Es fasziniert mich, wie die bloße Erwähnung bestimmte Phänomene wie "Stasi" (bzw. die Anspielung darauf) jenseits von aller Faktizität ganz sichere Überzeugungen über stattgefundene Verschwörungen auslösen kann. Damit scheint man irgendwelche Energieströme auslösen zu können, die sich zu einem Weltbild schließen - oder hat es etwas mit dem Sonnensturm (HAARP??) zu tun?

Nach 500 Jahren scheint Don Qichote - als frühes Opfer der (Print-)Medien - zum Leitbild geworden und das Internet von Ritterscharen bevölkert zu sein, die ihre traurige Gestalt durch blühende Phantasie mehr als kompensieren.

Kralj Matjaz
20
24.1.2012, 15:35
womöglich...???

..nicht nur der Schütze, sondern ein nicht geringer Teil der Westberliner Polizei war von der STASI infiltriert.......und der STASI Plan dürfte funktioniert haben, der Polizist erschiesst mutwillig den Studenten und die Polizei deckt ihn.....sodass am 2.Juni 1967 losgeschlagen werden konnte...sowohl von der APO als auch später von der RAF...also Rechte dürften nach dieser These die Westberliner Schupos nicht gewesen sein.....

carboniferous
00
23.1.2012, 23:10

Die Dienstwaffe als Relikt zu Hause, scheint wohl Usus zu sein.

http://www.youtube.com/watch?v=XbIVeOO3b6w

sophistes
12
23.1.2012, 21:27
Bittere Ironie der Geschichte

Da erschießt also ein Polizist, der im Geheimen für den ideologischen Erzfeind arbeitet - möglicherweise gar im Auftrag dieses Erzfeindes - kaltblütig einen jungen Bürger der BRD, und obwohl nie ein Zweifel daran bestand, dass es kaltblütiger Mord war, decken oberste Polizei-, Justiz- und politische Kreise der BRD Jahrzehntelang diesen Mörder.

Sollte das tatsächlich ein perfider Plan der SED-Spitze gewesen sein, um die moralische Verkommenheit der BRD offenzulegen? Wenn ja, war es ein teuflisch genialer Plan.

Frodo Der Hobbit
12
24.1.2012, 01:22

das ist nicht genial, das ist völlig naheliegend, ausser man ist eben so betriebsblind wie die rechten parteien und gesellschaftskomponenten damals, und die polizei gehörte klar dazu.

während die nazis in der DDR durchaus heimlich in höchsten rängen überlebt hatten, zb auch in deren polizei!

Michael Schmied
00
23.1.2012, 18:31
Kann man ...

... den Karl-Heinz Kurras jetzt legal als "Mörder" bezeichnen? Braucht es dazu eines Gerichtsurteils? Ist das eine Meinung, oder eine Tatsache?

hotzenplotz1001
01
24.1.2012, 13:25
Ohne entsprechendes Urteil ist es logischerweise nicht amtlich, dass Kurras den Mord begangen hat.

Ein guter Grund, das Klischee „Polizei ist gut, Verbrecher ist böse“ einmal mehr in Frage zu stellen. Mörder ist kein Beruf wie Rauchfangkehrer. Mörder sein, ist vor allem ein moralische Einschätzung. Amtlich anerkannter Mörder wird man nicht durch Ausübung der Tätigkeit. Vor allem nicht als Polizist. Als Polizist steht man quasi von Natur aus auf der Seite der Guten. Wenn man also als Polizist tötet, tötet man für das Gute, oder was man dafür hält. Außer das Gericht kommt zu einem anderen Schluss - was in diesem konkreten Fall nicht zu erwarten ist.

Georg Bürstmayr
03
23.1.2012, 14:35
Lehren aus der Geschichte??

Es kommt leider öfter vor, dass Polizeibeamte unbewaffnete Zivilisten erschießen.

Häufig hat das zur Folge, dass sich schon vorhandene Protestbewegungen radikalisieren und / oder, dass sie deutlich mehr Zulauf bekommen. Damals in Deutschland ist ersteres passiert (die RAF geht - auch, nicht nur!! - auf den Tod Ohnesorgs zurück), zuletzt zB in einigen arabischen Staaten zweiteres.

Beides kann sich ein Staat, egal welcher, nicht wünschen. Beides lässt sich nur dann verlässlich verhindern, wenn solche Fälle von Tötung durch die Polizei rasch, schonungslos gründlich und vor allem transparent aufgeklärt werden - trotzdem wird genau diese Aufklärung häufig in falsch verstandenem Korpsgeist verhindert.

