Erste TV-Spielfilmregisseurin Österreichs und Gestalterin sensibler, politisch engagierter Dokus - Geburtstag am Dienstag
Wien - Sie zählt zu den politischen Filmemacherinnen des
Landes und zu den feministischen Vorkämpferinnen der heimischen
Filmszene: Käthe Kratz feiert am Dienstag (24. Jänner) ihren 65.
Geburtstag. Die gebürtige Salzburgerin schrieb sich als erste
TV-Spielfilmregisseurin Österreichs, aber auch als Gestalterin
sensibler, sozial engagierter Dokus in die Chroniken ein. Nicht nur
filmisch beschäftigte sie sich mit Flüchtlingsschicksalen, sondern
widmete sich auch in Projekten, Initiativen und Dokus der Spurensuche
jüdischer Emigranten.
Die Regisseurin, die lange mit Peter Turrini liiert war, gehörte
gemeinsam mit Susanne Zanke, Kitty Kino, Heide Pils und der 1994
verstorbenen Margareta Heinrich zur informellen Gruppe "Aktion
Filmfrauen", die längst nicht mehr existiert. "Aber Anfang der 80er
Jahre haben wir viel in Bewegung gebracht", erklärte sie einmal in
einem APA-Interview. Gegen Ende des Jahrzehnts und die ganzen 1990er
Jahre hindurch sei die Frauenquote in Österreich allerdings wieder
gegen Null gegangen. "Nach einer Phase, in der wir gedacht haben, es
hat sich in den Köpfen der Menschen gesetzt, dass auch Frauen etwas
zu erzählen haben, war das sehr bitter."
Nach ersten Dokumentarfilmen als freie Mitarbeiterin des ORF, noch
während ihrer Studienzeit an der Wiener Filmhochschule gedreht, wo
sie die erste Studentin im Fach Regie war, folgten Spielfilme fürs
Fernsehen, darunter "Glückliche Zeiten" (1976, mit Dieter Berner),
die fünfteilige historische Reihe "Lebenslinien" (1979-88), die 1983
auch als Roman erschien, oder "Im Zeichen der Liebe" (1994) und
Kinofilme wie "Atemnot" (1983) oder "Das 10. Jahr" (1994), das zwei
Jahre zuvor unter dem Titel "Herzlich willkommen" als Theaterstück
herausgekommen war.
Viel Aufmerksamkeit erlangte Kratz mit ihren beiden Dokus
"Abschied ein Leben lang" (1999) und "Vielleicht habe ich Glück
gehabt (2003). Drei Emigrantinnen, die heute alle in den USA leben,
lässt sie in ihrem "Abschieds"-Film von ihrem Alltag vor dem
"Anschluss", von Flucht und Exil berichten. Der Streifen verbindet
die Erinnerungen der Frauen mit Aufnahmen von der Nachbildung der
Synagoge in der Neudeggergasse in Wien-Josefstadt. Auf die Spuren
junger Flüchtlinge machte sich Kratz in "Vielleicht habe ich Glück
gehabt" - und stellt die Schicksale von Flüchtlingskindern im
heutigen Österreich jenen von aus Österreich vertriebenen jüdischen
Exilanten im damaligen London einander gegenüber.
Neben ihrer filmischen Tätigkeit unterrichtete Kratz etwa an der
Wiener Filmakademie oder an der Donauuniversität Krems. In den
vergangenen Jahren etablierte sie außerdem einen zweiten Wohnsitz und
eine zweite Karriere als Gastgeberin - auf der kleinen kroatischen
Insel Solta. Das malerische Haus in dem verschlafenen Fischerdörfchen
Maslinica wurde schon bald auch für Freunde, Bekannte und deren
Bekannte zu einem beliebten Entspannungsdomizil. (APA)