Kapitän sagt, Manöver "Verneigung" war geplant

Kapitän will Reederei über Manöver informiert haben - Schiff zieht Schaulustige an

Rom - In dem am 13. Jänner vor der toskanischen Küste verunglückten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia wurde am Sonntag eine weitere Leiche gefunden. Die Zahl der geborgenen Toten erhöhte sich damit auf 13, acht von ihnen sind identifiziert. 20 Menschen werden noch vermisst.

Unterdessen wurden Details der Einvernahmen des Kapitäns bekannt. Demnach hat Francesco Schettino erklärt, die Reederei sei sehr wohl über das Manöver informiert gewesen, das als Ursache der Havarie gilt.

"Die Verneinung" als Werbung

Schettino will nicht als Einziger die Verantwortung für das Unglück übernehmen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Reederei Costa Crociere. Die Kreuzfahrtgesellschaft sei informiert worden, dass er ein als "Verneigung" bezeichnetes Manöver vor der toskanischen Insel Giglio durchführen habe wollen, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt.

Die "Verneigung" werde von Kreuzfahrtschiffen auf der ganzen Welt durchgeführt und sei eine Art Werbung für die jeweilige Gegend, berichtete Schettino in Aussagen vor den ermittelnden toskanischen Staatsanwälten.

Reederei: Manöver erst einmal genehmigt

Costa Crociere hatte bisher bestritten, dass Schettino die Gesellschaft über Pläne informiert habe, die "Verneigung" durchzuführen. Ein einziges Mal im Jahr 2010 sei einem Costa-Kreuzfahrtschiff vor der süditalienischen Insel Procida dieses Manöver genehmigt worden.

Die Kreuzfahrtgesellschaft hatte angegeben, Schettino habe gegenüber der Reederei die Lage an Bord heruntergespielt. "Er hat uns belogen", hatte der Geschäftsführer von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, erklärt. Schettino erwiderte, dass er nach der Havarie sofort mit dem Krisenmanager der Kreuzfahrtgesellschaft telefoniert habe, dem er Schritt für Schritt die Entwicklungen an Bord beschrieben habe. Schettino bestritt auch, dass er nach dem Schiffbruch flüchten wollte. "Ich habe das Schiff nicht verlassen. Ich habe von einem Felsen aus die Evakuierungsaktion koordiniert. Ich war an meiner Uniform klar erkennbar", sagte er den Staatsanwälten.

Kapitän gibt Fehler bei Manöver zu

Bei dem Manöver vor der Insel Giglio sei etwas schiefgelaufen, gab Schettino zu. "Das Manöver war schon beim Start in Civitavecchia beschlossen worden, doch ich habe einen Fehler gemacht. Ich kenne die Strecke gut und ich hatte das Manöver schon drei- oder viermal vollführt. Diesmal bin ich in zu seichtes Wasser geraten. Ich weiß nicht, warum das passiert ist", sagte Schettino den Ermittlern.

Wichtige Informationen über die Ereignisse nach der Havarie könnte die Blackbox der Costa Concordia liefern, doch Schettino gab an, dass sie schon zwei Wochen vor der Havarie nicht funktioniert habe. "Wir hatten gebeten, sie zu reparieren, doch es ist nicht geschehen", so Schettino. Es gebe jedenfalls einen weiteren "Voyage Data Recorder", der Aufschluss darüber geben könnte, was der Kapitän zum Zeitpunkt der Havarie tat. (APA)

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