When will they ever learn?

Nick Tameer
00
25.1.2012, 22:39

Was der Staat, sprich diejenigen, die die Macht haben, seine 'Ziele zu definieren, denn er existiert ja nicht als Abstraktum, sich wünscht hängt freilich stark von der Situation ab. Zu Zeiten mögen die Prioritäten des Staates andere sein und zum Beispiel allein auf die Niederschlagung von "Aufruhr", ohne große Skrupulösität bei der Wahl der Mittel ausgerichtet sein. Wenn es zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen kommt, ist das erfahrungsgemäß noch immer der Fall gewesen. Die Situation in Berlin wurde von Politikern und Behörden fast schon als bürgerkriegsartig empfunden. Es ist eines der (dauerhaften?) Resultate der 68er-Bewegung, dass der deutsche Staat in dieser Hinsicht in seinem Urteil etwas zurückhaltender geworden ist.

fahrenheit 451
21
23.1.2012, 20:48

der schütze war einfach ein stasimitarbeiter der wohl den auftrag hatte die situation zu destabilisieren. danach reagierte die staatsmacht falsch mit dem stümperhaften versuch die situation zu deeskalieren.

aber fragt sich den keiner hier warum soviele personen entlang des eisernen vorhangs bei der flucht aus dem sozialistischen paradies erschossen wurden?

die elster
 
01
24.1.2012, 23:25
aber ja.

und die kollegen, die zugesehen und ihn bis hinauf zu polizeipräsident duensing gedeckt haben, waren sicher auch IM. und die richter auch. und der axel springer sowieso.

aber vielleicht waren auch nur alle seiten an einer eskalation interessiert. siehe "leberwursttaktik".

fahrenheit 451
10
25.1.2012, 18:26

was verstehen sie an der aussage einer stümperhaften deeskalation nicht?......

die elster
 
02
26.1.2012, 01:59
weil nachweislich niemand ...

... deeskalieren wollte. die einen wollten die bewegung endgültig zerschlagen, die anderen die "revolution".

und der ddr waren die hippies mindestens so suspekt wie der f.j. strauß. die hatte schon alle hände voll zu tun, derartige reformbestrebungen im eigenen land zu unterdrücken. dass sie ohnesorg trotzdem propagandistisch vereinnahmt hat, naja ... im kalten krieg wohl naheliegend.

Nick Tameer
01
26.1.2012, 19:34

Die Mehrheit der Demonstranten vom Frühsommer 1967 wollte keine Revolution, sondern hatte eine radikaldemokratische Einstellung. 1968 und infolge der Ereignisse und Erfahrungen von 1967 war das dann anders. Die Staatsentlarvungs-Strategie der RAF mag noch ein Reflex davon gewesen sein.

Franz Freiherr von Sommaruga
 
00
26.1.2012, 10:01
Foxxx
12
23.1.2012, 13:24
Die Vermutung liegt nahe, ...

... dass die DDR-Führung mit einem gezielten Mord durch einen ihrer IM's die Studentenproteste gezielt eskalieren lassen wollte, um die BRD zu destabilisieren, was durch das Auftreten der RAF beispielsweise auch gelang.
Sowieso war der Ostblock im Großen und Ganzen an der Ausweitung der linken Studentenunruhen in Westeuropa interessiert zwecks Schwächung des Westens und Verbreitung den "Weltrevolution".

Nick Tameer
00
25.1.2012, 22:49

Es tut gewiss weh, sich von liebgewonnenen Vorstellungen zu trennen, doch Vermutungen, die widerlegbar sind, sollte man selbst dann ad acta legen, wenn sie einem noch so naheliegend erscheinen.

Frodo Der Hobbit
00
24.1.2012, 01:18

die stasi hat die unruhen nicht am reissbrett konstruiert.

es gab die verhältnisse, die die studenten kritisierten, schon vor dem tod von ohnesorg.

auch wenn die konkreten ereignisse zu verurteilen sind, terror und morde, war es eine enorme herausforderung, ohne die sich die gesellschaft nicht weiter entwickelt hätte, bzw. wäre eine andere form des extremen drucks entstanden, die sich ein ventil gesucht hätte.
konservativ bedeutete damals und immer wieder die verweigerung von fortschritt, und das aufrechterhalten gesellschaftlicher polarisation zuungunsten eines wesentlichen teils der bürger, auf die herab geschaut wurde.
das reicht bis zur love parade katastrophe.

