Kapitän sagt, Manöver "Verneigung" war geplant

22. Jänner 2012, 18:00

Kapitän will Reederei über Manöver informiert haben - Schiff zieht Schaulustige an

Rom - In dem am 13. Jänner vor der toskanischen Küste verunglückten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia wurde am Sonntag eine weitere Leiche gefunden. Die Zahl der geborgenen Toten erhöhte sich damit auf 13, acht von ihnen sind identifiziert. 20 Menschen werden noch vermisst.

Unterdessen wurden Details der Einvernahmen des Kapitäns bekannt. Demnach hat Francesco Schettino erklärt, die Reederei sei sehr wohl über das Manöver informiert gewesen, das als Ursache der Havarie gilt.

"Die Verneinung" als Werbung

Schettino will nicht als Einziger die Verantwortung für das Unglück übernehmen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Reederei Costa Crociere. Die Kreuzfahrtgesellschaft sei informiert worden, dass er ein als "Verneigung" bezeichnetes Manöver vor der toskanischen Insel Giglio durchführen habe wollen, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt.

Die "Verneigung" werde von Kreuzfahrtschiffen auf der ganzen Welt durchgeführt und sei eine Art Werbung für die jeweilige Gegend, berichtete Schettino in Aussagen vor den ermittelnden toskanischen Staatsanwälten.

Reederei: Manöver erst einmal genehmigt

Costa Crociere hatte bisher bestritten, dass Schettino die Gesellschaft über Pläne informiert habe, die "Verneigung" durchzuführen. Ein einziges Mal im Jahr 2010 sei einem Costa-Kreuzfahrtschiff vor der süditalienischen Insel Procida dieses Manöver genehmigt worden.

Die Kreuzfahrtgesellschaft hatte angegeben, Schettino habe gegenüber der Reederei die Lage an Bord heruntergespielt. "Er hat uns belogen", hatte der Geschäftsführer von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, erklärt. Schettino erwiderte, dass er nach der Havarie sofort mit dem Krisenmanager der Kreuzfahrtgesellschaft telefoniert habe, dem er Schritt für Schritt die Entwicklungen an Bord beschrieben habe. Schettino bestritt auch, dass er nach dem Schiffbruch flüchten wollte. "Ich habe das Schiff nicht verlassen. Ich habe von einem Felsen aus die Evakuierungsaktion koordiniert. Ich war an meiner Uniform klar erkennbar", sagte er den Staatsanwälten.

Kapitän gibt Fehler bei Manöver zu

Bei dem Manöver vor der Insel Giglio sei etwas schiefgelaufen, gab Schettino zu. "Das Manöver war schon beim Start in Civitavecchia beschlossen worden, doch ich habe einen Fehler gemacht. Ich kenne die Strecke gut und ich hatte das Manöver schon drei- oder viermal vollführt. Diesmal bin ich in zu seichtes Wasser geraten. Ich weiß nicht, warum das passiert ist", sagte Schettino den Ermittlern.

Wichtige Informationen über die Ereignisse nach der Havarie könnte die Blackbox der Costa Concordia liefern, doch Schettino gab an, dass sie schon zwei Wochen vor der Havarie nicht funktioniert habe. "Wir hatten gebeten, sie zu reparieren, doch es ist nicht geschehen", so Schettino. Es gebe jedenfalls einen weiteren "Voyage Data Recorder", der Aufschluss darüber geben könnte, was der Kapitän zum Zeitpunkt der Havarie tat. (APA)

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Ob eine "Verneigung "

sprich riskante Annäherung zur Küste mit derCosta zentrale abgesprochen wurde, sowie die Angaben des Kapitäns bezgl. Fehlende Untiefe in der Seekarte, verlassen des Schiffes, Evakuierung etc.
werden die Einvernehmungen bzw. Zeugenaussagen bei den Gerichtsverhandlungen klären.
Jedenfalls wurde der Kapitän jetzt schon von den Medien hingerichtet.
Um eine solche Katastrophe weitgehendst zu vermeiden müsste meiner Meinung analog dem Flugverkehr eine "Schiffsüberwachung" installiert werden, da wie die Katastrophe zeigt, der Mensch nicht unfehlbar ist.
Jedenfalls hat der Kap. lt. Video Youtube - Costa Concordia accident (Track#1 und 2), das Schiff nach dem Crash exakt ans Ufer gelegt und somit eine noch größere Katastrophe verhindert.

