Bremen-Legionär Sebastian Prödl erlitt schwere Gesichtsverletzungen - Nasenbein und Oberkiefer sind gebrochen
Kaiserslautern - Als die Mediziner in der Westpfalz-Klinik am
Samstagabend noch mit der Untersuchung des schwerverletzten Sebastian
Prödl beschäftigt waren, empfahl Klaus Allofs dem Schiedsrichter-Team
bereits den Gang zum Augenarzt. "Im ganzen Stadion haben nur drei Leute
das Foul nicht gesehen - und die, die am Bierstand waren", schimpfte der
Geschäftsführer von Werder Bremen nach dem 0:0 zum Rückrundenstart in
und gegen Kaiserslautern. Allofs Ärger war spätestens nach der Diagnose
verständlich: Prödl erlitt einen Oberkiefer- und Nasenbeinbruch sowie
eine Gehirnerschütterung. Er fällt mindestens zwei Monate aus. "Es geht
mir ehrlich gesagt dreckig", teilte der 24-jährige Steirer auf seiner
Homepage mit.
Der Grund für die Verletzung des österreichischen Nationalkickers und
den Frust von Allofs war eine Szene in der 24. Minute. Kaiserslauterns
Stürmer Dorge Kouemaha wollte per Fallrückzieher im eigenen Strafraum
klären und traf dabei Prödl mit voller Wucht im Gesicht. Nach einer
langen Behandlung auf dem Platz musste der stark blutende
Innenverteidiger auf einer Trage abtransportiert werden. Der fällige
Elfmeter-Pfiff von Schiedsrichter Robert Hartmann blieb aber aus. Das
brachte Werders Coach Thomas Schaaf derart auf die Palme, dass er den
Unparteiischen sogar der Lüge bezichtigte. "Das ist unfassbar für mich.
Der Schiedsrichter hat mir in der Halbzeit gesagt, dass er es nicht
gesehen hat. Die Aufnahmen widerlegen es. Er hat es gesehen, und dafür
habe ich kein Verständnis", sagte Schaaf. Im Gegensatz zum
Schiedsrichter war Kouemaha kaum ein Vorwurf zu machen. Der Kameruner
hatte den nach vorn stürmenden Prödl bei seinem Rettungsversuch nicht
wahrgenommen. "Das tut mir sehr leid, aber ich habe ihn nicht gesehen",
sagte der Angreifer, der sich in der Bremer Kabine die Handy-Nummer
Prödls besorgte.
Nach Ansicht von Allofs war die Szene entscheidend. "Dabei geht es nicht
nur um den Elfmeter, sondern auch darum, dass Sebastian für den Rest des
Spiels ausfiel. Gerade bei Standards ist er eine zusätzliche Waffe für
uns."
Prödls Vertrag lauft im Sommer aus, Werder möchte ihn behalten, die
Verletzung sollte bei den Verhandlungen keine Rolle spielen. Am Sonntag
kam beim Patienten leichter Optimismus auf: "Der Weg zurück wird nicht
einfach, aber ich weiß schon jetzt, dass mich die Unterstützung durch
meine Familie, Freundin, Freunde, Verein und alle Fans bald zu alter
Stärke zurückführen wird."
In der deutschen Bundesliga häufen sich die schweren
Gesichtsverletzungen. Prödls Vorgänger waren Michael Ballack, Klaas-Jan
Huntelaar (beide Nasenbeinbruch), Neven Subotic (Mittelgesichtsfraktur),
Christian Tiffert (tiefe Platzwunde), Sven Bender (doppelter
Kieferbruch) und Benedikt Höwedes (Jochbeinbruch). Letztgenannter stieß
übrigens mit seinem Schalker Kollegen Marco Höger zusammen. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2012)