Adam Markus
03
23.1.2012, 13:53

Liegt die Vermutung nicht näher, dass genau dieser Zusammenhang Propagiert wird um von den eigentlichen Schuldigen abzulenken. Wie schon oft geschrieben lehnt sogar die dt. Polizei diese These mittlerweile ab.

Davon abgesehen hat nicht die Stasi die anderen Zeugen verschwinden lassen und den Mörder freigesprochen.

onlooker
12
23.1.2012, 13:11
egal ob kurras ein agent der ddr war oder nicht, den behörden war es recht das ohnesorg abgeschossen wurde,

und sie konnten mit folgen gut leben, wäre diese beamten wirklich um dass wohl des staates besorgt gewesen, hätten sie kurras einen prozess machen müssen, haben sie aber nicht, und dass ist der springende punkt, wer weiss ob ihm die damalige polizeiführung nicht den auftrag gegeben hat? oder vielleicht gab es noch andere spione in der polizeispitze? so einfach kann man sich die sache nicht machen, da wären weitere untersuchungen wünschenswert, spiegel get going

higgs - wozu?
15
23.1.2012, 11:41

falseflag operations gibt es aus jeder politischen richtung und unter jeder politischen farbe - ich denke die werden sehr gezielt durchgeführt, um den künstlichen konflikt zwischen rechts und links am köcheln zu halten, damit die verhetzten beider seiten schön beschäftigt sind, und darin aufgehen, sich gegenseitig die birnen weichzuklopfen - wär ja blöd, wenn die bemerken würden, daß sie eigentlich im gleichen boot hocken, die gleichen probleme und bedürfnisse haben, und sich mal mit jenen beschäftigen müssten, die diese probleme verursachen - die verursacher sorgen aber lieber dafür, daß man sich gegenseitig zerfleischt und können daher die situation immer beherrschen, weil sie beide seiten steuern und finanzieren.

Kowosch
 
00
23.1.2012, 16:53

Viele Leute kaufen aber ganz freiwillig Boulevard-Zeitungen, interessieren sich mehr für Klatsch und Sport und Esoterik als Wissenschaft und Geschichte und Philosophie etc..

Inwieweit geistige Trägheit aktiv steuerbar ist, ist wohl schwer meßbar (natürlich haben Fernsehprogramm etc. auch Einfluß - aber auch da könnten die Leute abstellen).

Kurzum: Nur weil es - z.T. erfolgreiche - Versuche der Fremdbestimmung und -steuerung sowie der Meinungsmanipulation auch durch "false flag" Aktionen gibt und gab, muß noch längst nicht alles dadurch erklärbar sein. Und das ist extrem vorsichtig ausgedrückt, um nicht gleich Ihre Abwehrmechanismen auszulösen...

Frodo Der Hobbit
00
24.1.2012, 01:30
was noch immer nicht hinterfragt wird

jede moderne gesellschaft ist ein ergebnis eines gigantischen engineering.
das merkt man im vergleich kolonisierter gesellschaften (bzw post-kolonialer).
welche werte, verhaltensweisen, korruptionen, ständesysteme und tabus, und welche aggressionen gleichen einander?
es ist leicht, es der "natur des menschen" zuzuschreiben. doch wenn man die anthropologie des 19.jhd. ansieht, die war höchst manipulativ, und der wunsch der vater des chauvinistischen gedankens. davon ernähren sich noch immer leute wie sarrazin. diese wissenschaft war gesponsert, um die kolonisation einerseits zu rechtfertigen, andererseits mit neuem knowhow zu unterstützen.

und bis heute zehren die mächte von diesem gesellschaftsengineering, codierte "reize" wie bei pavlov.

Derstandarddurchschnittsposter
00
23.1.2012, 13:50

Falseflag hin oder her. In dem Fall hat offenbar die DDR einen Westpolizisten dafür bezahlt (oder der hats aus ideologischen Gründen gemacht) den Ohnesorg zu erschießen.
Aber warum haben die ganzen West Beamten den Typen gedeckt? Den haben ja nicht nur die Kollegen im unmitellbaren Umfeld gedeckt. Das dürfte ja bis weit rauf gegangen sein.
Haben die auch gewußt, dass in Wirklichkeit die DDR dahinter steckt?

Der Mann im Fass
 
10
23.1.2012, 13:23

Traurig, aber wahr.

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