H e r r g o t t

Irgend einer der 4000 Passagier sollte doch ein iPhone bei sich gehabt haben, das Rekonstruieren des Kurses sollte heute Dank Apple kein Problem darstellen.

oder ein Blackberry ;)

Seekarten, GPS

und so, gibts das eigentlich nicht mehr?

Der Werbeeffekt ist bei einer Vergeigung um einiges höher als bei einer Verneigung.

Jede Landratte kennt nun die Firma.

Die Frage ist nur, ob diese Werbung positiv oder negativ für das Geschäft ist.

bitte keine "verneigung" mehr

das kostet menschenleben und gefährdet unsere umwelt!

Das Schiff hat sich jetzt "geneigt".

Sieht mir eher nach Verneigung mit anschließendem Bandscheibenvorfall aus...

Aber ernsthaft - wie sieht ein erfolgreiches Verneigemanöver aus? Dazu hab ich nichts gefunden.

Ich nominiere hiermit "Verneigung" zum Wort des Jahres 2012!

Oder zum Unwort.

Kapitän sagt:

Manöver "Vergeigung" war ungeplant

War es jetzt eigentlich ein Fehler, dass der Kapitän das beschädigte Schiff gegen die Küste steuerte oder nicht?

Nur deswegen ist es ja gekippt, oder?

Ohne Küste wäre jetzt kein Leck.

Und Giglio tät weiterhin keiner kennen.
Und Costa auch nicht.
Und Schettino schon gar nicht.

Seis drum...

würd ich nicht sagen, im tieferen gewässer wärs einfach gesunken.

Das ist ja die entscheidene Frage:

Wäre das Schiff im freien Wasser gesunken, bzw. gekentert?
Ich glaub eigentlich eher nicht.

Natürkich wäre sie es. Sonst würde sie jetzt nicht seitlich am Grund liegen.

So einfach ist das nicht.

Wenn sie im seichten Gewässer nur ein paar Meter absinkt, muss sie zur Seite kippen, während sie im tiefen Gewässer einfach tiefer liegen könnte. Deswegen ist ja auch die beschädigte Seite oben.
Aber ich mutmaße natürlich nur.

Gekentert wäre es sowieso. Man hätte es aber schon davor evakuieren können.

[when Zapp altered the Titanic's route to make it more "interesting"]
Lt. Kif Kroker: [as asteroids are flying by the bridge] Do you remember that "course correction" you made, sir?
Captain Zapp Brannigan: [meaning it] No.

Captain Zapp Brannigan: [piloting a floating restaurant] Ah, she's built like a steakhouse but she handles like a bistro.

na endlich gibt er es zu

"Die "Verneigung" werde von Kreuzfahrtschiffen auf der ganzen Welt durchgeführt und sei eine Art von Werbung"

Also so eine Art maritimes Gib Gummi von Halbwahnsinnigen mit den bekannten Folgen.

Vom Licht aufdrehen und Tuuten geht aber kein Schiff unter.

Nein. Eher von "keiner kann das so gut wie ich".

Black box und Versicherungsexpertise

...die Auswertung wird spannend werden.

Pekunäre Auswirkungen?

Die Ausbildung der Mannschaft kostest enorm viel Geld (ein norwegischer Kapitän kostet nunmal mehr)

Eine vorschnelle Evakuierung kostet der Reederei viel Geld.

Obs nicht wiedereinmal am Geld liegt?

Ob

Blackbox war leider kaput.

Am Freitag, den 13., macht man keine Verneigungen!

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